Trotz Schulden- und Eurokrise wächst der europäische Einzelhandel wieder - auch dank des steigenden Konsums in den osteuropäischen Ländern. Dort liegt noch enormes Potenzial für hiesige Händler.

Die Finanzkrise hat zwar 2009 mit einem Umsatzminus von 2,5 Prozent Spuren hinterlassen, doch bereits 2010 verzeichnete Europas Einzelhandel wieder ein Umsatzplus von 1,7 Prozent. Und das trotz der anhaltenden Krise in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Irland. Das belegt eine Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH). 

Besonders die osteuropäischen Länder bergen, allein durch ihre hohen Bevölkerungszahlen, noch enormes Potenzial für den Einzelhandel. Zwar gestaltet sich das Kaufkraftvolumen in den Ländern der EU 27 sehr unterschiedlich, aber allein die Steigerung des privaten Verbrauchs in den ärmeren Ländern offenbart ein Riesenpotenzial.

12 Bulgaren oder 1 Luxemburger

Und die Konsumausgaben gleichen sich langsam an: Heute geben 12 Bulgaren mit Pro-Kopf-Ausgaben von 1.022 Euro so viel aus wie ein Luxemburger mit 12.231 Euro. 1995 lag das Verhältnis noch bei 54 zu 1! Das weckt Begehrlichkeiten.

Vor allem die deutschen Unternehmen, die sich in margenarmen Warengruppen bewegen, suchen ihr Heil im Ausland, so das IFH. Das sind die großen Unternehmen des Lebensmittelmarktes, die Nonfood-Fachmarktkonzepte der Drogeriemarkt- und Baumarktszene sowie preisaggressive Filialisten wie KiK, Takko oder Fressnapf.

Grenzübergreifender Strukturwandel

Nicht nur deutsche, auch andere westeuropäische Handelsformate expandieren - und das zeigen die sich wandelnden Handelsstrukturen, die sich in allen Ländern der EU auf dieselbe Formel bringen lassen: Umsatzwachstum von Discountern, Filialisten und Fachmärkten auf Kosten der traditionellen Formate Kauf- und Warenhäuser, kleinbetrieblicher Fachhandel und traditioneller Lebensmittelhandel.