Der eine Drogeriemarktriese kämpft ums Überleben, arbeitet der andere an seinem Image als nachhaltiges Unternehmen: Bei dm-Drogeriemarkt sitzen am Mittwoch Promis an den Kassen. Schlecker dagegen muss an seinen Preisen arbeiten.

Die Drogeriemarktkette dm macht Promis und Kunden zu Kassierern. Am Mittwoch (29. Februar) sollen in ganz Deutschland 1.800 Menschen für eine halbe Stunde an der Kasse eines dm-Markts Platz nehmen und insgesamt eine Million Euro einnehmen. Mit dem Geld werde dm bundesweit rund 2.000 Nachhaltigkeitsprojekte unterstützen, kündigte das Unternehmen an.

Unterstützt wird dm dabei von fast dreißig mehr oder weniger bekannten Prominenten. So wird der Schauspieler Hannes Jaenicke in der Münchner Filiale am Frankfurter Ring die Einkäufe der Kunden über den Scanner ziehen, kassieren und Wechselgeld herausgeben. Im Bonner dm-Markt am Basketsring steht der TV-Moderator Eckart von Hirschhausen an der Kasse. Und in der Filiale im Leipziger Paunsdorf Center hat um 16.30 Uhr der kleine grüne Drache aus dem Rockmärchen "Tabaluga" von Peter Maffay seinen Auftritt. Der Rockmusiker betreibt auch die Tabaluga-Stiftung für traumatisierte Kinder.

Der dm-Chef Erich Harsch wurde 2011 für sein soziales und umweltpolitisches Engagement mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Schlecker 16 Prozent teurer als die Konkurrenz

Während dm mit einer solchen Aktion für positive Schlagzeilen sorgt, wird bei Konkurrenz Schlecker deutlich, warum das Unternehmen Insolvenzantrag stellen musste: Für die Verbraucher ist die Kette aus Ehingen zu teuer. Eine Analyse der GKL Marketing-Marktforschung für die "Wirtschaftswoche" ergab, dass Markenartikel in den Schlecker-Läden durchschnittlich 16 Prozent mehr kosten als in dm-Filialen.

Im Vergleich zu besonders preisaggressiven dm-Läden beträgt der Abstand demnach sogar mehr als 20 Prozent. Rossmann sei je nach Filialtyp 8 bis 16 Prozent günstiger, Müller rund 14 Prozent preiswerter als Schlecker.

Für die Untersuchung haben die GKL-Experten Ende Januar die Preise von 1.700 Markenartikeln verglichen. Aktionsangebote und Eigenmarken blieben außen vor. "Schlecker ist weiterhin der mit Abstand teuerste Anbieter", sagte GKL-Chef Ulrich Gallinat dem Blatt.

Preissenkungen angekündigt

Das Unternehmen aus Ehingen bei Ulm hatte im Januar angekündigt, im Laufe des ersten Halbjahrs die Preise bei Teilen des Sortiments auf das Niveau der Konkurrenten dm und Rossmann zu senken - teilweise auch darunter. Schlecker kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen und meldete Mitte Januar für die deutschen Filialen und die Tochter IhrPlatz Insolvenz an.

In Deutschland hat die Kette mehr als 6.000 Filialen mit rund 32.000 Mitarbeitern. Ein großes Problem von Schlecker sind die vergleichsweise kleinen und abgelegenen Läden. Erst sehr spät begannen die Schwaben damit, ihr Ladenkonzept zu überarbeiten, zuletzt schlossen sie Filiale um Filiale.

Schleckers vorläufiger Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zeigte sich aber zuletzt vorsichtig optimistisch, dass das Unternehmen weitergeführt werden kann. Der Betriebsrat fordert Staatshilfen zur Rettung des Unternehmens. Die Arbeitnehmervertreter hoffen, dass auf diese Weise Geschäfte in kleineren Orten in der Fläche erhalten werden können.