Die angeschlagene Baumarktkette Praktiker hat einen Investor für die Restrukturierung gefunden. Vorstandschef Fox muss das Unternehmen verlassen, eine bekannte Handelsgröße rückt auf seinen Posten.

Der Aufsichtsrat der Praktiker AG hat eine neue Marschrichtung für die Sanierung des angeschlagenen Baumarktkonzerns beschlossen. Die Vorstandsmitglieder Thomas Fox und Josef Schultheis, die für den bisherigen Restrukturierungskurs verantwortlich waren, müssen das Unternehmen verlassen.

Ein Investor stellt Praktiker ein vorrangiges Darlehen in Höhe von 85 Millionen Euro zur Verfügung, teilte das Unternehmen mit. Das Darlehen sei wesentlicher Baustein für die Gesamtfinanzierung der Restrukturierung der Praktiker AG. "Es soll noch durch eine Kreditfazilität und eine Kapitalerhöhung auf Basis des bestehenden genehmigten Kapitals ergänzt werden", heißt es in der Pressemitteilung aus Kirkel. Über die Identität des Investors macht die Praktiker-Führung auch auf Nachfrage von derhandel.de keine Angaben. Nach Informationen der Lebensmittel-Zeitung soll es sich um die Anchorage Capital Group handeln.

Das neu beschlossene Finanzierungskonzept bedeutet zugleich einen deutlichen Kurswechsel gegenüber dem Ende November 2011 initiierten Restrukturierungsprogramm von Ex-Karstadt-Sanierer Fox und beinhaltet eine erhebliche Verringerung des Finanzierungsvolumens.

Zwei Markenstrategie mit Max Bahr und Praktiker

"Damit ist nun die zweite Phase der strategischen Neuausrichtung eingeleitet, die auf dem wieder stabilisierten Geschäftsbetrieb der Praktiker Gruppe aufbaut. Kern dieser Neuausrichtung ist eine noch stärkere Profilierung der beiden Marken Praktiker und Max Bahr, wobei eine größere Anzahl Praktiker-Märkte auf Max Bahr umgestellt werden soll", teilt die Praktiker AG mit.

Damit weicht das neue Konzept von der bisherigen Strategie ab. Während Praktiker mit einem verdichteten Filialnetz ausschließlich als preisaggressiver Discounter im Markt positioniert werden soll, wird sich Max Bahr noch akzentuierter im qualitäts- und serviceorientierten Marktsegment aufstellen. Praktiker hat angekündigt, zunächst 9 Filialen in Deutschland zu schließen.

"Das neu justierte Geschäftsmodell stärkt das Erfolgsrezept von Max Bahr und schärft die Positionierung von Praktiker als Preis- und Kostenführer unter den deutschen Baumärkten", betonte Dr. Kersten von Schenck, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Praktiker AG. "Es wird von dem Investor voll und ganz mitgetragen und bildet so eine solide Grundlage, um die Restrukturierungen auch strategisch abzusichern und den Praktiker-Konzern im Wettbewerb zukunftsfähig zu positionieren".

Mit der Zustimmung zu diesem Finanzierungskonzept ende der von den Vorstandsmitgliedern Thomas Fox und Josef Schultheis übernommene Sanierungsauftrag. "Sie scheiden vereinbarungsgemäß mit dem heutigen Tag aus dem Vorstand aus, stehen dem Unternehmen aber auch weiterhin beratend zur Verfügung", so die Erklärung aus Kirkel.

Kay Haffner wird Vorstandschef von Praktiker

Neuer Vorstandschef wir das langjährige Mitglied des Aufsichtsrats Dr. Kay Hafner. Hafner blickt auf eine bewegte Karriere in der Branche zurück.

Nach Stationen bei Lekkerland und Sügro stieg Hafner im Jahr 2001 zum Deutschlandschef des US-Handelsgiganten Wal-Mart auf, der sich 2006 nach leidvollen Erfahrungen und dreistelligen Millionenverlusten aus dem deutschen Markt zurückzog. Hafner war sodann von 2006 bis 2008 Hertie-Chef. Die Warenhauskette meldete 2008 Insolvenz an.

Das Finanzressort wird unverändert von Markus Schürholz verantwortet. Weitere Vorstandsbestellungen sollen zeitnah erfolgen. Zum Börsenstart am Montagmorgen stieg der Aktienkurs der Praktiker AG um bis zu 13 Prozent - allerdings auf niedrigem Niveau an.