Der Umsatz der Otto Group stieg im vergangenen Geschäftsjahr um 1,7 Prozent, auch die die E-Commerce-Erlöse erhöhten sich um 9,2 Prozent. Die Otto Einzelgesellschaft musste jedoch Einbußen hinnehmen.

"Die Otto Group ist hoffnungsvoll ins neue Geschäftsjahr gestartet", sagte der Vorstandsvorsitzende der Otto Group, Hans-Otto Schrader, bei der Vorlage der Bilanzzahlen an diesem Mittwoch in Hamburg. "Die Umsätze in Deutschland, in Russland und in den Segmenten Service und Finanzdienstleistungen sind in den vergangenen drei Monaten zum Teil zweistellig gestiegen."

Aufgrund der Unsicherheiten um die Entwicklung des Euro und deren Auswirkungen auf die Konsumstimmung bleibt Schrader bei der Prognose für das gesamte Geschäftsjahr jedoch eher verhalten optimistisch: "Unser Ziel ist weiterhin ein moderates Wachstum bei wieder steigenden Gewinnen."

Im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12, das am 29. Februar endete, hat die Otto Group ihren Umsatz um 1,7 Prozent von 11,4 Milliarden Euro auf 11,6 Milliarden Euro steigern können. Bereinigt um Währungskurseffekte betrug das Plus 2,3 Prozent. "Damit konnte die Gruppe nach dem Zuwachs des vorangegangenen Geschäftsjahres in Höhe von 12,6 Prozent trotz schwierigem Umfeld die gewonnenen Kunden halten und neue dazugewinnen", erläuterte Schrader. Die Umsätze in den Geschäftssegmenten Finanzdienstleistungen und Service sowie im E-Commerce legten überdurchschnittlich zu.

Eträge durchwachsen

Die Erträge entwickelten sich demnach jedoch unterdurchschnittlich. Die Gewinnentwicklung sei aufgrund gestiegener Rohstoff- und Faktorkosten, der Erlösschwäche einzelner Firmen wie in Frankreich und hoher Investitionen, insbesondere im Bereich der Konzern-IT, unter dem guten Vorjahresniveau geblieben. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen EBITDA verminderte sich von 667 Millionen Euro auf 539 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank von 378 Millionen Euro auf 259 Millionen Euro.

Im Segment Multichannel-Einzelhandel konnte der Umsatz den Angaben zufolge nach einem erheblichen Zuwachs im Vorjahr mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent auf 10 Milliarden Euro stabilisiert werden.

Das Service-Segment, das im Wesentlichen von der international tätigen Dienstleistungsgruppe Hermes geprägt ist, konnte demnach seine Außenumsätze erstmals über die 1-Milliarden-Umsatz-Marke steigern und um 9 Prozent auf 1,030 Milliarden Euro wachsen.

Die weltweiten Online-Umsätze der Gruppe stiegen um 9,2 Prozent und damit um rund 500 Millionen auf 5,3 Milliarden Euro. Damit erzielte die Otto Group mit ihren rund 60 Online-Plattformen 53 Prozent aller Erlöse im Segment Multichannel-Einzelhandel. In Deutschland legten die E-Commerce-Umsätze um rund 300 Millionen Euro (9 Prozent) auf 3,4 Milliarden Euro zu und stehen damit für 58 Prozent der Einzelhandelsumsätze.

Otto und Heine im Minus

Die Einzelgesellschaft Otto erzielte mit einem leichten Minus von 1,3 Prozent einen Umsatz von 2,087 Milliarden Euro. Der Zuwachs im Geschäft über das Internet konnte dabei ausgebaut werden und liegt nun bei fast 75 Prozent. Weiterhin positiv entwickelte sich die Bonprix-Gruppe. Sie steigerte ihren Umsatz um 2,2 Prozent von 1,136 auf 1,162 Milliarden Euro. Die Witt-Gruppe legte um 2,4 Prozent von 629 auf 644 Millionen Euro zu.

Nach einem Wachstum von mehr als 22 Prozent im vorangegangenen Geschäftsjahr wuchs die Baur-Gruppe im zurückliegenden Jahr nochmals um 1,2 Prozent auf 616 Millionen Euro. Die Heine-Gruppe meldete hingegen einen Rückgang von 3,7 Prozent auf 526 Millionen Euro. Die Schwab-Gruppe mit den Marken Schwab, Sheego und MyToys steigerte ihren Umsatz um 8,4 Prozent von 464 auf 503 Millionen Euro. Sportscheck legte um 5,9 Prozent auf 347 Millionen Euro zu.

Schwierige Entwicklung in Frankreich

Bei den internationalen Aktivitäten zeigte sich vor allem in Frankreich eine schwierige Entwicklung. Die Gesellschaften der 3 Suisses International mussten einen Umsatzrückgang um 5,6 Prozent auf 1,980 Milliarden Euro hinnehmen. Gründe für diese Entwicklung waren die schlechte Konsumstimmung im Modemarkt sowie ein Umbau des Versandhandel-Geschäftsmodells in Frankreich.

Eine bewusste Umsatzreduzierung habe indes die Freemans Grattan Holdings im Zuge der erfolgten Umstrukturierung in Großbritannien vollzogen, wie Schrader ausführte. Der Umsatz sank planmäßig von 199 Millionen Euro weiter auf 164 Millionen Euro – "bei nunmehr erreichter operativer Profitabilität". Insgesamt erreichte die Otto Group in Europa (ohne Deutschland, inklusive Frankreich und Russland) ein Wachstum von 3 Prozent auf 3,511 Milliarden Euro.

Positiv haben sich die Geschäfte auch in den USA und Kanada entwickelt. Trotz eines "schwierigen konjunkturellen Umfelds" seien die Umsatzerlöse, die im Wesentlichen von der Einrichtungs- und Lifestyle-Gruppe Crate and Barrel erwirtschaftet werden, kursbereinigt um 4,4 Prozent gestiegen. Aufgrund des Wechselkurses verzeichnete der Wirtschaftsraum aber einen leichten Rückgang um 0,4 Prozent auf 1,148 Milliarden Euro. Das Geschäft in Asien sei durch außerordentliche Ereignisse geprägt gewesen: Trotz der Tsunami- und Atomkatastrophe konnte die Otto Japan Gruppe ihren Umsatz mit rund 226 Millionen Euro stabil halten.

Wachstum in wachstumsstarken Märkten

Die Otto Group Russia konnte als Marktführer erneut das größte Umsatzwachstum aller großen Gesellschaften erzielen. Der Umsatz stieg dort um 34,9 Prozent auf 487 Millionen Euro. Ein ähnlich starkes Wachstum soll nun in Brasilien realisiert werden, wo die Otto Group innerhalb von fünf Jahren auf ein Umsatzvolumen von 500 Millionen US-Dollar wachsen will (rund 396 Millionen Euro).

Schaffen wollen das die Hamburger, indem sie Marktanteile im boomenden Fashion-E-Commerce gewinnen, mit Finanzdienstleistungen und die Unterstützung von lokalen und internationalen Modemarken beim Aufbau von Onlineshops in Brasilien. Neben Brasilien soll auch in der Türkei das E-Commerce-Geschäft kräftig ausgebaut werden.

Die Zahl der Beschäftigten der Otto Group stieg im vergangenen Geschäftsjahr um rund 3.500 auf mehr als 53.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.