Smartphone-Boom sei Dank: Im ersten Halbjahr 2013 hat sich der Umsatz mit mobilen Lautsprechern in Europa verdoppelt. Die Nachfrage nach In-Car-Elektronik und Navigationsgeräten aber sinkt.

Kopfhörer und Bluetooth-Lautsprecher sind in Europa so beliebt wie nie: Für Kopfhörer gaben Konsumenten in Westeuropa im ersten Halbjahr 2013 insgesamt 2,5 Prozent mehr aus, meldet das Martkforschungsinstitut GfK anlässlich der Internationalen Funkausstellung (IFA), die noch bis zum Mittwoch (11.) in Berlin läuft. Auch portable Radios liegen demnach im Trend: In Deutschland wuchs die Nachfrage um 6 Prozent. Der Markt für die sogenannte In-Car-Elektronik rund ums Auto sank hingegen im ersten Halbjahr 2013 um 15 Prozent und auch die Nachfrage nach portablen Navigationsgeräten ist insgesamt zurückgegangen.

Das klassische Radiogerät ist demnach in Deutschland längst noch nicht ausgestorben: Vor allem durch Digitalradio- und Internetradiogeräte stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Prozent leicht an. Allein der Umsatz von portablen Empfängern wuchs hier zu Lande um 6 Prozent. Reine Radiogeräte mit Digitalradiotuner ("DAB + Chip") verzeichneten dabei im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzwachstum von über 60 Prozent. Zudem stieg der GfK zufolge auch die Nachfrage für kleine mobile Boomboxen mit eingebautem Radio um knapp 4 Prozent.

Tragbare Lautsprecher

Zudem kaufen die Europäer aktuell gerne portable Lautsprecher, auf die kabellos, beispielsweise via Bluetooth, Musik oder anderer Audioinhalt übertragen werden kann. "Weitere Features wie etwa eine Freisprechfunktion lassen diese Produkte zu einem idealen Accessoire von Smartphones und Tablets werden", so die Nürnberger Marktforscher. Während der Umsatz von Docking-Lautsprechern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im ersten Halbjahr 2013 um 13 Prozent stieg, konnten reine Bluetooth-Lautsprecher den Umsatz sogar verdoppeln.

Obwohl die verkaufte Menge von Stereo-Kopfhörern mit und ohne Mikrofon um ein Prozent rückläufig sei, gaben Konsumenten in Westeuropa für dieses Produkt von Januar bis Juni 2013 insgesamt 2,5 Prozent mehr aus. Ein weitaus höherer Umsatzanstieg von knapp 9 Prozent ergibt sich nach den Zahlen der GfK, wenn man den britischen Markt außen vor lässt. Denn Großbritannien weicht bei den Stereo-Kopfhörern mit einem Umsatzminus von 15 Prozent von dem generell positiven Trend ab. Die besonderen Wachstumstreiber für Westeuropa im Bereich Kopfhörer sind zum einen der Kopfbügel ("Headband") sowie zum anderen die Signalübertragung via Bluetooth. Zudem verzeichneten auch digitale Funkkopfhörer ein Umsatzplus von 19 Prozent.

Die Nachfrage nach MP3- und MP4-Player leidet unterdessen weiter unter dem Konkurrenzdruck der Smartphones. Nischen ergeben sich den Marktforschern zufolge noch im Bereich Sport oder in der Nutzung als große tragbare Musikdatenbank. Dennoch verlor der Markt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum knapp 30 Prozent an Menge.

Markt für In-Car-Elektronik rückläufig

Bei der Aufrüstung ihres Wagens mit zusätzlicher Ausstattung halten sich die westeuropäischen Konsumenten jedoch zurück. "Zum einen bieten die Automobilhersteller immer mehr Zubehör an und zum anderen wird das Smartphone auch im Auto immer wichtiger", so die GfK. Im ersten Halbjahr 2013 ging der Umsatz der In-Car-Elektronik um 15 Prozent zurück, wobei sich der deutsche Markt mit einem Minus von 8 Prozent noch am stabilsten zeigte. Einige Bereiche, wie zum Beispiel Bildschirm-Radios ("2 DIN Moniceiver") entwickelten sich deutlich positiver als noch im Vorjahr. In der Nische und Innovation liege hier die Chance für Hersteller, rät die GfK.

Weil die Autos von Werk aus zunehmend besseren ausgestattet sind, ist der Nachrüstmarkt für Car Audio mit einem Umsatzminus von 15 Prozent weiterhin rückläufig. Doch auch hier gibt es demzufolge innovative Segmente mit Umsatzzuwachs: Geräte mit eingebauter Bluetooth-Funktion, um das Smartphone und dessen Inhalt besser nutzen zu können, wuchsen um 6 Prozent. Zudem stieg die Nachfrage nach "Mechaless-Geräten", also Geräte ohne CD-Laufwerk, aber mit Anschlussmöglichkeiten für MP3-Player und USB-Sticks oder SD-Karten, um 36 Prozent.

Fast jedes fünfte in Westeuropa verkaufte Autoradio gehört inzwischen dieser Kategorie an. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 war es noch jedes achte Gerät. Die Märkte für Car Vision und Fixed Navigation sind im Umsatz zwar weiterhin mit jeweils minus 16 Prozent rückläufig, können aber stabile Preise aufweisen, da der Konsument zunehmend in höherwertigere Produkte wie Car Vision 2 DIN-Geräte investiere.

Innovationen bei portablen Navigationsgeräten

Der Markt für portable Navigationsgeräte ist seit geraumer Zeit unter Druck und hat im vergangenen Jahr vor allem in Südeuropa weiter verloren. In Deutschland und Großbritannien hat sich der Rückgang gegenüber den Vorjahren hingegen deutlich verlangsamt.
 
Innovative Produkte der Hersteller helfen die Umsätze zu stabilisieren, so die GfK, da sich solche Geräte besser und zu einem höheren Preis verkaufen lassen. Als Beispiele nennen die Marktforscher größere Displays, Multi-Touch-Displays, kostenlose Kartenupdates sowie der Zugang zu mehr und aktuellen Verkehrsinformationen via Digitalradio, Bluetooth-Verbindung übers Handy oder per eingebauter SIM-Karte.

wim

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