Die Otto-Group setzt bei ihrem Wachstumskurs weiter auf den Onlinehandel. Unternehmenschef Schrader schärmt von den Möglichkeiten im Netz und setzt große Hoffnungen auf das iPad.

Die Hamburger Otto Group profitiert vom anhaltenden Trend zum Online-Handel. Während der Anteil des sogenannten "Distanzhandels" am Einzelhandel über viele Jahre bei fünf Prozent lag, ist er mittlerweile auf 7,4 Prozent gestiegen und könnte nach Prognosen 15 bis 20 Prozent erreichen.

"Etwas besseres als die Erfindung des Internet konnte uns gar nicht passieren", sagte Konzernchef Hans-Otto Schrader heute anlässlich der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Hamburg. "Kein Handelsunternehmen kann heute auf den Vertrieb über das Netz verzichten."

"Das iPad ist magisch"

Otto ist der weltgrößte Online-Händler nach Amazon und der größte in den Bereichen Mode und Lifestyle. Neue Impulse für sein Geschäft erwartet Schrader von Apples Tablet-Computer iPad. "Steve Jobs hat recht: Das Gerät ist wirklich magisch. Es wird eine Revolution im Mobile Commerce einleiten", sagte er.

Der Hamburger Versandhändler hat bereits erste Anwendungen für das iPad entwickelt und arbeitet an weiteren. Der Nutzer blättert dabei durch einen Katalog und kann direkt aus der jeweils aufgeschlagenen Seite bestellen.

Zweistelliges Umsatzplus als Ziel

Im laufenden Geschäftsjahr (Stichtag: 28. Februar) will der Versender ein zweistelliges Umsatzplus erreichen. Es sei gelungen, sich vom negativen Trend im internationalen Einzelhandel abzukoppeln, sagte Schrader. "Voraussetzung für die sehr ehrgeizige Prognose ist aber, dass sich die Rahmenbedingungen in Deutschland, Europa, den USA und Asien nicht verschlechtern." Zudem erwarte Otto eine steigende Rendite.

Das vergangene Geschäftsjahr beendete Otto mit einem Umsatzwachstum von 1,4 Prozent auf 10,13 Milliarden Euro. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren erwies sich Deutschland als Wachstumstreiber mit 6,7 Prozent Umsatzplus auf 5,79 Milliarden Euro.

Ehemalige Quelle-Kunden?

Dabei lässt sich laut Schrader nicht genau ermitteln, wie viel ehemalige Quelle-Kunden zu dem Otto-Wachstum beigetragen haben. "Wir schätzen aber, weniger als die Hälfte." Im wesentlichen sei Otto in Deutschland aus eigener Kraft gewachsen. Das Wachstum im Inland konnte die Umsatzrückgänge im Ausland um 4,9 Prozent auf 4,35 Milliarden Euro mehr als ausgleichen.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag bei 34 Millionen Euro, nach einem Verlust von 95 Millionen Euro im Vorjahr. Der Jahresüberschuss reduzierte sich durch Sondereinflüsse von 329 auf 200 Millionen Euro.