Die eBay-Tochter PayPal kündigt die Einführung einer neuen Bezahlplattform an. Händler und Kunden sollen den Dienst ohne zusätzliche Investitionskosten nutzen können - online, stationär und mobil. 

Das Rennen um die mobile Zahlungslösungen der Zukunft hat begonnen: Nachdem das Zahlverfahren Google Wallet in dieser Woche in den USA gestartet wurde, kündigte der Internetzahlungsdienstleister PayPal nun die baldige Vorstellung von neuen Bezahlungsoptionen an.

"PayPal macht es sich zum Ziel, die verfügbaren Vertriebskanäle E-Commerce, M-Commerce und den stationären Handel nahtlos miteinander zu verbinden. Dadurch wird der Schritt von der onlinebasierten Zahlmethode in die reale Welt geschaffen", heißt es in der Presserklärung des Unternehmens.

In Kürze soll dazu eine "neue zukunftsweisende Bezahlplattform" vorgestellt werden, so die eBay-Tochter. Sie soll Kunden ermöglichen, online und offline durch das Scannen von Bar- und QR-Codes oder über die NFC-Technik via Smartphone zu bezahlen. PayPal-Deutschlandchef Arnulf Keese hatte ein entsprechendes Vorhaben bereits im Juli im Interview mit Der Handel angedeutet.

Telefonnummer und PIN am POS-Terminal

Neben den drei genannten Möglichkeiten soll auch die Eingabe einer Telefonnummer und eines PIN-Codes in ein bereits im stationären Geschäft vorhandenen Terminal für PayPal-Kunden künftig ausreichend beim Bezahlprozess sein.

Den teilnehmenden Handelsunternehmen entstehen laut PayPal hierfür keinerlei Anschaffungskosten. Wie die konkrete Zusammenarbeit mit den EC-Cash-Netzbetreibern aussehen oder zu welchen Gebühren die jeweiligen Zahlungen abgewickelt werden sollen, dazu verrät das Unternehmen allerdings noch nichts Konkretes.

Die Gebühren, die PayPal für Onlinetransaktionen von Händlern kassiert, liegen bislang deutlich über den in Deutschland am POS üblichen Gebühren für Kartenzahlungen.

Eine eigene PayPal-Karte ist geplant

Auch die Einführung einer eigenen PayPal-Karte kündigte der Zahlungsabwickler an. Diese Karten sollen keiner Bank zugeordnet sein und auch nicht über eine aufgedruckte Kontonummer verfügen.

Da das Unternehmen Internetzahlungen im großen Stil auch auf Basis von Kreditkartendaten abwickelt, die die Nutzer in ihrem PayPal-Profil hinterlegen können, dürfte diese Ankündigung die Kartenorganisationen hellhörig machen.

Weder Händler noch Kunden müssen laut PayPal für die neuen Zahlungsoptionen in neue Hardware investieren, um sie im stationären Handel nutzen zu können: Händler sollen keine neue Infrastruktur für die Plattform benötigen, auch die Anschaffung neuer Terminals sei nicht nötig.

"Ebenso brauchen die Konsumenten kein neues Smartphone. Die künftige Bezahlplattform für Ladengeschäfte und Onlinehändler wird außerdem nicht nur von Mobiltelefonen zugänglich sein", so PayPal.

Ziel: Online- und Offline-Welt zusammenführen

Quelle: PayPal
Quelle: PayPal
Mit der Ankündigung der neuen Plattform, die den Händler auch Marketinginstrumente zur Verfügung stellen soll, eröffnet der ePayment-Dienstleister auch einen Einblick in seine langfristige Positionierungspläne.

"Mit verschiedenen Übernahmen verfolgen PayPal und der Mutterkonzern eBay die Unternehmensstrategie einer Online- und Offline-Konvergenz. Ein Teil dieser Strategie ist die Übernahme des Internet-Einkaufsführers Milo, der das Sortiment von stationären Ladengeschäften im Web durchsuchbar macht", hieß es. 

PayPal werde die Technologie von Milo, die zunächst nur in den USA verfügbar ist, künftig für sich nutzen: Anhand der Warenbestands- und Preisinformationen, die in Echtzeit an Online- und mobile Shopper ausgeliefert werden, will PayPal lokalen Einzelhändlern die Möglichkeit bieten, Kunden mobil zu erreichen.

Nach der Akquisition des Geodatendienstes "Where", der regional-basierte Smartphone-Applikationen anbietet, soll PayPal in die "Where-App" integriert werden. PayPal-Nutzern wird es dadurch ermöglicht, auf lokale Angebote zuzugreifen.

Wie sich das Unternehmen die Zukunft des Bezahlens per Handy und am POS vorstellt, zeigt PayPal in einem YouTube-Video.