Der Autobauer Porsche arbeitet am Image: Der neue Porsche Cayenne soll deutlich weniger verbrauchen als sein Vorgänger.

Praktisch und potent - mit dem Cayenne hat Porsche seit seiner Markteinführung vor acht Jahren ganz neue Kundengruppen und Märkte erschlossen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war der große Geländewagen mit weltweit 34.265 Verkäufen erneut das wichtigste Modell der Stuttgarter Sportwagenschmiede.

Rund um den Globus sind in 108 Ländern 270.000 Cayenne unterwegs - der Wachstumsschub der Marke ist eng mit dem Erfolg des SUV verbunden. "Selbst in seinem Auslaufjahr hat der Cayenne noch Marktanteile gewonnen. In Brasilien, Russland, Indien und vor allem in China legen wir stets zu", verdeutlicht Vorstandsvorsitzender Michael Macht die Bedeutung der einst unternehmensintern heftig diskutierten dritten Baureihe.

Modell im Verruf

Doch während chinesischen Aufsteigern, amerikanischen Stars, russischen Oligarchen und asiatischen Scheichs die PS-Zahlen des Zweitonners gar nicht groß genug sein konnten, geriet der Koloss in hiesigen Breitengraden als "spritfressender Dinosaurier" mehr und mehr in Verruf.

Mit einem Cayenne bei der Kundschaft vorfahren - das schickte sich angesichts der Verbrauchswerte im gehobenen, zweistelligen Bereich selbst für besser verdienende Händler zuletzt nicht. Allein die vor rund einem Jahr nachgeschobene Dieselversion linderte die öffentliche Kritik und sorgte für einen reibungslosen Abverkauf der ersten Modellgeneration.

Dass der Wagen am Umweltpranger stand, ist natürlich auch in der Unternehmenszentrale in Zuffenhausen nicht verborgen geblieben - und so schrieb der Vorstand bei der Neuauflage neben einem gefälligeren Gesamteindruck auch die Verbesserung der "sozialen Akzeptanz"  ins Lastenheft des Fahrzeugs.

Verkaufsstart am 8. Mai

Tatsächlich ist der Nachfolger, der vom 8. Mai an bei den Händlern steht, je nach Motorvariante um bis zu 180 Kilogramm leichter geworden und verlor, dank einiger Design-Kunstgriffe, vor allem im Heckbereich das unproportionierte Erscheinungsbild. Bis zu 23 Prozent weniger Verbrauch versprechen die Porsche-Ingenieure zudem. Eine Start/Stopp-Automatik ist serienmäßig an Bord.

Neben dem 176 kW/240 PS starken Diesel (59.596 Euro) soll vor allem der erstmals angebotene Hybrid (78.636 Euro) das Umweltgewissen der zahlungskräftigen Kundschaft beruhigen. Wie beim technisch baugleichen Bruder VW Touareg arbeiten hier ein 245 kW/333 PS starker Sechszylinder-Benziner und ein Elektromotor mit 34 kW/47 PS zusammen. Der Normverbrauch liegt bei 8,2 Litern.

In Deutschland kalkuliert Porsche allerdings mit höchstens fünf Prozent Hybrid-Anteil an den Gesamtverkäufen, während der Selbstzünder, der offiziell 7,4 Liter Kraftstoff konsumiert, wohl rund 50 Prozent ausmachen wird.

115.626 Euro für den Turbo

Die drei weiteren Antriebe steigern sich, leicht zu merken, in 100-PS-Schritten: An der Basis leistet der  3,6-Liter-Sechszylinder (55.431 Euro) 220 kW/300 PS, der Achtzylinder im Cayenne S (72.686 Euro) bringt es auf  294 kW/400 PS und das Top-Modell, der Turbo für stolze 115.626 Euro, ist 368 kW/500 PS stark. Seinen Verbrauch gibt der Hersteller mit 11,5 Litern Super plus an.

Doch nicht nur unter der Motorhaube hat sich einiges getan: Acht-Gang-Automatik und Allradsystem mit zuschaltbaren Geländemodi sind ebenfalls neu. Im Innenraum herrscht modern-elegante Club-Atmosphäre und auch die Praktiker kommen bei einem Ladevolumen von 670 bis 1.780 Liter Volumen sowie der in Längsrichtung verstellbaren Rücksitzbank auf ihre Kosten. Die Anhängelast beträgt bis zu 3.500 Kilogramm.

"Ende der Durststrecke in Sicht"

Nachdem Porsche seit 2008 insgesamt 25 neue Modellvarianten, darunter mit dem Panamera die vierte Baureihe, auf den Markt gebracht hat, will die Edelmarke unter dem Volkswagen-Dach mit der zusätzlichen Erweiterung der Produktpalette, laut Michael Macht, nun sogar "die Jahresproduktion mittelfristig auf bis zu 150.000 Einheiten" ausbauen.

Die Krise sieht der neue Steuermann jedenfalls überwunden: "Unsere Absatzzahlen liegen zum Ende des Geschäftsjahres am 31. Juli wohl über dem Vorjahr. Das Ende der langen Durststrecke ist in Sicht."

Bernd Nusser