Gummibärchen, Fleisch, Bier: Streng gläubige Muslime schauen bei diesen Produkten genau hin. Vertreter aus der Lebensmittelbranche sehen für Deutschland einen neuen Markt.

Deutsche Lebensmittelhersteller und Supermärkte unterschätzen nach Ansicht eines Branchenvereins das Potenzial für Lebensmittel, die nach muslimischen Regeln produziert werden. Es gebe etwa drei Millionen Menschen mit türkischem Hintergrund im Land, berichtet Stephan Becker-Sonnenschein vom Verein "Die Lebensmittelwirtschaft". Ihre Kaufkraft für Nahrungsmittel werde auf 18 bis 20 Milliarden Euro im Jahr geschätzt.

Im Islam darf Essen zum Beispiel kein Schweinefleisch und keinen Alkohol enthalten. Manche Produkte tragen entsprechende Halal-Siegel. Der Begriff sei allerdings nicht geschützt, berichtete Hamza Wördemann vom Zentralrat der Muslime in Deutschland. Er plädierte dafür, auf Verpackungen etwa Hinweise wie "Ohne tierische Zusätze" oder "Ohne Schweinefleisch" zu schreiben. Oft enthielten Fruchtjoghurts, Wackelpudding oder Tortenguss Schweinegelatine.

Hersteller entdecken Markt langsam

"Es gibt viele Lebensmittelhersteller, die den Markt nach und nach entdecken", sagt Engin Ergün von der Marketingagentur Ethno IQ, die Unternehmen berät. Nach seiner Schätzung achten etwa 70 Prozent der Muslime darauf, dass sie Nahrungsmittel essen, die den islamischen Regeln entsprechen. Für 30 Prozent sei das nicht relevant. Viele gingen mindestens einmal in der Woche in einen türkisch-arabischen Supermarkt. Davon gebe es bundesweit etwa 4.500, ihre Produkte importierten die Läden zum Großteil aus dem Ausland.