Die Praktiker-Pleite wirkt nach: Den Wegfall von 2 Milliarden Euro Umsatz können die verbliebenen Bau- und Gartenmarktbetreiber nicht auffangen. Doch unterm Strich wächst diese Branche, in der die Online-Konkurrenz bisher noch schwach ist.

"Der vollständige Marktaustritt von Praktiker zum März 2014 hat es der Branche erwartungsgemäß unmöglich gemacht, das Umsatzvolumen des Vorjahres im Gesamtmarkt zu halten", sagt Erich Huwer. Der Manager der Globus-Baumärkte ist zugleich Vorstandssprecher beim Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten, kurz BHB.

Huwer signalisiert Entspannung für eine Branche, die seit Jahren eher durch aggressive Preiskämpfe geprägt war. Die verbliebenen Betreiber seien gut aufgestellt. Zumal die Zahlen des vergangenen Jahres durchaus positiv waren.

Zwar ging der Gesamtumsatz des sogenannten Do-it-Yourself-Marktes wegen der Schließungen von Praktiker- und Max Bahr-Märkten um 6,2 Prozent auf 17,63 Milliarden Euro zurück. Doch bereinigt um dieses außerordentliche Ereignis legte die Branche sogar um 8,8 Prozent zu.
 

Bald wieder mehr Fläche

In diesem Jahr wird die Gesamtfläche der Bau- und Gartenmärkte absehbar sogar wieder zunehmen, unter anderem wegen Neueröffnungen geschlossener Praktiker-Märkte, die nun von Wettbewerbern betrieben werden, ergänzt BHB-Hauptgeschäftsführer Peter Wüst. Die Zahl der Standorte steigt dann deutschlandweit auf etwa 2.150.

Eine Prognose für dieses Jahr ist eher schwierig. Besonders der Start der Gartensaison wirkt sich maßgeblich auf die Entwicklung aus. Bisher hatte sich dieser Start wegen des kalten Wetters verzögert, erst seit einigen Tagen  zeichnet sich der Frühling ab. So geben die Branchenvertreter für 2015 die vorsichtige Wachstumsprognose von plus 1,5 bis plus 2,5 Prozent heraus.

Österreich und Schweiz bescheiden

Der BHB vertritt auch die Garten- und Baumarktbetreiber in Österreich und der Schweiz. Österreich kam 2014 auf ein mageres Umsatzplus von 0,8 Prozent auf 2,39 Milliarden Euro. Das Wachstum der Schweizer fiel mit plus 0,5 Prozent auf 1,91 Milliarden Euro sogar noch dürftiger aus.

Der Anteil des Onlinegeschäftes ist in der Bau- und Gartenmarktbranche noch vergleichsweise gering. In Deutschland wurden vergangenes Jahr nur 2,57 Milliarden mit Do-it-Yourself-Produkten übers Netz umgesetzt. Allerdings steigt auch hier der Anteil,  zuletzt um 14 Prozent. Auch für dieses Jahr erwartet Verbandsmanager Wüst ein Plus von 10,6 Prozent im E-Commerce. Je nach Produktgruppe schwanken die Onlineumsätze extrem: Eine Bohrmaschine wird eher per Mausklick bestellt als der Zementsack.

Mit Blick auf die einzelnen Produktkategorien sehen die Verbandsmanager vor allem den Trend zum altersgerechten Wohnen und der Tendenz, sich mehr und komfortabler in den in den eigenen vier Wänden einzurichten. Die Demografie spreche für Produkte wie Sitz- und Gehhilfen oder alle Produkte, die älteren Menschen das Leben vereinfachen - zum Beispiel der einfache Ein- und Ausstieg in die Badewanne und Dusche.