Der Handels- und Dienstleistungskonzern Otto Group freut sich über gute Umsätze. Noch besser wären sie bei einem schwächeren Euro gewesen.

Die Otto Group hat im zurückliegenden Geschäftsjahr 2013/14, das am 28. Februar 2014 endete, nach vorläufigen Berechnungen ihren Umsatz planmäßig um 3,3 Prozent erhöhen können. Auch die Otto Group habe unter dem starken Euro gelitten, meldet der Handels- und Dienstleistungskonzern aus Hamburg. Nach Wechselkurseffekten könne die Otto Group deshalb "nur" eine Umsatzsteigerung um 1,8 Prozent von 11,8 auf 12 Milliarden Euro ausweisen.

Umso erfreulicher sei die Gewinnentwicklung: Die Otto Group hat demnach das Geschäftsjahr mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) in Höhe von 388 Millionen Euro abgeschlossen. "Wir haben unser Ziel, im abgelaufenen Geschäftsjahr ein werthaltiges Wachstum zu erreichen, gut erfüllt", sagt der Vorstandsvorsitzende der Otto Group, Hans-Otto Schrader.

Onlineumsatz wächst auf mehr als 6 Milliarden Euro

Hervorragend sei das Geschäft vor allem im wachsenden Internethandel gelaufen. Mit den weltweit gut 100 Onlineshops hat der Konzern demnach rund 400 Millionen Euro mehr erlöst als im Vorjahr und konnte damit die 6-Milliarden-Euro-Umsatzmarke überspringen. Das entspricht einer Steigerung von rund 7,6 Prozent. Die Onlineumsätze stehen damit für knapp 61 Prozent der gruppenweiten Einzelhandelsumsätze.

Im deutschen Markt legten die E-Commerce-Umsätze im Vergleich zum vorigen Geschäftsjahr um 7,2 Prozent oder knapp 270 Millionen auf rund 4 Milliarden Euro zu. Damit werden den Angaben zufolge im deutschen Multichannel-Einzelhandel bereits zwei von drei Euro online erwirtschaftet.

Die gesamten Umsätze des Konzerns legten den Angaben zufolge in Deutschland um 4,6 Prozent auf 7,062 Milliarden Euro zu. Im Segment Multichannel-Einzelhandel seien die Erlöse um 2,3 Prozent gestiegen und damit deutlich besser als der gesamte Einzelhandel in Deutschland, der laut Statistischem Bundesamt (Destatis) um 1,4 Prozent zunahm.

Finanzdienstleistungen und Service mit zweistelligem Zuwachs

Das Segment Finanzdienstleistungen legte im Vergleich zum Geschäftsjahr 2012/13 um rund 43 Prozent, das Segment Service um 12,5 Prozent zu. Hier habe die Gruppe vom weltweiten Boom des Onlinehandels profitiert. Die Finanzdienstleistungen der Otto Group, in dem Unternehmen wie die EOS-Gruppe und neue Finanzdienstleistungen wie Yapital gebündelt sind, legten demnach weltweit um 15 Prozent auf 683 Millionen Euro zu (kursbereinigt: 16,7 Prozent). Ebenfalls um 15 Prozent habe das Service-Segment zugelegt, das im Wesentlichen von der internationalen Dienstleistungsgruppe Hermes geprägt wird.

Die Umsätze mit Unternehmen außerhalb der Otto Group seien hier auf 1,303 Milliarden Euro gestiegen (kursbereinigt: 16,5 Prozent). "Ich freue mich über das abermals zweistellige Wachstum unserer Dienstleistungen besonders, weil es unserer Strategie entspricht, den Anteil dieser beiden Segmente am Gesamtumsatz deutlich zu steigern", so Hans-Otto Schrader.

"Ordentliche" Entwicklung des Geschäftsfelds Multichannel-Einzelhandel

Das Segment Multichannel-Einzelhandel der Otto Group, in dem die weltweiten Handelsaktivitäten via Online, Katalog und Stationärgeschäft gebündelt sind, verbuchte währungskursbereinigt einen Zuwachs von 1,0 Prozent auf 10,160 Milliarden Euro, in Euro bilanziert ergab sich ein leichter Rückgang von 0,4 Prozent auf 10,015 Milliarden Euro. Ohne die geplanten Einbußen der französischen Handelsaktivitäten habe das Segmentwachstum kursbereinigt 1,7 Prozent betragen.

Der Umsatz der in Restrukturierung befindlichen französischen 3SI Group sank demzufolge geplant um weitere 8,3 Prozent auf 1,536 Milliarden Euro. Anfang 2014 hat die Otto Group die B2C- und die B2B-Aktivitäten in Frankreich vollständig übernommen, um sie in Richtung E-Commerce weiterzuentwickeln. Dieser Prozess sei auf mindestens zwei Jahre angelegt und werde in dieser Phase zu weiteren Umsatzrückgängen führen.

