Für den stellvertretenden Otto-Chef Hillebrand hat die Handelszukunft erst begonnen, denn die Digitalisierung der Geschäftsprozesse ist noch lange nicht abgeschlossen. Er will den Konzern darauf vorbereiten. Bei anderen Unternehmen sieht er Nachholbedarf.

Für die Hamburger Otto Group ist die Digitalisierung der Welt und aller Geschäftsprozesse noch lange nicht zu Ende. "Was wir bisher erlebt haben, ist eine Kleinigkeit verglichen mit dem, was in den nächsten zehn Jahren vor uns liegt", sagte der stellvertretende Vorstandschef Rainer Hillebrand am Mittwoch in Hamburg. Er kritisierte gleichzeitig die mangelnde Digitalkompetenz in der deutschen Wirtschaft. "Es gibt viel zu wenig Unternehmen, die Einblick haben in digitale Prozesse." Deutschland drohe deshalb, ins Hintertreffen zu geraten.

Für die Otto Group, weltweit größter Onlinehändler nach Marktführer Amazon, sind die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten im elektronischen Handel erst einmal vorbei. Er erwarte im laufenden Geschäftsjahr (Ende am 28. Februar) einen Onlineumsatz von 6,3 Milliarden Euro sagte Hillebrand. Das entspreche einem Wachstum von rund 2,5 Prozent.

Auch Otto spürt die Flaute im Textilhandel

In Deutschland werde der Onlineumsatz um drei Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zunehmen. Otto habe sich dem schwachen deutschen Gesamtmarkt mit Textilien sowie Einbußen auf internationalen Märkten wie Russland und Frankreich nicht entziehen können. Zudem werde der Markt erwachsen. Daher nehme das Wachstum automatisch ab.

"Aber wir schauen mit großer Freude nach vorn", sagte Hillebrand. Die Otto Group sei mit ihrer E-Commerce-Strategie gut aufgestellt. Sie ziele darauf ab, bestehende Unternehmen umzuformen, als Dienstleister an digitalen Trends teilzuhaben, neue Unternehmen an den Markt zu bringen und als Risikokapitalgeber in der Szene präsent zu sein.

Wagniskapital für Start ups

So sichere sich Otto nicht nur den Zugriff auf neueste digitale Technologien, sondern könne das Know-how auch unmittelbar im Konzern nutzbar machen. Allein im Kerngeschäft investiere die Otto Group 300 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren in die E-Commerce-Strategie.

Mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag ist Otto auch weltweit als Förderer von Startup-Unternehmen aktiv. Jedes Jahr schauen sich die Experten von Otto Tausende Unternehmen an, nach einem mehrstufigen Auswahlprozess bleiben 10 bis 15 übrig. Sie erhalten von Otto und anderen Partnern Wagniskapital, meistens in zweistelliger Millionenhöhe.

Hillebrand sieht ein hohes Potenzial für neue Internet-Unternehmen in traditionellen Service-Industrien, Dienstleistungen aller Art, der Finanzbranche und im Markt für vernetzte Geräte.