Die Otto Group macht online und im Inland glänzende Geschäfte - trotz der Krise. Die schlägt offenbar nur im Ausland negativ zu Buche.

Die Hamburger Otto Group konnte ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2009/2010, das am 28. Februar 2010 endete, von 9,993 Milliarden auf 10,138 Milliarden Euro steigern. Sie lag damit trotz schwieriger Konsumkonjunktur um 1,5 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Währungskursbereinigt erzielt die Otto Group ein Umsatzplus von 1,8 Prozent, meldet das Unternehmen.

Besonders erfreulich lief dabei das Geschäft in Deutschland: Hier zu Lande legte der Umsatz um 6,8 Prozent auf 5,791 Milliarden Euro zu. Auch beim operativen Ergebnis will  das Handelsunternehmen, klar über dem Vorjahr liegen. Im Geschäftssegment Multichannel-Einzelhandel schloss die Otto Group in Summe mit einem Umsatzplus von 1,4 Prozent auf 8,923 Milliarden Euro ab.

Online boomt weltweit

"Vor dem Hintergrund des schwierigen Konsumklimas sind wir mit dem Umsatz und dem operativen Ergebnis zufrieden", erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Otto Group, Hans-Otto Schrader, bei Bekanntgabe der vorläufigen Bilanz am heutigen Dienstag. "Besonders erfreut hat uns  das stark wachsende Geschäft in Deutschland und im weltweiten Onlinehandel."

Als treibende Kraft erwies sich den Angaben zufolge der Onlinehandel mit dem Endverbraucher (B2C): Nach vorläufigen Berechnungen sei der durch E-Commerce erzielte Umsatz um 22 Prozent auf 3,628 Milliarden Euro gestiegen. Im Durchschnitt kaufen Kunden der Otto Group damit täglich Waren im Wert von fast 10 Millionen Euro auf einer der  rund 50 Onlineplattformen der Unternehmensgruppe.

Weltweit Nummer Zwei beim E-Commerce

Der Anteil des E-Commerce-Umsatzes am Umsatz des Segments Multichannel-Einzelhandel beträgt 41 Prozent. Bei einzelnen Unternehmen wie der Einzelgesellschaft OTTO ist der Anteil auf 62 Prozent gewachsen. Mit einem E-Commerce-Umsatz von 3,628 Milliarden Euro habe die Otto Group ihre "weltweit herausragende Position als Online-Anbieter im Geschäft mit dem Endverbraucher ausbauen können", heißt es in der Pressemitteilung zur Bilanz. 

Die Otto Group ist eigenen Angaben zufolge weltweit der größte Onlinehändler für Fashion und Lifestyle; insgesamt, also quer durch die Sortimente, die Nummer Zwei hinter Amazon. In Europa und Deutschland sehen sich die Händler aus Hamburg als die "unangefochtene Nummer Eins".

Insolvenz von Quelle half nur ein bisschen

Eine weitere treibende Kraft sei im abgelaufenen Geschäftsjahr das Deutschland-Geschäft der Gruppe gewesen: Der Gesamtumsatz stieg um 6,8 Prozent auf 5,791 Milliarden Euro. "Dieser Umsatzerfolg in einem an sich rückläufigen Markt ist nur zu einem geringen Teil auf die Insolvenz von Quelle zurückzuführen", betonte Hans-Otto Schrader. "Vielmehr haben sich die erheblichen Investitionen in unsere Marken und Online-Aktivitäten ausgezahlt".

Die Einzelgesellschaft OTTO, die im vergangenen Jahr 60 Jahre alt wurde, investierte demnach in Marke und Marketing und habe dementsprechend seinen Umsatz überplanmäßig um 12,1 Prozent auf 1,869 Milliarden Euro steigern. Ebenso erfolgreich habe sich die Bonprix-Gruppe entwickelt: Sie legte um 11,7 Prozent  auf 972 Millionen Euro zu. Rechne man die Umsätze der russischen Aktivitäten mit der Marke Bonprix hinzu, übersprang die Bonprix-Gruppe erstmals die magische Eine-Millarden-Umsatzmarke.

Heine macht Miese

Die Heine-Gruppe schloss das vergangene Jahr unterdessen mit einem "erwarteten" Umsatzminus von 3,7 Prozent auf 632 Millionen Euro ab; wieso diese erwartet wurden, teilen die Hamburger allerdings nicht mit. Andere Spezialversender der Otto Group wie die Schwab-Gruppe konnte beim Umsatz hingegen um 6,1 Prozent auf 985 Millionen Euro zulegen.

