Deutsche Online-Kunden scheuen das Risiko, wollen nicht die Katze im Sack erwerben, lieben ein "ausgedehntes" Zahlungsziel und wollen deshalb am liebsten auf Rechnung kaufen? Laut bevh-Studie Interaktiver Handel in Deutschland 2013 ist der Rechnungskauf immer noch die beliebteste Bezahlmethode deutscher Online-Kunden. Das gilt als gesetzt. Gilt es das? Was die Volumina betrifft, sicherlich: Warenkörbe mit hochpreisigen Artikeln werden immer noch bevorzugt per Rechnung bezahlt.

Aber sind Online-Bezahlverfahren deshalb gleich weniger beliebt und sind deutsche Verbraucher tatsächlich nur reine Gewohnheitstiere, wenn es um das (Nicht-)Ausprobieren neuer Methoden und Techniken geht? Nein. Jedenfalls dann nicht, wenn man nicht die Umsätze pro Order, sondern den Einsatz von Bezahlmethoden nach deren Nutzungshäufigkeit als Gradmesser für "Beliebtheit" heranzieht: Online-Bezahlmethoden sind auf dem Vormarsch. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Creditreform Boniversum, die ebenfalls vom vom bevh in Auftrag gegeben wurde.

Laut dieser jährlichen Umfrage hatten Online-Bezahlsysteme dem Rechnungskauf in Deutschland bezüglich ihrer Nutzungshäufigkeit bereits im Jahr 2013 den Rang abgelaufen. Mit einem deutlichen Vorsprung gegenüber klassischen Bezahlverfahren: 41% der Befragten nutzten in 2013 Online-Bezahlsysteme, nur noch 27% den Rechnungskauf.

Auch wenn diese Infografik zur jährlichen Creditreform Boniversum-Erhebung für die Jahre 2011 bis 2014 leider etwas irreführend betitelt wurde (in der zugrunde liegenden Umfrage wird nicht etwa jährlich eine Erst- oder Einmalnutzung abgefragt, sondern jeweils die allgemeine Nutzungshäufigkeit), so zeigt die darin dargestellte kumulierte Nutzungshäufigkeit von Payment-Optionen im Online-Handel für den genannten Zeitraum einen klaren Trend auf: Bequeme Online-Bezahlsysteme wachsen zu Lasten aller anderen Bezahl-Möglichkeiten.

Entwicklung der beliebtesten Bezahlverfahren im Online-Handel nach ihrer Nutzungshäufigkeit von 2011 bis 2014: Online-Zahlsysteme werden in Deutschland immer beliebter.
Entwicklung der beliebtesten Bezahlverfahren im Online-Handel nach ihrer Nutzungshäufigkeit von 2011 bis 2014: Online-Zahlsysteme werden in Deutschland immer beliebter.

Mit kundenfreundlichen Mehrwertdiensten im Gepäck (z.B. Treuhandservices zur Risikoabsicherung), wird der Aufstieg von Web-Dienstleistern mit Banklizenz auch in Deutschland weiter voranschreiten. Entprechende Incentivierung und zusätzliche Transparenz in der Kommunikation von Rückabwicklungsmodalitäten (im Retourefall) vorausgesetzt, werden die Deutschen sich auch bei hochpreisigen Artikeln irgendwann trauen, den "bequemen Weg" zu gehen. Spätestens wenn Online-Bezahldienstleister mit einem Zahlungsziel locken sollten, dem Rechnungskauf vergleichbar, wird auch in hochpreisigen Warengruppen der Durchbruch erfolgen.

Wie die Deutschen im Web wirklich bezahlen? Diese Frage ist also nocht nicht abschließend geklärt, da es hierbei jeweils zwischen den Nutzungsintensitäten und den Umsatzvolumina in einzelnen Bezahlarten zu differenzieren gilt. Die weitere Entwicklung bleibt spannend. Sie hängt wahrscheinlich künftig weit weniger von den tatsächlichen Präferenzen der Verbraucher ab, als vielmehr von dem Aufwand, den die großen Player wie PayPal, Google und Amazon in diesem Wachstumsmarkt zukünftig noch betreiben werden, um alteingesessene Institutionen verstärkt aus der Werschöpfungskette "Bezahlen im Online-Handel" drängen zu können.

PDF: Interaktiver Handel in Deutschland 2013
PDF: Winterumfrage 2013/2014: Genutzte Bezahlverfahren von Verbrauchern im Online-und Versandhandel
Grafik: Statista