Die Otto Group hat das "Zukunftsprojekt Fokus" mit den Arbeitnehmervertretern endgültig ausverhandelt. Der Umstrukturierung fallen insgesamt 650 Arbeitsplätze zum Opfer.

Mit dem im vergangenen Herbst angekündigten "Zukunftsprojekt Fokus" will der Traditionsversender Otto seine Marken Otto, Baur und Schwab effizienter führen und ihre Positionierung schärfen.

Neben der neuen strategischen Ausrichtung geht mit Fokus vor allem aber auch ein Stellenabbau einher, der im Hause der Hamburger bislang beispiellos ist. Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter haben die neuen Organisationsstrukturen nun verhandelt und verabschiedet, wie der Konzern gestern in einer Pressemitteilung bekannt gab.

Demnach fallen der Umstrukturierung 650 Arbeitsplätze zum Opfer. Ursprünglich hatte Otto im September angekündigt, bis zu 700 Vollzeitstellen zu streichen. 380 davon konnten "über die vorausschauende Personalpolitik, Fluktuation und Versetzungen bereits realisiert werden", wie die Hamburger formulieren.

Mehr als 10 Prozent der Arbeitsplätze weg

Über den Abbau von rund 270 Vollzeitstellen über die drei Firmen hinweg hat man sich nun mit der Arbeitnehmerseite verständigt. Davon müssen bei der Einzelgesellschaft Otto noch rund 200 Vollzeitstellen abgebaut werden. Bei Baur sind noch rund 60 Vollzeitstellen und bei Schwab etwa 10 Stellen abzubauen.

Damit kürzt der Versender, bei dem im vergangenen Jahr insgesamt 6.300 Menschen beschäftigt waren, mehr als 10 Prozent der Arbeitsplätze. 100 Stellen konnten überdies durch Lohnverzicht der Beschäftigten in der Buchhaltung erhalten werden, wie das Hamburger Abendblatt berichtet.   

Laut Otto-Konzernvorstand Alexander Birken trägt "Fokus" bereits Früchte: "Sowohl die Abschlüsse des abgelaufenen Geschäftsjahres als auch die ersten Zahlen dieses Geschäftsjahres belegen, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Die Ergebnisentwicklung von Otto, Baur und Schwab ist sehr positiv."

Kritische Töne kommen freilich von der Arbeitnehmerseite: "Für die betroffenen Mitarbeiter ist der Personalabbau ausgesprochen bitter", sagte der Otto-Betriebsratsvorsitzende, Karl-Heinz Grussendorf, gegenüber dem Hamburger Abendblatt. "Diese einschneidende Maßnahme hätte vermieden werden können, wenn der Vorstand die Weichen rechtzeitig richtig gestellt und die Zahl der Arbeitsplätze Stück für Stück an die veränderten Marktbedingungen angepasst hätte."