Das Bestellterminal CoBox soll für Apotheken Versand- und stationären Handel verknüpfen. Der Betreiber sieht für seine Innovation eine große Zukunft. Der Anfang findet in der hessischen Provinz statt.

Ein Knopfdruck, ein paar Sekunden Warten, und schon steht Annette Dinkel zur Verfügung. Lebensgroß hat sich die Apothekerin vor dem Kunden aufgebaut - und ist doch zwei Kilometer Luftlinie entfernt. Annette Dinkel erscheint auf einem großen Bildschirm, ihre Stimme erklingt durch einen Lautsprecher. Willkommen in der CoBox.

Der Begriff steht für Communication-Box. Videoapotheke nennt Erfinder Ulrich Baudisch, ein Architekt aus dem hessischen Waldsolms, seine Innovation.

Die Idee: Kunden den Einkauf sowie die persönliche Beratung in einer stationären Apotheke zu ermöglichen, ohne dass sie dafür einen langen Anreiseweg in Kauf nehmen müssen.

Dafür tritt man mit dem Geschäft in der CoBox per DSL-Leitung via Mikrofon und Bildschirm in Verbindung, der Vorgang erinnert an einer Videokonferenz. 3,6 Quadratmeter Fläche hat eine Box und wirkt optisch wie eine Telefonzelle oder ein Passbildautomat. Maximal zwei Kunden haben darin Platz.

Die Lahn-Apotheke in Marburg gehört zu den ersten vier Apotheken (alle in Hessen), die eine CoBox testen. Inhaber Thorsten Junk gilt als innovativer Pharmazeut, drei Filialen und ein Onlineshop gehören zu seinem Unternehmen. "Wir dürfen die neuen Entwicklungen auf dem Apothekenmarkt nicht verschlafen", sagt Junks kaufmännischer Leiter Sebastian Hedke.

Diskreter als im Laden

Die CoBox soll Versand- und stationären Handel verknüpfen. Der Kunde wird bei geschlossener Terminaltür individuell beraten - das ist diskreter als im Verkaufsraum einer stationären Apotheke, wo schlimmstenfalls eine Schlange mit Kunden Ohrenzeuge des Gesprächs ist. Das Rezept wird via Scanner auf den Monitor von Annette Dinkel in der Lahnapotheke übertragen, bezahlt wird per EC-Karte.

Die Auslieferung der Arznei erfolgt noch am selben Tag mit einem Marburger Kurierdienst - es sei denn, der Kunde hat seine Bestellung unmittelbar vor Ladenschluss um 18 Uhr abgegeben.

Junk hat seine CoBox im Marburger Medizinischen Versorgungszentrum aufgestellt, wo sechs Ärzte residieren sowie ein Reha-Zentrum seine Dienste anbietet. Für die Lahn-Apotheke ist dieses neue Angebot auch Teil der Imagebildung, wie es Sebastian Hedke formuliert: "Zu einer guten Apotheke gehört persönliche Beratung." Und die soll auch dann möglich sein, wenn der Kunde den Weg ins Geschäft nicht schafft.

Kaufen oder leasen

Daher sieht Erfinder Baudisch die Zukunft der CoBox besonders in Flächenländern wie Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern, wo Patienten zuweilen jetzt schon große Distanzen zurücklegen müssen, um sich Arznei zu beschaffen.

Die Nachfrage nach diesen Terminals sei groß, versichert Baudischs Tochter und Öffentlichkeitsarbeiterin Katja. "Wir rechnen damit, dass bis Ende dieses Jahres deutschlandweit 30 Terminals in Betrieb sind." Die Pilotprojekte hätten ergeben, dass etwa zehn Kunden am Tag notwendig seien, damit sich die Anschaffung einer CoBox amortisiert.

Eine Apotheke kann so ein Terminal bei Baudischs neu gegründeter CoBox AG kaufen oder für 2.000 Euro im Monat leasen.