Als Reaktion auf die angekündigten Standortschließungen bei der insolventen Baumarktkette Praktiker, fordert Verdi die Einrichtung einer Transfergesellschaft.

Die heutige Ankündigung des vorläufigen Insolvenzverwalters, knapp ein Drittel aller Märkte der Baumarktkette Praktiker durch Ausverkauf stillzulegen, bezeichnet die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi als "einen weiterer schwerer Schlag für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter".

"Es ist verheerend, dass die Beschäftigten jetzt allein Management-Fehler der Vergangenheit ausbaden und wegen kurzfristiger Interessen potenzieller Investoren um ihre berufliche Existenz fürchten müssen", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Freitag.

Die Gewerkschaft fordert, dass für die betroffenen Beschäftigten alle Möglichkeiten einer Weiterbeschäftigung auch im Konzern geprüft werden. "Für den Fall, dass eine Weiterbeschäftigung nicht möglich ist, brauchen wir eine Transfergesellschaft für mindestens sechs Monate, in der die betroffenen Beschäftigten aufgefangen werden", forderte Nutzenberger. "Noch besser wäre ein längerer Transferzeitraum, um den Beschäftigten alle Unterstützung für eine erfolgreiche Rückkehr in Arbeit zu ermöglichen. Der Mindestzeitraum von sechs Monaten sollte in jedem Fall finanzierbar sein."

Einheitliche Strategie der Insolvenzverwalter verlangt

Nutzenberger fordert zudem die drei bei Praktiker und Max Bahr beteiligten Insolvenzverwalter zu einer engen Abstimmung im Interesse der Beschäftigten auf. "Der Prozess, dem Praktiker-Konzern eine Weiterführungsperspektive zu eröffnen, sei schon kompliziert genug, deshalb sei eine einheitliche Strategie der drei Insolvenzverwalter unerlässlich, um eine Zerschlagung des Konzerns zu verhindern und möglichst vielen Menschen einen Arbeitsplatz zu sichern", so die Verdi-Handelsexpertin.

"Insolvenzverwalter, Vermieter, Banken und Warenkreditversicherer sind gefordert, dafür gemeinsame Lösungen zu finden und sich nicht gegenseitig zu blockieren. Deshalb erwarten wir, dass kein einziger Standort blind aufgegeben wird. Jeder Markt muss von allen Seiten auf seinen Fortbestand geprüft werden", betonte Nutzenberger.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Christopher Seagon hatte die Schließung von 51 Praktiker-Standorten heute mit dem Fehlen jeglicher wirtschaftlicher Perspektive begründet. Rund 1.500 festangestellte Beschäftigte und zusätzlich etwa 1.000 geringfügig Beschäftigte seien von den für Ende Oktober geplanten Stilllegungen betroffen. Nach der Schließung stehen noch 120 Praktiker-Standorte elf Bau+Hobby-Häuser sowie 134 Max Bahr-Märkte für interessierte Investoren bereit.