Amazon hat Streit mit amerikanischen Plattenfirmen. Es geht um die Frage, ob der Onlinehändler mit seinem neuen Cloud-Musikdienst auch neue Lizenzen einholen muss.

Amazon hat mit seinem Cloud-Musikdienst die Plattenfirmen verärgert. Vertreter von Musikkonzernen kritisierten in diversen US-Medienberichten, dass der Onlinehändler für den Service nicht über neue Lizenzen verhandelt habe. Amazon konterte, bei der Kombination aus "Cloud Player" und "Cloud Drive" handele es sich letztlich nur um eine Art externe Festplatte, auch wenn sie virtuell ist und sich im Netz befindet. Daher seien aus Sicht des Konzerns keine neuen Lizenzverhandlungen notwendig.

Mit Amazons neuem Dienst können Nutzer ihre Musik auf Server des Konzerns hochladen - und von dort aus über den "Cloud Player" auf jedem beliebigen Computer abspielen. Aber auch Alben, die man im MP3-Shop des Online-Händlers kauft, werden automatisch auch auf der virtuellen Festplatte ("Cloud Drive") bei Amazon gespeichert. Unter anderem in der "New York Times" zweifelten Manager mehrerer Plattenfirmen an, ob dieses Nutzungsszenario von den aktuellen Amazon-Lizenzen auf ihre Songs abgedeckt ist. Allerdings wollten sie sich nicht offiziell äußern, weil die Verträge vertraulich seien.

"Wie externe Festplatte"

Ein Amazon-Sprecher entgegnete im Technologie-Blog "All Things Digital": "Wir brauchen keine Lizenz, um Musik auf dem Cloud Drive zu speichern." Es sei das Selbe als würden Kunden ihre Musik auf einer externen Festplatte speichern.

Auch Google und Apple arbeiten dem Vernehmen nach an Cloud-Musikdiensten - stecken aber in schwierigen Rechte-Verhandlungen mit den Musikfirmen fest. So berichtete das US-Blog CNET kürzlich, Google sei bereits dabei, einen solchen Dienst intern zu testen. Da sich die Verhandlungen mit der Musikbranche noch hinzögen, könne der Service aber nicht öffentlich starten. Der Vorstoß von Amazon verstärkt nun den Druck auf Apple und Google, möglichst rasch eigene Angebote zu starten.