Produkte je nach Kundenwunsch zu personalisieren ist heute leicht möglich. Eine Studie hat untersucht, ob und in welchen Sortimenten die Konsumenten dies überhaupt wollen.

Von der Cola-Flasche mit dem eigenen Namen bis zum selbst designten Sportschuh: Immer mehr Markenhersteller bieten ihren Kunden die Möglichkeit, Produkte zu individualisieren. Der Kunde kann dazu online oder auch offline in einem Konfigurator das Produkt nach eigenen Wünschen zusammenstellen und zum Beispiel Farben, Muster oder auch Zutaten selbst auswählen. Nach diesen Spezifikationen wird das Produkt kundenindividuell als Einzelstück gefertigt. Das Kölner Institut für Handelsforschung (IfH) und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sind in ihrem aktuellen „Consumer Barometer“ einmal der Frage nachgegangen, inwieweit die Konsumenten die Produktindividualisierung nutzen oder erwarten. 

Demnach haben drei von zehn der befragten Konsumenten schon ein auf persönliche Wünsche zugeschnittenes Produkt erworben, knapp jeder zweite kann es sich immerhin sehr gut vorstellen. Der hohe Stellenwert der Individualisierung spiegelt sich auch in der Bereitschaft gut jedes zweiten Nutzers (55 Prozent), einen Aufpreis für ein solches Produkt in Kauf zu nehmen.

Nutzer und Interessenten
© KPMG/IFH
Nutzer und Interessenten
Nutzer von Produktindividualisierungen sind demnach verhältnismäßig jung: Gut die Hälfte derer, die ein solches Angebot bereits genutzt haben, sind keine 40 Jahre alt. Männer und Frauen sind etwa gleich stark vertreten. Skeptiker finden sich mit 53 Prozent mehrheitlich unter denjenigen, die älter als 50 Jahre sind. Wer die personalisierbaren Angebote nutzt, verfügen im Schnitt über ein verhältnismäßig hohes Haushaltsnettoeinkommen: Bei 38 Prozent von ihnen sind es mehr als 3.000 Euro monatlich. 
Während rund zwei von drei Nutzern und Interessierten ihr Objekt der Begierde online selbst gestalten würden, gibt doch gut jeder vierte an, dass er dazu lieber in einen Laden gehen und die Hilfe des Personals nutzen würde.

Übergreifend ist der Wunsch der Konsumenten, eine gewisse Einzigartigkeit auszudrücken. Dies gilt sowohl für hochpreisige Güter als auch für das Niedrigpreissegment. Sechs von zehn der befragten Interessenten finden die personalisierbaren Angebote schlichtweg reizvoller als „Einheitsware“. Weiteren 42 Prozent der Interessenten fiele es durch Produktindividualisierungen leichter, etwas zu kaufen, was ihnen gefällt, als ohne dieses Zusatzangebot.

40 Prozent der Befragten vermuten, dass immer mehr Unternehmen individualisierbare Produkte anbieten. Diese Erwartungshaltung ist insbesondere in jüngeren Altersklassen deutlich zu vernehmen. So gaben 52 Prozent der 20- bis 29-Jährigen an, dass sie von Unternehmen in puncto Individualisierbarkeit für die Zukunft mehr erwarten. Aufgrund der erhöhten Erwartungen jüngerer Generationen ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach individualisierbaren Produkten künftig weiter steigt.

Interessante Warengruppen
© KPMG/IFH
Interessante Warengruppen
60 Prozent der Nutzer haben bereits individualisierte Waren aus dem Bereich Lebensmittel (etwa Süßwaren, Müsli, Gewürze) erworben. Damit ist dies die Warengruppe, in der am häufigsten individualisierte Produkte gekauft werden. Die am zweithäufigsten vertretene Branche ist Fashion & Accessoires mit 34 Prozent. 

Personen, die bereits Produktindividualisierungen genutzt haben, wünschen sich vor allem weitere Angebote in den Branchen Fashion & Accessoires (69 Prozent) wie auch Wohnen & Einrichten sowie Hobby & Freizeit (jeweils 61 Prozent). Aber auch von der Lebensmittelbranche wünscht sich eine Mehrheit der bisherigen Nutzer (56 Prozent) weitere Optionen.  

Interessierte Personen, die bisher keine Produkte individualisiert haben, schätzen Lebensmittel als weniger relevant ein (33 Prozent). Sie wünschen sich Individualisierungen – genau wie Nutzer – vor allem bei Fashion & Accessoires (70 Prozent). Auf Platz zwei und drei folgen bei den Interessierten – ähnlich wie bei den Nutzern – Hobby & Freizeit (67 Prozent) sowie Wohnen & Einrichten (63 Prozent). Consumer Electronics landet bei Nutzern wie Interessenten im Mittelfeld. Noch vergleichsweise weit abgeschlagen ist die Branche Kosmetik & Beauty. Nur jeder dritte Nutzer und jeder vierte Interessent wünscht sich hier aktuell Produktindividualisierungen (beispielsweise für Gesichtscreme und Make-up). 
„Industrie 4.0 macht es technologisch möglich, eine Losgröße eins zu realisieren und somit die Kundenansprüche künftig vollständig(er) zu erfüllen“, erläutert Mark Sievers Head of Consumer Markets bei KPMG. “Die tatsächliche Ausrichtung der Produktion auf den einzelnen Kunden birgt neue Herausforderungen im Hinblick auf die Umstellung der gesamten Wertschöpfungskette, aber auch Wachstumschancen: Bereits heute finden mehr als die Hälfte der Kunden individuelle Produkte interessanter als gleichwertige Massenprodukte.“

MEHR ZUM THEMA
Individualisierung bei ShoeVita.de

"Warum noch mehr Schuhe?"

Die Webshop-Betreiberinnen von ShoeVita bieten Schuhe an, die die Kundin selbst entwirft. Kürzlich haben sie eine Design-Lounge im Frankfurter Kaufhof eröffnet. Mehr lesen

Marketing

Wie Onlineshops mit Produktkonfiguratoren individuelle Kundenwünsche bedienen

Nichts schätzen Verbraucher im Einzelhandel so sehr, wie einen qualifizierten Fachverkäufer, der einen im Geschäft seiner Wahl individuell und kompetent berät. Doch auch Onlineshops können den Kunden mittels smarter Produktkonfiguratoren individuell abholen und ihnen ihr ganz persönliches Shoppingerlebnis ermöglichen. Mehr lesen

Marketing

Wo Sie bei der Personalisierung spätestens jetzt ansetzen sollten

Mehr Engagement, stärkere Kundenbindung und eine verbesserte Customer Experience winken potentiell als Lohn einer personalisierten Website. Aber wo lässt sich damit am besten beginnen? Mehr lesen