Währungskurseffekte belasten Auslandsumsätze

Die Otto Group könne aufgrund des starken Euros im Vergleich zum US-Dollar, dem russischen Rubel, japanischen Yen und britischen Pfund allerdings nur geringere Einzelhandelsumsätze ausweisen. So sei der Umsatz in Russland zwar um 9,1 Prozent gestiegen, doch in Euro umgerechnet habe das Wachstum nur noch 0,4 Prozent auf 549 Millionen Euro betragen. Die nordamerikanische Einrichtungs- und Lifestyle-Gruppe Crate and Barrel musste demnach währungskursbereinigt einen Rückgang ihres Umsatzes um 2,5 Prozent hinnehmen, in Euro bilanziert ging der Umsatz jedoch um 8,3 Prozent auf rund eine Milliarde zurück.

Besonders stark war demnach der Währungskurseffekt in Japan: In Yen gab der Umsatz um 7,6 Prozent nach, in Euro ging er um 26 Prozent auf 166 Millionen Euro zurück. Erfolgreicher lief das Geschäft in Großbritannien: Freemans Grattan Holding legte um 5,6 Prozent auf 170 Millionen Euro zu. Kursbereinigt betrug das Wachstum sogar knapp 10 Prozent.

Heine, Schwab und Sportscheck mit Umsatzrückgang

Die Einzelgesellschaft Otto konnte im vergangenen Geschäftsjahr um 6,7 Prozent auf 2,269 Milliarden Euro wachsen. Die in 27 Ländern tätige Bonprix-Gruppe legte demnach um 66 Millionen Euro auf 1,288 Milliarden Euro zu – das entspricht einem Zuwachs von 5,4 Prozent. Eine noch bessere Umsatzentwicklung konnte die Witt-Gruppe verzeichnen: Sie wuchs um 7,5 Prozent auf 716 Millionen Euro, ein Plus von 50 Millionen Euro. Die Baur-Gruppe vermeldete einen leichten Anstieg um 0,5 Prozent auf 669 Millionen Euro; das tatsächliche Wachstum sei höher gewesen, weil die Umsätze des Schuh-Onlinehändlers Mirapodo fehlen, die nun bei der Mytoys-Gruppe bilanziert werden.

Die Heine Gruppe musste demnach einen Umsatzrückgang von 4,2 Prozent auf 483 Millionen Euro hinnehmen, wie auch die Schwab-Gruppe, wo der Umsatz um 4,4 Prozent auf 255 Millionen Euro zurückging. Ebenso habe Sportscheck einen Rückgang von 5,1 Prozent auf 319 Millionen Euro bilanzieren müssen. Die Mytoys-Gruppe hingegen habe mit ihrem Multishop-Konzept inklusive Mirapodo den Umsatz kräftig um 35,4 Prozent auf 383 Millionen Euro steigern können. Hohe zweistellige Umsatzzuwächse verzeichneten weitere Onlineanbieter der Otto Group wie Baumarkt direkt und Limango.

Nach vorläufigen Berechnungen ist die Zahl der Beschäftigten der Otto Group im vergangenen Jahr mit rund 53.700 Vollzeitstellen stabil geblieben. In Deutschland nahm die Zahl der Stellen um rund 650 auf knapp 26.000 zu.

Digitale Investitionen im neuen Geschäftsjahr

Die gute Ertragslage wird die Otto Group dafür nutzen, um die "digitale Transformation des Kerngeschäftes" weiter voranzutreiben und neue, vor allem E-Commerce-bezogene Geschäftsmodelle im Handel und im Dienstleistungsbereich auf- und auszubauen. So will der Konzern in einem Dreijahresplan bis 2015 allein rund 300 Millionen Euro investieren, in IT-Entwicklungen, eine neue Payment-Lösung, Beteiligungen an vielversprechenden Start-ups und das Projekt Collins, das ein neues Geschäftsmodell mit mehreren Spezialshops für junge, mode-affine Frauen entwickeln will.

"Durch unser nachhaltig und ertragsorientiertes Wachstum erwirtschaften wir die nötigen Mittel, um aus eigener Kraft zu investieren und im Markt unsere Position dauerhaft auszubauen", ist Hans-Otto Schrader überzeugt. "Auch im Geschäftsjahr 2014/15 wollen wir weiter profitabel wachsen und mit neuen Geschäftsmodellen wie Yapital und Collins Zeichen setzen."