Die Otto Group sieht sich gut aufgestellt und hat sich von Eddie Bauer Deutschland und Fegro/Selgros getrennt.

Einstand nach Maß: Der neue Vorstandschef der Hamburger Otto Group, Hans-Otto Schrader, konnte gleich im ersten Jahr als Chef einen neuen Umsatzrekord vermelden. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2007/2008 (29. Februar 2008) um 2,4 Prozent auf 11.513 Millionen Euro. Beim Ergebnis lag die weltgrößte Distanzhandelsgruppe und weltweite Nummer zwei im E-Commerce mit dem Konsumenten allerdings mit 779 Millionen Euro vor Steuern und Abschreibungen um 33 Millionen Euro hinter dem Rekordvorjahr zuzrück. "Wir haben mit hanseatischer Vorsicht mehr in die Risikovorsorge gepackt", sagte Schrader zur Erläuterung auf der Bilanzpressekonferenz in Hamburg.

Auslaufmodell Katalog

Das Kataloggeschäft der drei großen Versandhandelstöchter Otto, Schwab und Baur verlagert sich immer mehr ins Internet: "Unser maßgebliche Wachstumsmotor war auch im Geschäftjahr 2007/2008 der E-Commerce", sagte Schrader . "Wir sind erkennbar ein moderner Multichannel-Anbieter und werden nicht länger als reiner Versandhändler gesehen." Aussterben wird das Druckwerk jedoch nicht, zumindest nicht so bald: Eine Reihe von Kunden schaue erst im Katalog, um dann online zu bestellen.

Fehlende Kauflaune in Deutschland

Das Deutschlandgeschäft ist nach Meinung des Otto-Chefs grundsätzlich noch ausbaufähig: "Der Aufschwung ist noch nicht bei den Handelsunternehmen angekommen", so Schrader. "Die zunehmende Internationalisierung mit einem Umsatzanteil von inzwischen 53,2 Prozent ermöglicht es uns in der Otto Group aber zum Glück, regionale Schwankungen auszugleichen und weltweit Wachstumschancen zu nutzen."

Was nicht passt muss weg

Wegen "fehlender Synergien mit dem Kerngeschäft" hatte Otto sich in den vergangenen Monaten von verschiedenen Aktivitäten getrennt: Zu Beginn des Jahres von Oktavia, einem deutschen Hersteller von Firmenkleidung und Maßkonfektion, im März 2008 von dem Cash-&-Carry-Anbieter Fegro/Selgros sowie die dem Kosmetikanbieter Club de Créateurs de Beauté. Außerdem verkauften die Hamburger jüngst die Anteile an Eddie Bauer Deutschland.

Otto auf Shopping-Tour

Einkaufen war die Otto Group aber auch: Zur Stärkung des Portfolios hat der Konzern sämtliche Anteile an Manufactum und an Otto Japan übernommen. "Mit Melcosa in Vietnam und ISL in Hongkong wurden zwei Einkaufsorganisationen in zentralen Sourcing-Märken akquiriert", sagte Schrader. "Das Portfolio der Finanzdienstleistungen wurde um den belgischen Inkasso-Dienstleister Aremas erweitert, der nun unter EOS firmiert, sowie um eine Mehrheitsbeteiligung am deutschen Direktmarketing-Spezialisten CoXulto." Bei der Distributionslogistik hat die Hermes Logistik Gruppe den Markteintritt in Österreich vollzogen und sich zudem mit 30 Prozent am italienischen Logistik-Dienstleister Swiss Post Port a Porta beteiligt.

Neuer Chef für neuen Retail-Posten

Timm Homann wird "so bald ihn sein jetziger Arbeitgeber gehen lässt" den neu geschaffenen Vorstandsbereich Retail führen. Er wird damit die gesamten stationären Aktivitäten der internationalen Handelsgruppe verantworten. Der Betriebswirtschaftler und promovierte Soziologe Homann ist seit 2002 Geschäftsführer und Generalbevollmächtigter der Unternehmensgruppe Peek & Cloppenburg KG, Hamburg, und verantwortet in dieser Position die Bereiche Einkauf und Verkauf.