2000 war kein gutes Jahr für Internet-Start-ups. Aus der Euphorie noch zu Jahresbeginn wurde zunehmend Katzenjammer. Doch die Internet-Ära ist nicht zu Ende. E-Business steht noch am Anfang.

2000 war kein gutes Jahr für Internet-Start-ups. Aus der Euphorie noch zu Jahresbeginn wurde zunehmend Katzenjammer. Doch die Internet-Ära ist nicht zu Ende. E-Business steht noch am Anfang.

Ein Brancheninsider glaubt auch im äußeren Auftritt der Jungmanager von Internet-Start-ups einen deutlichen Wandel festgestellt zu haben: "Noch vor wenigen Monaten sind die Jungs und Mädels in Jeans, T-Shirts und Sportschuhen bei den VC-Gebern und Banken erschienen, um Geld einzusammeln. Inzwischen sind die VC-Firmen sehr vorsichtig geworden, und die Start-ups müssen ihre nächsten Runden zunehmend bei Banken finanzieren lassen. Und dort treten sie im feinen Zwirn an, weil sie sonst noch nicht einmal am Pförtner vorbeikämen."

Nicht nur das Outfit scheint sich zu wandeln - zumindest wenn es um wichtige Termine geht. Ganz offensichtlich ist mehr Realismus eingekehrt. Schließlich müssen sich die Start-ups vermehrt auf bohrende Fragen wie "Was bringt das Modell, wer braucht so etwas und wie können damit Gewinne erwirtschaftet werden?" einstellen. Der Vertrauensvorschuss scheint dahin, die normative Kraft des Marktes bringt die Internet-Himmelstürmer zurück auf den Boden der Tatsachen.

Auch kann sich so mancher etwas Schadenfreude nicht verkneifen, wenn über die prominenten tatsächlich Gescheiterten (Boo.com, Gigabell etc.) oder in arge Verlegenheit Geratenen (u.a. letsbuyit.com) diskutiert wird. "Hochmut kommt vor dem Fall", mahnt ein Unternehmensberater. Und: "Kaufmännisches und betriebswirtschaftliches Denken bleiben in der Regel immer Erfolgsfaktoren in der geschäftlichen Praxis."

Ist das Ende der Internet-Ära eingeläutet? Sicherlich nicht. Schließlich steht das E-Business noch am Anfang. Die Potenziale für die Einführung von durchdachten und kundenorientierten IT-Systemen in den deutschen Unternehmen - vor allem bei den etablierten Firmen, die auch über entsprechende abgesicherte Investitionen verfügen - sind immer noch enorm. Vor dem Hintergrund dieser Tatsache und der damit verbundenen neuen Wertschätzung dieser Unternehmen gewinnt das bis dato eher abschätzig verwendete Attribut "old economy" neuen Glanz: "Alte Werte" sind wieder "in", nicht zuletzt weil es hier noch Cash Flow, Rücklagen und finanziell gesicherte Investitionspläne gibt. Und die Prognosen der Experten für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland sind optimistisch. Ohne Zweifel auch ein Mitverdienst des "Auto-Kanzlers" Gerhard Schröder, der mit seiner Wirtschafts- und Reformpolitik die Union und die Freidemokraten wie Anfänger aussehen lässt. Fast schon wie weiland Mercedes-Pilot Mika Häkkinen es mit dem Ferrari-Turbo Michael Schumacher bei seinem Überholmanöver im belgischen Spa praktizierte...

Die Aussichten sind also immer noch gut - sowohl für die etablierten Unternehmen, die mit E-Business ihre Prozesse, Strukturen und Wettbewerbspositionen verbessern wollen, als auch für diejenigen Start-ups, die mit ihren Angeboten und Dienstleistungen markt- und zielgruppenorientiert - und nicht zu vergessen: gewinnorientiert - arbeiten. Das gleiche gilt für die Anbieter von E-Business-Software und -Dienstleistungen.

Die erhitzte und auch überhitzte Atmosphäre ist nun abgekühlt. Das ist gut so, denn dies fördert den klaren Verstand. 2001 und die Folgejahre werden dann auch für den erfolgreich werden, der neben seinem Verstand auch sein Herz einsetzt. Und gute Ideen, die nützlich sind, belohnt der Markt sowieso. Ob denn individuelle Klingelzeichen fürs Handy Glückseeligkeit verheißen, entscheidet letztlich ebenfalls der Markt...

In diesem Sinne wünscht CYbiz allen ein gutes, gedeihliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2001. (Rainer Simon)