Strauss Innovation und Butlers insolvent, Pure Player rücken nach. Depot-Chef Christian Gries bereitet das keine schlaflosen Nächte. Derzeit wächst der Händler jedes Jahr zweistellig und ist seit letztem Jahr im E-Commerce-Bereich operativ profitabel. Wie macht er das?

Wohnaccessoires lassen sich gut verkaufen. Der Umsatz der Branche wächst. Trotzdem läuft etwas falsch. Strauss Innovation ist vom Markt verschwunden, der Kölner Filialist Butlers meldete Ende Januar Insolvenz an.  Das liegt nicht allein am Internet. Butlers beispielsweise galt als im Onlinegeschäft gut aufgestellt. Wer nach Ursachen sucht, findet sie je nach Player unter anderem eher im Sortiment, bei Standortplanung und im Management.
In Zeiten sinkender Kundenfrequenzen und teurer Mieten ist das digitale Geschäft gleichwohl ein Hoffnungsträger. Der Anteil des Onlinegeschäfts bei Accessoires für Tisch und Küche ist mit 12 Prozent nämlich noch vergleichsweise niedrig. Dies zeigen Zahlen des Kölner Instituts für Handelsforschung.

Dekoartikel haben noch reichlich Wachstumspotenzial im Onlinegeschäft

Da geht also noch was - wenn gleichzeitig der Spagat gelingt, das stationäre Geschäft zu beleben.

Auch Depot, der große Fachhändler für Dekoartikel rund ums Wohnen, die Küche und den gedeckten Tisch, rechnet mit starken Wachstumspotenzialen im Onlinegeschäft,  und weiß auch, wie man das Ladengeschäft modernisieren muss. Im Interview mit „Der Handel“ verrät Depot-Chef Christian Gries, wie man online und offline erfolgreich an einen Tisch bekommt. Dabei lassen sich 8 zentrale Maximen erkennen.
Depot-Chef Christian Gries
© Depot
Depot-Chef Christian Gries

Investitionen

Der Handel erlebt den intensivsten Umbruch der Geschäftsmodelle, den es wahrscheinlich jemals gab. Das macht Investitionen zur Pflicht. Gries: „Bei Gries Deco haben wir massiv investiert – in Wachstum, Infrastruktur und Prozesse.“

Multichannel

Vertriebswege müssen sinnvoll kombiniert werden, um Kundenwünsche noch schneller und zielgerichteter zu befriedigen. Gries: „Wenn wir so bleiben wie heute, brauchen wir morgen auch keine Läden mehr.“

Silos

Im Multichannel-Handel ist die Verknüpfung der Kanäle zwingend. Deshalb hat Depot 2016 die Vertriebsorganisationen für das stationäre und das Onlinegeschäft zusammengelegt. Gries: „Die Verantwortlichen müssen durch die Brille des Gesamtunternehmens sehen und die Verantwortung für den Gesamtvertrieb übernehmen. Die Manager für diese Herausforderung holen wir uns hauptsächlich aus der digitalen Welt.“

„Zuerst die Struktur und dann das Wachstum.“

Christian Gries, Depot

Transformation

Transformation ist aufwendig und langwierig. Gries: „Digitales Denken kommt nicht von heute auf morgen. Man muss es von Grund auf gelernt haben oder den Willen haben, dies zu erlernen. Es geht darum, die alten Strukturen aufzubrechen. Ich rate jedem, diesen Weg konsequent zu gehen.“

Ziele

Der E-Commerce-Anteil liegt noch unter 5 Prozent des Gesamtumsatzes. Der Gries Deco Company ging es aber erst einmal um die Hausaufgaben. Gries: „Zuerst die Struktur und dann das Wachstum.“ Derzeit wächst der Händler jedes Jahr zweistellig und ist seit letztem Jahr im E-Commerce-Bereich operativ profitabel. Eine der Voraussetzungen: Das Aufschalten einer eigenen Online-Logistik, die enorme Kosteneffekte brachte.
Click & Collect bei Depot
© Depot
Click & Collect bei Depot

Fokussierung

Auch bei Depot geht es nicht darum, alles technisch Mögliche flächendeckend umzusetzen. Gries: „Die Gefahr besteht darin, sich in den Möglichkeiten der Digitalisierung zu verlieren.“ Stattdessen wird getestet, was der Kunde annimmt. Click&Collect befindet sich beispielsweise gerade im Roll Out.

"Wir haben viel mehr Vorteile als die Pure Player, nur nutzen wir sie nicht konsequent.

Christian Gries, Depot

Die Zukunft der Läden

Gries: „Wir haben viel mehr Vorteile als die Pure Player, nur nutzen wir sie nicht konsequent. Geben wir dem Kunden mehr Kontaktpunkte, sind wir im Vorteil.“ Den reinen E-Commerce-Umsatzanteil sieht er in der Branche bei 30 Prozent als endlich an. Depot plant daher in den nächsten drei Jahren rund 120 Eröffnungen.

Erlebnis-Läden

Man muss Kunden heutzutage immer wieder einen neuen Grund geben, in den Laden zu kommen. Bei Depot gibt es deshalb regelmäßig wechselnde Themenwelten. Gries: „One fits all“ gehört der Vergangenheit an.“ Ganz wichtig auch:  Eine intensive Prozessanalyse aller Filialabläufe, um daraus Effizienzmaßnahmen und neue Modelle abzuleiten. Und: Die Datenanalyse  jeder Warengruppe, aller Warenträger und jeder Marketingmaßnahme. Gries: „Wir können dadurch im Einkauf, im Lager und im Laden viel genauer planen, etwa wie viele Kerzen und wie viel Schokolade wir in welchem Zeitraum auf welcher Fläche benötigen, wann und in welchem Umfang wir Heimtextilien präsentieren und so weiter.“

Das komplette Interview mit Christian Gries lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von "Der Handel" (4/2017).

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