Sie kennen das: Sie räumen auf, das fühlt sich gut an und irgendwann fangen sie sogar an, ihre Technik zu entrümpeln. Einfach mal unnötigen Ballast loswerden. Und wenn es  dabei nur darum geht, endlich mal sein Smartphone zu entrümpeln. 200 Apps? Braucht kein Mensch. Also weg mit dem Kram, der ungenutzt ist, oder der  –irgendwann–  mal ausprobiert werden will. Werden wollte. Pinterest? Brauche ich nicht, hat mich nie gereizt, löschen.

Moment mal: Ich kann damit nichts anfangen, aber wie sieht es da bei anderen Menschen aus? Huch, das sind ja doch ganz schön viele. Doch welche Rolle spielen etablierte Marken eigentlich auf dieser Bilderwand? Oha, in Relation zu anderen Netzen sieht's da düster aus.

Warum Marken den Anschluss bei Pinterest verpasst haben. Und warum das dem Dienst egal sein kann.

E-Business ist Alltag. Überall.

Einfach löschen? Warum nicht. Mal ganz ehrlich: Irgendwann läuft doch bei jedem die Begeisterung für die Technikwunder unserer Zeit auch mal leer: Die App-Ökonomie hat  ihren Zenit in Deutschland überschritten und ohne Brute Force Marketing würde sich außer ein paar Teenagern, Fanboys und Apple-Jüngern niemand wirklich noch dafür interessieren, was für ein Smartphone er gerade nutzt. Es ist eins da, es läuft, es macht gut Fotos, passt, fertig.

Und der Online-Handel? Da sind die Claims auch längst abgesteckt. Zwar trommelt ab und an mal irgendwo immer wieder eine PR-Abteilung, wie heiß (magazinig, erlebnisweltig, female-commercig, etc.) ihr neuer Shop denn so ist, oder welche tolle Nische man sich da denn wohl erschlossen hat, und die Fachpresse jazzt dementsprechend mal dieses oder jenes hoch. Aber machen wir uns nichts vor: Gekauft wird dann doch eher bei Amazon, Ebay, Zalando, Otto, Fressnapf oder irgendeinem großen Technik-Retailer, der sich zufällig mit einem Wochenangebot ins Gedächtnis ruft. Hat sich eben bewährt. Ok, Möbel und Food, da gibt’s noch etwas zu verteilen. Aber sonst? Große Sprünge oder Umwälzungen im Distanzhandel (in den westlichen Märkten) sind vorerst kaum zu erwarten: Wer bis jetzt nicht groß geworden ist, der wird’s auch nicht mehr.

Und wie ist es um die Nutzung  sozialer Netze bestellt? Der Reiz des Neuen scheint auch da längst verflogen, da spult halt jeder sein Programm runter und versucht dabei nicht allzu viel Lebenszeit zu verbraten. Jedenfalls im beruflichen Kontext.

Die Top 10 Pinterest-Profile im Mai 2014. Grafik: <a href="http://de.statista.com/statistik/daten/studie/302753/umfrage/pinterest-profile-mit-den-meisten- followern/"><b>Statista</b></a>
Die Top 10 Pinterest-Profile im Mai 2014. Grafik: Statista


Wer hat die meisten Follower in den sozialen Netzen?
Aktuelle Rankings (international und national) in den größten sozialen Netzwerken lassen sich kostenlos zum Beispiel über das Social Media Influence Tracking Tool Zoomsphere abfragen.


Marketer sind auch nur Menschen –  Skeptische Kunden führen ins Innovators Dilemma

Kurzum: Das Internet und alles drum herum ist immer mehr Mittel zum Zweck und E-Business wird immer mehr zur Routine. Für Verbraucher wie auch für Entscheider im digitalen Business. Sättigungseffekte und Abnutzungserscheinungen inklusive. Social Media Berater und Tech-Blogger mögen empört das Gegenteil behaupten, aber hey, so ist halt der Lauf der Dinge, mit oder ohne deren Segen.

Was bedeutet das für Marketer und das Bespielen sozialer Netzwerke? Ganz einfach, wie im echten Leben auch: Wenn man zu lange zögert, schließen sich manche Türen einfach wieder und man geht leer aus. Weil man den richtigen Zeitpunkt verpasst hat. So auch im Social Social Media Marketing. Das zu wuppen war für Verantwortliche jahrelang kein leichtes Unterfangen: Wenn Innovatoren und Meinungsgeber auf bestimmten Plattformen schon längst etabliert oder gar weitergezogen waren, mussten sich Marketer lange Zeit noch gegenüber internen und externen Kunden damit rumschlagen, dieses ganze Social Web-Gedöns überhaupt grundsätzlich an den Mann zu bringen. Wofür das eigentlich gut ist und so. Facebook, Twitter, Google +, … Und irgendwann halt Pinterest. Tolle Sache, so eine Bilderwand. Eigentlich.

Blöd nur: Die eigenen Kunden, egal ob intern oder extern, hatten vielleicht gerade überhaupt erst angefangen die ersten Gehversuche auf den gängigsten Spielwiesen (Facebook und Twitter) zu akzeptieren. Aber es lief noch nicht alles rund. Dauerte eben seine Zeit. Und dauert immer noch. Und ehe die eine Saat noch nicht voll aufgegangen war, wollte man nicht gleich schon das nächste Feld beackern. Heißt: Interne wie externe Kunden wurden vorerst ausschließlich in Sachen Facebook und Twitter gepäppelt und behütet, das noch Neuere muss dabei erst einmal hinten anstehen. Willkommen im Innovators Dilemma.

Wo etablierte Marken schlafen, nutzen andere die Chance, selbst zur Marke zu werden

Ein ernsthaftes Engagement bei Pinterest war erst einmal nicht von Interesse. Obwohl die Nutzerzahlen exponentiell durch die Decke gingen und der Dienst sich bald als das am schnellsten wachsende Social Network überhaupt entpuppte. Jetzt hat sich dieses Zeitfenster jedoch längst geschlossen und andere haben das Rennen gemacht: Designer, Fashion- Lifestyle- und Foodblogger dominieren national wie international das Feld bei Pinterest. Pech für Marketer. Dem Dienst kann das letztlich jedoch egal sein: Ob etablierte Marken sich die Plattform zu nutze machen, oder Newcomer ihre Chance nutzten, um selbst zu einer Marke zu werden, wird Pinterest kaum interessieren: Wer die Nutzer begeistert und bei Laune hält, war für ein soziales Netzwerk noch nie relevant.


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