Die Investitionen in Sortiment, Werbung und Technologie sind aufgegangen: Der Versandhändler Otto wächst profitabel und sucht noch mehr Personal, das sich mit E-Commerce auskennt.

Bei Otto läuft es weiterhin rund: Der Versandhändler konnte im Geschäftsjahr 2013/14 (Stichtag 28. Februar 2014) den Umsatz um rund sieben Prozent auf 2,27 Milliarden Euro steigern. Damit liegt das Umsatzwachstum der Otto Group-Tochter deutlich über den eigenen Planungen, meldet das Unternehmen.
 
Otto war mit einer breit angelegten Markt- und Markenoffensive in das abgelaufene Geschäftsjahr gestartet und hatte in Sortiment, Werbekampagnen und die Entwicklung einer hauseigenen Shopsoftware für otto.de jeweils in zweistelliger Millionenhöhe investiert. Ziel sei ein Umsatzwachstum im gesunden einstelligen Prozentbereich bei gleichbleibender Profitabilität gewesen.

"Unsere Strategie ist voll aufgegangen. Das Umsatzwachstum liegt mit rund sieben Prozent deutlich über unseren Plänen. Dabei liegt der Gewinn voll in unserem selbst gesteckten Zielkorridor von drei bis fünf Prozent", sagt Alexander Birken, Sprecher Otto und Konzernvorstand Multichannel Distanzhandel, und kann sich einen Seitenhieb auf die Start-up-Konkurrenz wie Zalando&Co. nicht verkneifen: "In der Onlinebranche wird gern kolportiert, man könne nicht wirtschaftlich wachsen. Wir beweisen: Es geht doch."

Investitionen in Technologie

Im November 2013 wurde die eigenentwickelte Software für otto.de gelauncht. "Der neue Webshop war und ist für uns der erfolgreiche Startschuss für eine Reihe von Neuentwicklungen", erläutert Marc Opelt, Otto-Bereichsvorstand Vertrieb. Auch im gerade angelaufenen Geschäftsjahr will der Versandhändler einen zweistelligen Millionenbetrag in "zukunftsfähige Lösungen" investieren. Dabei liegt das Augenmerk Opelt zufolge auf der Oberflächenentwicklung des Webshops, denn schon jetzt laufen bis zu 30 Prozent des Datenverkehrs ("Traffic") auf otto.de über Tablets und Smartphones.

Und die nächste Generation von Geräten stehe bereits in den Startlöchern: Tragbare Computer ("Wearables") wie Datenbrillen und Smartwatches lassen die Zahl an Bildschirmgrößen, Auflösungen und Browsern stetig wachsen, so dass für Onlinehändler eine völlig neue und hochkomplexe Herausforderung entstehe. "Hierauf entwickeln wir derzeit smarte Antworten", sagt Opelt selbstbewusst. "Als eine der Top-E-Commerce-Companies ist es unser Anspruch, den Onlinehandel aktiv zu gestalten. Das erfordert Mut, denn es wird auch Fehlinvestitionen geben. Wir sind aber bereit, beherzt auszuprobieren."

Prognosequalität verbessert

Auch bei der klassischen Sortiments- und Produktsteuerung investieren die Hamburger in neue Technologien. Ein Beispiel dafür ist das so genannt Predictive Analytics-Verfahren, das gemeinsam mit Blue Yonder, einem Beteiligungsunternehmen der Otto Group, für die Absatzprognose auf Artikelebene aufgesetzt wurde.

"Zur Produktsteuerung nutzen wir insgesamt 200 verschiedene Variablen wie Marke, Preis, Onlineplatzierung, Wetter oder Bestandssituation", erläutert der Otto Category Bereichsvorstand Dr. Michael Heller. "Mit Hilfe des Verfahrens haben wir die Prognosequalität um bis zu 40 Prozent je Artikel verbessert. Zeitgleich konnten wir die Lieferbereitschaft erhöhen und die Restbestände zum Saisonende um bis zu 20 Prozent senken." Darüber hinaus reduziere das intelligente Verfahren auch die Retourenquote.

E-Commerce-affines Personal gesucht

"Erfolgreiches wirtschaftliches Handeln bedeutet auch, den Veränderungen des Geschäftsmodells in der Personalsteuerung Rechnung zu tragen. Da Business Intelligence und E-Commerce wesentliche Treiber der Unternehmensentwicklung von Otto sind, suchen wir allein in den technologisch ausgerichteten Bereichen aktuell rund hundert Experten und Führungskräfte", sagt Petra Scharner-Wolff, die als Bereichsvorstand Service auch für Personal zuständig ist.

Die Hamburger setzen dabei auf "innovativere Personalinitiativen" und wollen sich auf dem Arbeitsmarkt als "E-driven-Company" positionieren. Hierfür werden demnach in der Hamburger Zentrale derzeit neue Ansätze in der Führung und Zusammenarbeit entwickelt sowie "attraktive Voraussetzungen" für individuelle Karriere- und Laufbahnentwicklungen geschaffen.

Otto will weiter "ungebremst" investieren

"Aufgrund unseres profitablen Wachstums können wir auch künftig frei gestalten. Diesen Spielraum werden wir voll ausnutzen und die Investitionen ungebremst hoch halten", skizziert Birken den weiteren Weg der Otto-Einzelgesellschaft. "Für alle relevanten Bereiche wie Technologie- und Sortimentsentwicklung sowie Marken- und Arbeitgeberimage nehmen wir im kommenden Jahr rund 60 Millionen Euro on top in die Hand." Für 2015 peilt das Handelsunternehmen einen Gesamtumsatz von 2,5 Milliarden Euro bei einer gleichbleibend hohen Rentabilität von drei bis fünf Prozent an.