Mit dem Aus von Quelle werden weitere 6.000 Jobs wegfallen. Bayerns Ministerpräsident Seehofer will helfen. Konkreter ist allerdings ein Angebot des Konkurrenten Otto.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer will sich nach der gescheiterten Rettung von Quelle für die Beschäftigten einsetzen. "Wir haben das Menschenmögliche getan", sagte der Vorsitzende der CSU am Dienstag in Berlin.

Der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte ihn am Morgen informiert, dass die Bemühungen gescheitert seien, einen Käufer zu finden. Seehofer kündigte an, dass die Staatsregierung einen Zukunftsplan für die Region mit möglichen Infrastrukturmaßnahmen erstellen wolle.

6.000 Mitarbeiter vor Jobverlust

Tausende Quelle-Mitarbeiter stehen unmittelbar vor der Arbeitslosigkeit. "Wenn man alle zusammennimmt, sind das mehr als 6.000 Beschäftigte, um die es jetzt noch geht", sagte Verdi-Handelsexperte Johann Rösch am Dienstag der Deutschen Presse- Agentur in Nürnberg.

"Was noch offen bleibt, ist die Frage: Wie viel Liquidität hat der Insolvenzverwalter noch und wie viele Menschen kann er während der Abwicklung beschäftigen?" Alle übrigen Mitarbeiter würden mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die Abwicklung dauere maximal zwei bis drei Monate, erklärte der Gewerkschafter.

"Das ist mehr als ein Schock"

"Den Beschäftigten ist der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Das ist mehr als ein Schock", betonte Rösch. Bis zuletzt habe man bei Quelle gehofft, dass einer der vier interessierten Investoren die endgültige Schließung des profitablen Kerns abwenden könne.

Als aussichtsreichster Kandidat für ein Engagement galt nach Informationen der "Financial Times" lange der amerikanische Finanzinvestor TPG, der Erfahrung im Einzelhandel besitzt.

Neue Hoffnung durch Otto

Immerhin gibt es für einige Quelle-Auszubildende Hoffnung. Der Hamburger Versender Otto will einem Teil der jungen Leute bei Quelle ein Übernahme-Angebot machen. "Wenn wir mobilen Auszubildenden helfen können, dann werden wir das gerne tun", sagte Otto-Sprecher Thomas Voigt am Dienstag in Hamburg.

Otto könne aber keine Garantie abgeben und sicherlich nicht alle Auszubildenden von Quelle übernehmen. Der Hamburger Konzern hat eine Reihe von Tochtergesellschaften in Süddeutschland, zum Beispiel Witt in Weiden und Baur in Burgkunstadt.

Otto will auch Gespräche mit dem Insolvenzverwalter über die Übernahme von Quelle-Tochtergesellschaften in Mittel- und Osteuropa sowie eventuell von Spezialversendern wie Baby-Walz führen.

Schlechte Nachricht aus dem Radio erfahren

Bereits im August mussten 3.100 Quelle-Beschäftigte gehen, vergangenen Freitag erhielten 800 weitere die Kündigung. "Das galt als Voraussetzung dafür, dass die Investoren zugreifen, deshalb fühlen sich viele Menschen mehr als getäuscht", schilderte Verdi-Funktionär Rösch die Stimmung in der Belegschaft, die die schlechte Nachricht überwiegend aus dem Radio erfuhr.

Mit der Auflösung von Quelle steht auch die in einem mühsamen Kompromiss aufgestellte Transfergesellschaft vor dem Ende, die bis Ende des Jahres noch vom Insolvenzverwalter finanziert werden müsste. "Damit droht jetzt die akute Gefahr, dass die Beschäftigten, die im guten Glauben in die Transfergesellschaft gegangen sind, die endgültige Kündigung erhalten", sagte Rösch.

Massekredit kann zurückfließen

Nach dem Quelle-Aus haben Bund, Bayern und Sachsen gute Chancen, ihren Kredit von fünzig Millionen Euro zurückzubekommen. Der Versandhauskonzern hatte im Juli einen Massekredit erhalten. Die Forderungen von Bund und Ländern würden nun vorrangig bedient, hieß es am Dienstag in Verhandlungskreisen.

Bei einem Massekredit handelt es sich um ein Notdarlehen einer Bank. Die Kreditgeber stehen dabei auf der Liste der Gläubiger ganz oben. Früheren Angaben zufolge wird zunächst der Anteil des Bundes von 25 Millionen Euro bevorzugt behandelt. Dann kommen die Bayerische LfA, die 21 Millionen Euro gab, und die Sächsische Aufbaubank mit vier Millionen Euro.

Direkte Staatshilfe aus dem "Deutschlandfonds" hatte die Bundesregierung abgelehnt. Der Quelle-Mutterkonzern Arcandor forderte vergeblich eine Bürgschaft von 650 Millionen Euro und einen Kredit über 200 Millionen Euro.