Der neue Onlinezahlungsdienst Paydirekt der deutschen Kreditinstitute will Platzhirsch Paypal Konkurrenz machen. Die Redaktion von Der Handel hat sich bei dem Start-up umgeschaut.

Montag, 17. August, 10:46 Uhr: Eine Dartscheibe schreibt Geschichte. Denn sie ist die erste Bestellung, die mit dem neuen Zahlungsdienst Paydirekt bezahlt wurde. Auf den ersten Blick ist dies ein bisschen wie David gegen Goliath: Der im Juni 2014 gegründete Onlinezahlungsdienst Paydirekt will in Deutschland Paypal Konkurrenz machen. Der heutige Marktführer wurde 1998 gegründet, hat 157 Millionen Kundenkonten weltweit – nicht zuletzt, weil der Zahlungsdienstleister bis vor Kurzem zum Onlinemarktplatz Ebay gehörte – und wickelt jeden Tag knapp 10 Millionen Zahlungen ab. Der Marktanteil in Deutschland liegt laut EHI Retail Institute bei 20 Prozent. Da scheint kaum Platz zu sein für Newcomer.

Das neue Onlinezahlverfahren tastet sich in den Livebetrieb vor

Doch es fällt schwer, von Paydirekt als David zu sprechen. Denn hinter dem Start-up steht fast die gesamte deutsche Kreditwirtschaft: "Wir decken etwa 98 Prozent des deutschen Bankenmarktes ab und haben einen potenziellen Zugang zu mehr als 50 Millionen Girokonto-Inhabern", erläutert Paydirekt-Geschäftsführer Niklas Bartelt. Nun tastet sich das neue Zahlverfahren in den Live-Betrieb vor. Start der Pilotphase mit der Münchner Hypovereinsbank war die Bezahlung besagter Dartscheibe bei Händler D-Living.

Das Datum der ersten "echten" Transaktion prangt gut sichtbar auf einer großen Tafel im Flur des noch im Umbau befindlichen neuen Unternehmenssitzes in einem Bürohaus unweit des Frankfurter Bankenviertels. Die restlichen Privatbanken, genossenschaftlichen Finanzgruppen und Sparkassen werden Paydirekt nun Schritt für Schritt anbieten. "Wir wollen technisch sauber sein, aber das wäre schwierig, wenn wir einen Big Bang machen. Deswegen werden wir das kontrolliert nach oben fahren", begründet Bartelt die schrittweise Einführung.

Finanzinstitute im eigenen Takt

Da jedes teilnehmende Finanzinstitut das neue Onlinezahlungssystem im eigenen Takt anbietet, legt sich der Geschäftsführer nicht auf einen Starttermin fest. Aber: "Wir werden Ende des Jahres am Markt sein," betont er. Das gelte zumindest für die Banken, die von Anfang an dabei waren, also Privatbanken wie die Hypovereinsbank, Deutsche Bank und Postbank, Commerzbank und Comdirect sowie die Volks- und Raiffeisenbanken. Die Sparkassen kamen erst später dazu und hinken somit unter anderem bei den behördlichen Genehmigungen hinterher.

Für den Onlinekunden ist Paydirekt recht einfach: Bei dem direkt mit dem Girokonto verknüpften Bezahlverfahren registriert er sich entweder im Vorfeld einer Bestellung einmalig oder wird während des Bezahlvorgangs bei einem Händler zu einer Registrierungsmaske geleitet. Es gibt keine zwischengeschalteten Drittanbieter. Wenn der angemeldete Kunde über Paydirekt zahlen will, muss er Benutzernamen und Passwort eingeben und die Zahlung per Klick bestätigen. Eine Transaktionsnummer (TAN) muss er nicht eingeben.

"Da es das Angebot der eigenen Bank oder Sparkasse ist, ist das Vertrauen der Kunden groß," wirbt Bartelt. "Die kundenindividuellen Daten bleiben in Deutschland, und es gelten die strengen deutschen Datenschutzgesetze und Auflagen der Regulierungsbehörden." Zudem gebe es einen Käuferschutz.

"Händlern stehen alle Optionen zur Einbindung offen"

Will ein Händler Paydirekt in seinen Onlineshop einbinden, ist das technisch ebenfalls unkompliziert, verspricht IT-Chef Helmut Wißmann. "Die Einbindung erfolgt über bereits vertraute Wege, egal ob direkt, über einen Payment-Service-Provider oder eine eigene Shoplösung. Durch die einfache Schnittstellenbeschreibung stehen Händlern alle Optionen zur Anbindung offen."

Da alles über ein Girokonto läuft, hat der Konsument anders als beim Konkurrenten Paypal keine Möglichkeit, beispielsweise die Kreditkarte als Zahlungsweg zu hinterlegen. Das mag für den einen oder anderen Onlineshopper ein Ausschlusskriterium sein. Für den Händler ist dies ein Vorteil, argumentiert man bei Paydirekt, denn er habe so eine unmittelbare Zahlungsgarantie.

Es werde direkt geprüft, ob das Konto über genügend Deckung verfügt. Als weitere Pluspunkte nennt Wißmann die bereits mit der Autorisierung von der Bank oder Sparkasse übernommene Authentifizierung und Altersverifikation des Kunden sowie die automatische Übermittlung der Zahlung auf das Konto des Händlers bei der Hausbank.

Doch einen Haken gibt es auch: Da 18 Banken und Finanzgruppen und somit quasi die gesamte deutsche Kreditwirtschaft mit im Boot sind, wacht das Kartellamt mit Argusaugen darüber, dass die Geldhäuser mit ihrer Marktmacht keine Preisabsprachen treffen. Das bedeutet, dass jedes einzelne Finanzinstitut die Gebühr für die Dienstleistung festlegt – und der Händler diese mit jedem individuell vereinbaren muss.

Konditionen selbst verhandeln oder Vermittler suchen

"Wir haben die Verträge so vorbereitet, dass jede Bank oder Sparkasse dem Händler den gleichen Paydirekt-Vertrag vorlegt, der sich nur durch die Anlage unterscheidet, die das jeweilige Preisverzeichnis beinhaltet," erläutert Bartelt. Händler können somit bei entsprechendem Zahlungsvolumen die Konditionen mit jeder Bank oder Sparkasse selbst verhandeln oder sich einen Vermittler wie etwa einen Payment-Service-Provider suchen. "Auch die Hausbank des Händlers und wir vermitteln den Kontakt zu den anderen Finanzinstituten," sagt der Paydirekt-Geschäftsführer.

Weil Paydirekt ein rein technischer Abwickler ist und keine Bank wissen darf, was die andere berechnet, kann also keiner mit Gewissheit sagen, was eine Transaktion kostet. Da aber der neue Zahlungsdienst sicher nicht teurer als Paypal sein darf, wenn er sich durchsetzen soll, kann man eine Obergrenze schätzen: Paypal berechnet Händlern je Transaktion aktuell 35 Cent plus, gestaffelt nach monatlichem Umsatzvolumen, 1,5 bis 1,9 Prozent.

Nun kommt es also darauf an, wie schnell Paydirekt sich verbreitet und bei den Konsumenten bekannt wird. Und vor allem, welche Onlinehändler den Zahlungsdienst anbieten werden. Bei der Händleransprache setzen Paydirekt und die Banken daher auf die umsatzstarken Onlinehändler, um schnell Reichweite zu erzeugen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.

Sybille Wilhelm

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