Zalando verdoppelt den Gewinn, wächst wie gewohnt, wenn auch etwas verlangsamt. So weit sind die Bilanzzahlen für das vierte Quartal (plus 25,7 Prozent) Routine. Die eigentliche Sensation ist jedoch eine andere. Zalando erobert die Stadt.

In der DACH-Region hat sich die Wachstumsrate nahezu halbiert. Sie sank von 28 Prozent auf 14,8 Prozent. Der Umsatz erreichte 1,81 Milliarden Euro. Insgesamt stiegen die Erlöse 2016 um 23 Prozent (Vorjahr 34 Prozent) auf rund 3,64 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um 131 Prozent auf 207 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT steigt auf 216,3 Millionen Euro (5,9 Prozent Marge).

Mehr Sortiment, mehr Service-Angebote und immer breiter aufgestellte mobile Lösungen (der Anteil der mobilen Besucher stieg auf 65,6 Prozent) scheinen aber auf Dauer die Wachstumshoffnungen nicht mehr allein erfüllen zu können.

Zalando kauft Kickz

Da tut Zalando etwas, was man sonst nur vom stationären Handel kennt: Flächenexpansion.

Allerdings expandiert der Online-Riese nicht mit seinen Outlets wie in Berlin und Frankfurt, die als bessere Resterampen fungieren. Sondern mit dem Kauf von Kickz. Ein Sneakers-, Basketball- und Streetwear-Händler aus München mit inzwischen bundesweit 15 Filialen.

Nach seinem Angebot an Händler, stationäre Läden mit Zalando per „Integrated Commerce“ zu vernetzen, greift der Onlinehändler nun auf einem weiteren Weg nach der City. Der digitale Geschäftsbericht 2016 nennt sich schon mal vielsagend "Zalando City Guide". Man könnte ihn als Wegweiser in eine Omnichannel-Zukunft lesen.

Vorstoß in die City

Die Wettbewerber dürften auf den Vorstoß in die City gleich aus mehreren Gründen allergisch reagieren.
Filiale von Kickz in Berlin
© Kickz
Filiale von Kickz in Berlin

Im Web brüstet sich der Modehändler damit, die Zalando-Plattform als eine Art Betriebssystem für die Modewelt zu etablieren. Eine Plattform, die den stationären Handel mit Zusatzgeschäften lockt, den Händler aber letztlich zum Päckchen-Verteiler degradiert.

Als Tech-Plattform verfügt Zalando über ein gewaltiges Datenpotenzial, das es nun auf die Fläche bringen kann.

Obendrein könnte Zalando das Filialnetz, obgleich die Marke bestehen bleibt, alsbald auch als dezentralen Hub für Zustellungen und Retouren nutzen und damit eine Lücke im Fulfillment schließen.

Darüber hinaus gewinnt Zalando zusätzliches Potenzial im wachstumsstarken Sport- und Lifestyle-Segment. Dort hat Zalando ohnehin auch online und kommunikativ einige Klimmzüge unternommen. Beispielsweise mit seine Launchkampagne für das Sportmode-Label Ivy Park, der von Pop-Superstar Beyoncé gegründeten Marke.

IVY PARK 2016 Zalando


Zalando-Vorstand David Schneider will in einem lesenswerten Beitrag in der „SZ“ den Kauf übrigens als Test verstanden wissen.

Das ist natürlich schlicht Quatsch. Tests, das sind die drei Filialen von Edited, dem Modelabel aus der Collins-Gruppe von Otto.

Zwar sagt Schneider: "Unser Ziel ist es nicht, neue Offline-Konzepte zu schaffen, sondern bestehende Offline-Konzepte zu nutzen." Doch stationäre Konzepte, die glauben, sie  passen zum Sortiment, zur  Strategie und Positionierung von Zalando, sollten sich vielleicht schon mal aufhübschen.

Ein Händler packt ein Paket für Zalando
© Zalando
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Christian Riethmüller

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