Gute Nachricht: Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland ist gesunken. Schlechte Nachricht: Das könnte sich schon 2015 ändern. Davon gehen die Spezialisten von Creditreform aus.

Einige Namen sind durch die Medien bekannt. So hat es in diesem Jahr den Weltbild-Verlag erwischt, allein hier waren 6.800 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen. Auch Strauss Innovation, die Mitteldeutsche Fahrradwerke AG und das Elektronik-Unternehmen Metz in Zirndorf mussten 2014 Insolvenz anmelden. Doch spektakuläre Schlagzeilen wie seinerzeit bei der Schlecker-Pleite gibt es glücklicherweise immer weniger.

Den Handel hat es seltener erwischt 

Ohnehin gehört der Handel trotz des gewaltigen Strukturwandels nicht zu den eigentlichen Risikobranchen. Hier meldeten 2014 insgesamt 5.000 Unternehmen Insolvenz an, knapp 9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Zwar sind gerade Start-ups im Online-Bereich gefährdet, doch gleichzeitig nimmt auch die Zahl der Neugründungen zu. Zu den kritischsten Branchen zählen die Experten von Creditreform eher die Gastronomie, Imbissstuben, Diskotheken, Videotheken oder auch private Wach- und Sicherheitsdienste.

Millionen Deutsche sind überschuldet

Die Gesamtzahl der Unternehmesinsolvenzen sank in diesem Jahr um fast 9 Prozent auf 23.800, wie Helmut Rödl, stellvertretender Aufsichtsratschef bei der Creditreform AG in Neuss, erläutert. Gleichzeitig ging auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen mit knapp 87.000 spürbar zurück. Allerdings könnte sich diese Zahl schnell ändern, denn 6,7 Millionen Menschen seien in Deutschland stark verschuldet oder sogar überschuldet. Einschließlich Vereinen und anderen Institutionen, die der Pleitegeier erwischt hat, lag die Gesamtzahl aller Insolvenzen in diesem Jahr mit rund 135.000 um fast 5 Prozent unter dem Niveau von 2013.

Viele Unternehmen auf dem Radarschirm

Diese erneut positive Entwicklung resultiere aus dem relativ günstigen Zugang zu Finanzmitteln, da die Zinsen niedrig sind, aus einer positiven Ertragssituation des Mittelstands und der weitgehenden konjunkturellen Stabilität.

Doch das könnte sich schon 2015 ändern, befürchtet Michael Bretz, Leiter der Wirtschaftsforschung und Mirglied der Geschäftsleitung beim Verband der Vereine Creditreform.  "Etwa 100.000 Unternehmen haben wir auf unserem Bonitäts-Radar", ergänzt der Aufsichtsrat und Universitätsprofessor Rödl. Und weiter: "Die Grundlage für Pleiten wird meist in guten Zeiten gelegt!" Für 2015 erwartet Creditreform weitere 24.000 bis 25.000 Firmenpleiten und bis zu 116.000 private Insolvenzen.

ach