Vom Konkurrenten zum Partner: Paypal kooperiert nach Visa nun auch mit dem zweitgrößten Kreditkartenanbieter Mastercard. Was das für den Handel bedeutet.

Erst im Juli hat Paypal die Kooperation mit dem Kreditkartenanbieter Visa verkündet. Nun vertieft der Bezahldienst auch die Zusammenarbeit mit Mastercard, nach Visa die weltweite Nummer 2 im Kreditkartenmarkt. Das Ziel: Paypal als Bezahlalternative an den Kassen im stationären Handel zu etablieren und dadurch höhere Einnahmen zu generieren.

Paypal an der Ladenkasse

Paypal-Kunden bekommen künftig Mastercard als Bezahloption in der mobilen Wallet angeboten: Der Kreditkartenanbieter wird Teil der digitalen Brieftasche von Paypal – zunächst nur in den USA. Paypal-Nutzer können dort die Bezahlung über die Kredit- oder Debitkarte von Mastercard als Standard einstellen. Im Gegenzug teilt Paypal mit Mastercard die Transaktionsdaten von Nutzern, die die Mastercard-Lösung für ihren Kauf verwenden.

Technisch funktionieren die mobilen Transaktionen an der Ladenkasse über das Tokenisierungs-Verfahren von Mastercard in Kombination von Smartphone-App und NFC-fähigem Terminal. Der Token ist ein zufällig ausgewählter Substitutionswert, beispielsweise eine Zahlenreihe, mit dessen Hilfe die Daten verschlüsselt werden. Damit soll ein Zugriff von außen auf die Daten verhindert werden.

Paypal will im Alltag allgegenwärtig sein

Kunden und kleine Händler können laut Mastercard zudem ohne zeitliche Verzögerung Geldmittel von einem Paypal-Konto auf die Mastercard-Kreditkarte überweisen. Außerdem wird Mastercard als weitere Zahlungsoption für Händler angeboten, die ihre Zahlungen mit dem Payment-Dienstleister Braintree abwickeln. Braintree gehört zu Paypal, und ist auch auf mehreren europäischen Märkten tätig.

“Unsere Kunden können nun ihr Geld beliebig verwenden – egal, ob online, in der App oder im Laden“, sagt Dan Schulman, Präsident und Vorstandsvorsitzender von Paypal. Mit jeder weiteren Partnerschaft, die das Unternehmen eingehe, werde Paypal im Alltag allgegenwärtiger. "Damit verbessern wir unsere Wirtschaftlichkeit.“ Bislang haben die ehemalige Ebay-Tochter Paypal und Mastercard in den USA gemeinsam Kreditkarten angeboten.

"Die Welt wird immer digitaler", erläutert David Deschamps, den Hintergrund für die Kooperation im Gespräch mit Der Handel. Deschamps ist bei Mastercard als Head of Digital Payments and Labs Europe für digitale Bezahllösungen in Europa verantwortlich. Zusätzlich zu Plastikkarten gebe es immer mehr digitale Karten, die auf dem Smartphone hinterlegt seien. "In welcher Wallet bewahrt der Kunde diese auf?", hier müsse sich jeder Anbieter, sei es Paypal oder Apple, rechtzeitig positionieren.

Was die Vereinbarung für den Handel in Deutschland bedeutet

Für den hiesigen Handel hat die Vereinbarung zunächst keine Auswirkungen: Noch gelten beide Kooperationen nur in den USA, und das kontaktlose Bezahlen per Smartphone ist hierzulande noch wenig verbreitet. Einen möglichen Vorteil beschreibt Horst Rüter, Zahlungssysteme-Experte vom EHI Retail Institute. "Händler haben so noch eine weitere Option, die sie ihren Kunden anbieten können."

Man solle jedoch immer bedenken, dass Paypal nach wie vor eine Black Box sei und man nichts über die tatsächlich vom Kunden im System hinterlegte Bezahlart erfahre, während der Händler im Rahmen einer Mischkalkulation für jede Zahlung prozentual gleich belastet werde - unabhängig, ob Kreditkarte oder Lastschrift hinterlegt wurde.

Sollte die Kooperation auch irgendwann für Deutschland getroffen werden, macht das hingegen laut dem Kreditkartenhersteller keinen großen Unterschied: "Für den Händler ändert sich gar nichts", sagt Deschamps. "Egal, welches Wallet der Kunde an das NFC-Terminal hält: die darin hinterlegte Karte hat zwar ein anderes Format, ist aber letztlich immer dieselbe Kreditkarte." Dementsprechend gelten auch dieselben Gebühren, die der Händler mit dem Kartenbetreiber vereinbart hat.

Digitale Wallets überall

Die Kooperation mit den beiden Kreditkartenanbietern bedeutet auch das Ende früherer Scharmützel: Paypal hatte versucht, Visa und Mastercard Kreditkartenkunden abspenstig zu machen. Die beiden Anbieter kritisierten, dass Paypal Transaktionen nicht über die Kreditkarten, sondern immer direkt vom Konto abgebucht hatte.

Mastercard selbst wiederum kooperiert nicht nur mit Paypal - auch bei Apple Pay oder Android Pay ist die Kreditkarte als Zahlungsmöglichkeit integriert. Zugleich treibt der Konzern seine eigene digitale Wallet voran, Masterpass. Diese wird unter anderem von den Partnerbanken verwendet. Anders gesagt: Egal, welche digitale Lösung einmal das Wettrennen gewinnen wird in der Gunst der Kunden - Mastercard will überall mit dabei sein.

Dazu passt auch die jüngste Meldung, dass das Unternehmen seine digitale Bezahllösung Masterpass weiter ausbaue. Mit Masterpass lassen sich ebenfalls Online-, In-App-, und "bald" auch kontaktlose Einkäufe an der Ladenkasse tätigen, so der Kreditkartenanbieter.

Ende Juni 2016 war Masterpass laut Eigenauskunft für 200 Millionen Kunden in 18 europäischen Ländern verfügbar, damit habe sich die Zahl der Nutzer im Vergleich zum Ende des ersten Quartals 2016 fast verdoppelt. In Deutschland können Verbraucher unter anderem online bei Galeria Kaufhof, Cineplex, Media Markt, Saturn, notebooksbilliger.de, Eventim und Mydays mit Masterpass bezahlen.