Die Baur-Gruppe steigerte ihren Umsatz ebenfalls, um 3,3 Prozent auf 468 Millionen Euro. Und auch SportScheck errang ein Umsatzplus von 4,8 Prozent auf 277 Millionen Euro. "Diese Umsatzzuwächse wurden erreicht, bevor die Otto Group die Marke Quelle nutzen kann", heißt es.

Auslandsumsätze gehen zurück

Während sich der Umsatz im deutschen Markt nach vorläufigen Zahlen sehr positiv entwickelte, ging der Umsatz der Otto Group im Ausland "zumeist konjunkturbedingt" um 4,9 Prozent auf 4,347 Milliarden Euro zurück. In Europa außerhalb Deutschlands hatte die Otto Group nach diesen Berechnungen einen Umsatzrückgang von 5,7 Prozent auf 3,117 Milliarden Euro zu verzeichnen. In Nordamerika ging der Umsatz um 2,2 Prozent auf 978 Millionen Euro zurück. Auch Asien musste Umsatzeinbußen in Höhe von 4,9 Prozent auf 251 Millionen Euro hinnehmen.

So habe beispielsweise die 3 Suisses International Gruppe, Frankreich, in wirtschaftlich schwierigem Umfeld Federn lassen müssen: Deren Handelsumsatz ging um 7,9 Prozent auf 1,906 Milliarden Euro zurück. Die in Umstrukturierung befindliche Freemans Grattan Holdings in Großbritannien verlor auf niedrigem Niveau ein Drittel ihres Umsatzes und liegt in dem abgelaufenen geschäftsjahr  bei 262 Millionen Euro.

Russlandgeschäft wächst und gedeiht

Die Einrichtungs- und Lifestyle-Gruppe Crate and Barrel in den USA und Kanada habe sich im dort zweistellig sinkenden Einzelhandelssegment vergleichsweise gut geschlagen und hatte einen Umsatzrückgang von "nur" 4,3 Prozent auf 927 Millionen Euro zu verzeichnen.

Eine "sehr erfreuliche Entwicklung" zeigten unterdessen die Aktivitäten der Hamburger in Russland: Der Marktführer Otto Group Russia hae mit den Marken Bonprix, OTTO, Witt und den erworbenen Marken der Nadom-Gruppe um 126 Prozent auf 183 Millionen Euro zulegen können. Darin sind die Umsätze der im Winter erworbenen Quelle Russia noch nicht enthalten. 

Finanzdienstleistungen und Service laufen gut

Mit dem Segment Finanzdienstleistungen ist die Otto Group ebenfalls zufrieden: Auf vergleichbarer Basis sei der Umsatz hier um 2,6 Prozent, kursbereinigt um 3,1 Prozent gesteigert worden und habe nach vorläufigen Berechnungen 394 Millionen Euro erreicht. Maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen habe die international agierende EOS Gruppe mit Sitz in Deutschland. Ihr gelang demnach ein Umsatzzuwachs um 5,6 Prozent auf 289 Millionen Euro.

Weiter auf klarem Wachstumskurs sei auch das Segment Service geblieben: Nach vorläufigen Zahlen steigerte das im Wesentlichen von der Hermes Europe-Gruppe und Hermes UK geprägte Segment seinen Umsatz insgesamt um 1,9 Prozent auf 821 Millionen Euro. "Wechselkursbereinigt konnte sogar ein Umsatzplus von 3,8 Prozent erzielt werden", meldet das Handelsunternehmen. Diese Umsatzzahl setze sich allerdings ausschließlich aus den Außenumsätzen der Unternehmen zusammen, die "eigentliche Bedeutung der Unternehmen in ihren jeweiligen Märkten wird damit nicht angemessen sichtbar".

Die Otto Group

1949 in Deutschland gegründet, ist die Otto Group heute eine weltweit agierende Handels- und Dienstleistungsgruppe mit 48.653 Mitarbeitern (Stand Februar 2010). Die Gruppe ist mit 123 Unternehmen in 20 Ländern Europas, Nordamerikas und Asiens präsent. Ihre Geschäftstätigkeit erstreckt sich auf die drei Segmente Multichannel-Einzelhandel, Finanzdienstleistungen und Service.