Die Otto Group konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz nur moderat steigern, legte aber beim Gewinn deutlich zu. Der Konzern will weiter in die Internationalisierung und das Internetgeschäft investieren. 

Im März gab es die vorläufigen Zahlen, nun sind sie amtlich: Die Otto Group ist im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13, das am 28. Februar 2013 geendet hat, moderat gewachsen. Der Umsatz der Gruppe stieg um 1,6 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro, der Gewinn (EBIT) legte allerdings deutlich um 50 Prozent auf 388 Millionen Euro zu, meldet das Unternehmen aus Hamburg. Das sei das beste Ergebnis seit fünf Jahren.

Während sich die Segmente Services und Finanzdienstleistungen über zweistellige Umsatzsteigerungen freuen können, stagnierte der Umsatz beim Multichannel-Einzelhandel: Hier verbuchte die Otto Group nur ein leichtes Umsatzplus von 0,2 Prozent auf gut zehn Milliarden Euro. Bei der Vorstelllung der vorläufigen Zahlen im März hieß es noch, das Wachstum betrage 0,4 Prozent. Allerdings ist laut Hans-Otto Schrader genau dieses Segment für das deutlich verbesserte Ergebnis der Gruppe verantwortlich: "Wir haben hier einen signifikanten Gewinnsprung von 59 auf 209 Millionen Euro", sagte der Vorstandsvorsitzender der Otto Group bei der Bilanzpressekonferenz in Hamburg. "Dazu trug auch maßgeblich die Einzelgesellschaft Otto bei, die im zurückliegenden Geschäftsjahr das beste Ergebnis seit mehr als zehn Jahren hatte und überplanmäßig um 2 Prozent auf 2,127 Milliarden Euro wuchs."

Heine und Sportscheck schwächeln

Das nur leichte Umsatzplus im Multichannel-Einzelhandel erklärte Schrader mit dem Umsatzrückgang der Versandhandelsaktivitäten der 3SI-Gruppe, vor allem bei 3 Suisses Frankreich. "Ohne Berücksichtigung der Umsätze der 3SI-Gruppe beträgt das Wachstum des Segments 4,1 Prozent", so der Chef der Otto Group. Im Segment Finanzdienstleistungen, das durch die EOS-Gruppe geprägt ist, stieg demnach der Umsatz um 11,7 Prozent auf 594 Millionen Euro. Im Segment Service, das im Wesentlichen die Logistik- und Einkaufsgesellschaften des Konzerns im Geschäft mit Kunden außerhalb der Otto Gruppe umfasst, trug unter anderem die Tochtergesellschaft Hermes zu einem Umsatzplus von 10 Prozent auf 1,134 Milliarden Euro bei.

Neben der Einzelgesellschaft Otto entwickelte sich auch die internationale Bonprix-Gruppe, die in 25 Ländern aktiv ist, positiv: Der Umsatz stieg um 5,2 Prozent auf 1,222 Milliarden Euro. Die in 18 Ländern aktive Witt-Gruppe wuchs um 3,4 Prozent auf 666 Millionen Euro. "Die Baur-Gruppe legte sogar um 8,1 Prozent auf ebenfalls 666 Millionen Euro zu, wobei die Geschäfte der österreichischen Tochter Unito überproportional stiegen", erläuterte Schrader. Auch der Umsatz der Schwab-Gruppe mit den Marken Schwab, Sheego und MyToys stieg um rund 9,2 Prozent auf 550 Millionen Euro.

Der Umsatz der Heine-Gruppe ging hingegen um 4,2 Prozent auf 504 Millionen Euro zurück. Auch SportScheck schwächelte: Nach einem Vorjahreswachstum von rund 6 Prozent fiel der Sporthändler um 2,9 Prozent auf 336 Millionen Euro zurück.

