Square-Klone wie SumUp, iZettle, Streetpay und Payleven schießen wie Pilze aus dem Boden. derhandel.de sprach mit Payleven über das Potenzial der mobilen Kartenakzeptanz.

Von der Deutschen Telekom und der DZ-Bank über die Samwer-Brüder und anderen Risikokapitalgebern bis hin zu etablierten Spielern im Zahlungsverkehr wie den Netzbetreibern Intercard und Montrada wollen alle ein Stückchen vom Kuchen der mobilen Kartenakzeptanz abhaben.

Alle sind in irgendeiner Form an einem der Square-Klone beteiligt, die seit Sommer dieses Jahres auch in Deutschland auf den Markt drängen. iZettle (Telekom, DZ Bank, Montrada), Payleven (Rocket Internet, Intercard, u.a.), Streetpay (Masterpayment), SumUp (b-to-v Partners, Shortcut Ventures, Tengelmann Ventures, u.a.) und seit neuestem auch Wirecard liefern sich einen PR- und Preiskrieg, um den jungen Markt der Kartenakzeptanz per Smartphone für sich zu erobern.

Die Kartenleser, die in den Kopfhörerstecker des Handys Platz finden, werden verschenkt, wie Rockefellers Öllämpchen. Das Disagio für die Kartenzahlungen sank nach wenigen Wochen auf 2,75 Prozent vom Umsatz, Streetpay begnügt sich gar mit 1,9 Prozent. Mit einer raschen Auslandsexpansion wollen die Anbieter schnell eine kritische Masse an Transaktionen erreichen. Neben Kreditkartenzahlung bieten die Dienstleister auch EC-Kartenzahlungen per Lastschrift-Verfahren (ELV) an.

Die Redaktion von derhandel.de sprach mit Konstantin Wolff, Mitgründer und Chief Marketing Officer von Payleven, über Alleinstellungsmerkmale, Sicherheitsanforderungen und das Potenzial für die mobile Kartenzahlung. Hinter dem StartUp stehen die Investoren Rocket Internet (Samwer), die amerikanische Investmentgesellschaft New Enterprise Associates (NEA), die russische ru.net und Holtzbrinck Ventures. Payleven wickelt EC-Kartenzahlungen über die Intercard AG und Kreditkartenzahlungen über den Acquirer Elavon ab.   

Foto: Payleven
Foto: Payleven
Was unterscheidet Payleven von all den anderen Anbietern, die einen Kartenleser für das Smartphone anbieten?

Wir setzen auf eine andere technische Lösung. In den kommenden Wochen werden wir ein Kartenlesegerät für Smartphones herausbringen, das mit Chip und PIN arbeitet. Das bedeutet einen wesentlich höheren Sicherheitsstandard und ermöglicht uns auch die Akzeptanz von Visa-Karten. Unsere Kunden können damit sämtliche relevanten Karten akzeptieren. Darüber hinaus wollen wir unseren Handelskunden einen besseren Service anbieten, etwa einen Support in der jeweiligen Landessprache.

Bisher verschenken Sie die Lesegeräte wie Ihre Konkurrenten auch. Wird das aufwändigere Gerät mit der Chip und PIN-Technologie etwas kosten?
Ja, allerdings einen Betrag von weit unter 100 Euro.

Für welche Zielgruppe ist die mobile Kartenakzeptanz Ihrer Meinung nach interessant?
Natürlich zunächst für alle Händler, Dienstleister und Lieferanten, die keine stationären Laden haben, sondern unterwegs sind. Wir haben kürzlich etwa mit dem Taxiverband Berlin Brandenburg (TVB) eine Kooperation unterzeichnet. Des weiteren ist das Bezahlen über das Smartphone aber auch für Gastronomen und inhabergeführte Geschäfte interessant, die bisher die langen Vertragslaufzeiten oder die hohen Grundgebühren für ein POS-Terminal scheuten: Fachgeschäfte, Modeboutiquen, Bäckereien, Metzgereien und dergleichen.

Erfüllen diese kleinen Aufsteck-Lesegeräte wirklich sämtliche Sicherheitsregularien der Kreditkartenindustrie?
Der Chip-Leser und das PIN-Pad sind PCI-konform, das Smartphone überträgt nur die zuvor verschlüsselten Daten - praktisch wie ein Modem. Wir haben die notwendige EMV-Zertifizierung Level 1 und 2 und die End-to-End-Zertifizierung von Mastercard und Visa. Wir haben also alle Zertifizierungsprozesse erfolgreich abgeschlossen.

Foto: Hanno Bender
Foto: Hanno Bender
Skeptiker bezweifeln, ob mit den mobilen Geräten je eine kritische Masse an Transaktionen zusammenkommt, damit sich das Angebot für den Dienstleister rechnet...
Unser Geschäftsmodell zielt darauf, viele kleine Händler und Akzeptanzstellen zu akquirieren, um auf ein lukratives Transaktionsniveau zu kommen. Unser Ziel sind mehrere 10.000 Kunden im nächsten Jahr. Es gibt in Deutschland sicherlich mehr als eine Million Gewerbetreibende, die noch keine Kartenzahlungen akzeptieren, insofern teile ich diese Bedenken nicht und glaube auch, dass für mehr als einen Anbieter Platz in diesem Markt ist.

Ihr Wettbewerber SumUp hat jüngst verkündet, in dieser Woche auch in Italien, Spanien und den Niederlanden an den Start zu gehen. Wie sehen Ihre Expansionspläne aus?

Wir sind derzeit in sechs Ländern aktiv: Deutschland, Polen, Italien, Brasilien, Großbritannien und den Niederlanden. Wir wollen auf jeden Fall weiter international expandieren, zu Zielen und Zeitpunkten werden wir zu gegebener Zeit informieren. 
 
Interview: Hanno Bender