Die angeschlagene Automobilmarke Peugeot will mit dem neuen 308 in der umkämpften Kompaktklasse stärker mitmischen. Die Franzosen setzen auf Leichtbau und ein neues Design.

Ein wenig Champagner-Stimmung wird wohl aufkommen, wenn die Deutschland-Vertretungen der beiden französischen Automobilmarken Peugeot und Citroen heute ihr neues, gemeinsames Domizil in Köln-Gremberghoven offiziell einweihen. Nach fast zwei Jahren Ungewissheit, Umbruch und Umzugsstress richtet der PSA-Konzern mit seinen beiden Aushängeschildern den Blick nun endlich wieder nach vorn – und sucht dabei die viel zitierte Talsohle.

Sowohl Peugeot (minus 28,9 Prozent) als auch Citroen (minus 23,5 Prozent) befinden sich auf dem deutschen Markt nach den ersten acht Monaten des Jahres weiter im freien Fall – und bis die in höchster Not geschmiedete Allianz mit der General Motors-Tochter Opel erste Früchte trägt, vergehen noch Jahre.

Verkaufsstart am 21. September

Kein Wunder, dass die Markenverantwortlichen nun jede aktuelle Produktneuheit zum „großen Hoffnungsträger“ erklären. Das gilt ganz besonders für den neuen Peugeot 308, der vom 21. September an in der volumenträchtigen Kompaktklasse gegen den VW Golf und Co. antritt.

Entsprechend engagiert fallen die Markteinführungsmaßnahmen aus: Trotz der angespannten Kassenlage organisierte die Marketingabteilung soeben in Berlin eine aufwendige Präsentation für die Peugeot-Händler und arrangierte auch einen pfiffigen Fernsehwerbespot, der das „Gänsehautfeeling“ beim Fahren des Neulings in die Welt tragen soll. Europäische Journalisten testen den gallischen Golf-Gegner derzeit auf den kurvigen Vogesen-Sträßchen, deutsche Pressevertreter dürfen noch während der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) vom 12. bis 22. September hinter dem kleinen Lenkrad Platz nehmen und das Modell im Rheingau auf Herz und Nieren prüfen.

Produktion wird mehr als verdreifacht

Dass mit dem 4,25-Meter-Gefährt die Sehnsucht der Löwenmarke nach besseren Zeiten verbunden ist, belegen auch die Produktionsplanzahlen. Vom bisherigen Modell liefen 2012 lediglich noch 45.000 Einheiten von den Bändern im PSA-Traditionswerk Sochaux. Jetzt wird der Jahresausstoß mit 150.000 Fahrzeugen glatt mehr als verdreifacht.

Die Zuversicht scheint nicht unbegründet. Schließlich ist bis auf die Ziffernfolge im Namen alles neu. Mit einer modularen Plattform, die alleine für 70 der insgesamt 140 Kilogramm Gewichtsersparnis steht, und Euro-6-Motoren (ab Frühjahr 2014) lässt der 308 nicht nur seinen Vorgänger alt aussehen.

Linien und Proportionen stimmen

„Endlich“, ist man versucht zu sagen, hat Peugeot wieder zu einer gefälligen Designlinie zurückgefunden. Vorbei sind die Zeiten des großen „Haifischmauls“ an der Front und des verschachtelten Hecks. Diesmal stimmen die Linien und Proportionen und so stiehlt der elegante Franzose dem sonst so übermächtigen, aber optisch biederen Norddeutschen zumindest in der Schönheitswertung die Schau.

Auch im Innenraum machten die Pariser Kreativen Tabula rasa. Fast alle Bedienknöpfe sind im flach im Armaturenbrett eingebauten Touchscreen „versteckt“. Die wohltuende Leere vor dem Fahrer ist optisch wie funktional gewöhnungsbedürftig, nach wenigen Kilometern aber schnell gelernt, wie sich beim ersten Test von Der Handel herausstellte.

Start/Stopp nur für den Top-Diesel

„Reduktion“ schien allerdings auch bei der Auswahl des Angebotes an Assistenzsystemen das Gebot der Stunde. Das Start/Stopp-System bleibt dem leistungsstärkeren Diesel mit 85 kW/115 PS und der Abstandswarner der Top-Ausstattung „Allure“ vorbehalten.

Dafür kann sich das Platzangebot im Segment sehen lassen. Das Kofferraumvolumen beträgt 420 bis maximal 1.228 Liter – dabei folgt die Kombiversion erst im nächsten Jahr.

Preise ab 16.450 Euro

Foto: Peugeot
Foto: Peugeot
Zum Verkaufsstart beginnt die Preisliste des Viertürers bei 16.450 Euro für den 1,2-Liter -Dreizylinder-Benziner mit 60 kW/82 PS. Die für die Fuhrparks freilich viel relevantere Dieselpalette startet mit dem 1,6 HDi mit 68 kW/92 PS  für 19.550 Euro. Dieser Antrieb soll, laut Hersteller, mit 3,6 Litern auf 100 Kilometern auskommen. Für den stärkeren Selbstzünder (Normverbrauch: 3,7 Liter) werden mindestens 20.750 Euro (inklusive Start/Stopp-System) aufgerufen.

Der hinterließ beim Kennenlerntermin einen sehr guten Eindruck. In engen Kurven lernt man die Vorzüge des kleinen Lenkrades zu schätzen, das Fahrwerk gibt sich gelassen und auch in Sachen Verarbeitungsqualität und Materialauswahl braucht sich der 308 vor der Konkurrenz nicht zu verstecken.

Vorsichtige Planung

Ob das allerdings reicht, um aus der Dauerkrise herauszufahren? Deutschland-Geschäftsführer Marcel de Rycker plant für 2014 angesichts der Vormachtstellung der einheimischen Widersacher jedenfalls vorsichtig mit „11.000 Limousinen und 4.000 Kombis“. Das sind „nur“ 25 Prozent mehr als der alte 308 in seinem letzten vollen Verkaufsjahr erzielte und dürfte den Konzernlenkern in Paris angesichts der hoch gesteckten Erwartungen kaum genügen.

Bernd Nusser

Einen ausführlichen Ausblick auf die 65. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) vom 12. bis 22. September in Frankfurt am Main lesen Sie in der September-Ausgabe von Der Handel. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.