Crate and Barrel expandiert

In Europa (ohne Deutschland, Frankreich und Russland) erreichte die Otto Group ein Wachstum von 6,5 Prozent auf 1,694 Milliarden Euro. "Wesentlicher Treiber war hier die erfolgreiche Entwicklung bei Hermes UK", sagte Schrader. Die Situation in Frankreich bleibe weiterhin schwierig. Im Zuge einer auf mehrere Jahre angelegten Restrukturierung der Versandhandelsaktivitäten vermelde die 3SI Group einen Umsatzrückgang um 15,4 Prozent auf 1,675 Milliarden Euro. 

In Nord- und Südamerika stiegen die Umsatzerlöse unterdessen um 12,3 Prozent auf 1,316 Milliarden Euro. Die mit Abstand größte Gesellschaft der Region, die Einrichtungs- und Lifestyle-Gruppe Crate and Barrel, konnte demnach ihre Umsätze um 6,9 Prozent auf gut eine Milliarde Euro steigern. "Das Unternehmen expandiert mit einem Franchisekonzept in neue Märkte", berichtete Schrader. So habe Crate and Barrel inzwischen Filialen in Dubai, Singapur und Mexiko City und plane, weiter zu expandieren.

Geschäfte in Brasilien und Russland laufen gut

Seit 2011 forciert der Konzern zudem gemeinsam mit dem Distanzhändler Posthaus das E-Commerce-Geschäft in Brasilien. "Im zurückliegenden Geschäftsjahr haben sich die Einzelhandelsumsätze beinahe verdoppelt, die brasilianischen Unternehmen arbeiten schon jetzt im operativen Geschäft profitabel", freute sich der Chef der Otto Group.

Auch Russland macht der Otto Group Freude: Die Umsätze legten demnach um 12,3 Prozent auf 547 Millionen Euro zu. Die Unternehmensgruppe Otto Group Russia sei Marktführer im russischen Distanzhandel und ist unter anderem mit den auch in Deutschland bekannten Marken Otto, Bonprix, Witt, Quelle sowie mit russischen Versendern wie NaDom und Meggy Mall vertreten. Die Logistiktochter Hermes hat unterdessen damit begonnen, in Russland ein Paketshop-Netz aufzubauen: Derzeit gibt es 300 Shops zur Paketannahme und -abholung in 58 russischen Städten; 2015 sollen es 900 Shops in 160 Städten sein.

Internationalisierung und E-Commerce-Investitionen 

Die Zahl der weltweit im Konzern Beschäftigten hat sich Schrader zufolge um 720 auf 53.823 Vollzeitstellen erhöht: "Unsere nachhaltige und auf Rendite ausgerichtete Strategie zahlt sich aus", ist er überzeugt. "Die Otto Group ist solide finanziert, erwirtschaftet die Mittel für weitere Investitionen aus eigener Kraft und schafft weltweit neue Arbeitsplätze." Im September vergangenen Jahres hatte die Otto Group allerdings das "Zukunftsprogramm Fokus" zur Neupositionierung der Marken Otto, Baur und Schwab angekündigt. Rund 700 Stellen standen damals zur Disposition. Kürzlich teilte das Hamburger Unternehmen jedoch mit, dass dem Umbau deutlich weniger Arbeitsplätze zum Opfer fallen werden.

Die Otto Group setze weiter auf Internationalisierung und den Ausbau des Internetgeschäfts und will bis 2015 rund 300 Millionen Euro in die Onlineaktivitäten investieren. Die E-Commerce-Umsätze sollen so von 5,7 auf acht Milliarden Euro steigen. 

Die Kritik, dass die Hamburger hinter Wettbewerber wie Zalando oder Amazon zurückfalle, die teilweise höheres Wachstum erreichen, wies Schrader zurück: "Wir haben eine andere Strategie", sagte er. Otto komme es nicht darauf an, sich Marktanteile und hohe Wachstumsraten zu kaufen, um dann ein Unternehmen an die Börse zu bringen. "Wir denken als Familienunternehmen in Generationen und werden auch in 30 oder 50 Jahren noch ein erfolgreiches internationales Handels- und Dienstleistungsunternehmen sein."