Der Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden und eine Gewinnwarnung ließen keine gute Halbjahresbilanz bei Praktiker erwarten. Das Sanierungsprogramm greift nicht, auf den neuen Chef wartet viel Arbeit.

In der vergangenen Woche stellte Wolfgang Werner sein Amt als Praktiker-Vorstandschef zur Verfügung. Heute bei Vorstellung der Halbjahreszahlen wurde nochmals deutlich, warum Werner den Platz für einen Neubeginn des Konzerns frei machen musste.

Der Baumarktbetreiber erzielte im ersten Halbjahr 2011 trotz schönstem Gartenwetter und rekordverdächtigem Konsumklima einen Umsatz von 1,62 Milliarden Euro, was einem Minus von 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Ausland kommt nicht in Gang, Inland nicht auf die Spur

"Das zweite Quartal ist für den Praktiker Konzern enttäuschend verlaufen", betonte der scheidende Vorstandsvorsitzende der Praktiker AG, Wolfgang Werner, zur Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichts. "Das Auslandsgeschäft kommt nicht richtig in Gang, und die Neupositionierung von Praktiker Deutschland hat ihre Wirkung auf Umsatz und Ertrag bislang nicht so entfaltet wie erwartet".

Seit Beginn des zweiten Quartals bemüht sich das Baumarktunternehmen im Zuge des Sanierungsprogramms "Praktiker 2013" um ein neues Image an dem auch Markenbotschafter Boris Becker mitwirken soll.

Die Fachzeitung Horizont hatte der Kampagne in einer jüngst veröffentlichten Studie noch Wirksamkeit bescheinigt: "Der Baumarktkonzern legt sowohl beim Image als auch bei der Aufmerksamkeit signifikant zu. Vor allem bei den Frauen und den unter 30-Jährigen kann Praktiker dank 'Bobbele' punkten", hieß es von den Marketingexperten.

Operativer Verlust von 143 Millionen Euro

Doch in barer Münze scheint sich diese Aufmerksamkeit für Praktiker nicht auszuzahlen. Auch wenn das Unternehmen betont, im zweiten Quartal 2011 mit Minus 7,9 Prozent weniger Umsatz eingebüßt zu haben als in den ersten drei Monaten des Jahres (10,9 Prozent), im Ergebnis muss das Unternehmen einen Verlust von insgesamt 143,5 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten verkraften.

Selbst bereinigt um die Sondereffekte aus dem Sanierungsprogramm steht im ersten Halbjahr 2011 unter dem Strich in der
Foto: Praktiker
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ein Minus 25 Millionen Euro. Nur die zugekauft Tochter Max Bahr schaffte ein positives Ergebnis (EBITA) von 8,8 Millionen Euro im ersten Halbjahr.

Ungewisser Neuanfang

Wie es nun weiter geht mit dem Kirkeler Unternehmen ist völlig offen. Die Online-Ausgabe der Wirtschaftswoche spekuliert munter über Verkaufsoptionen und Umflaggungen der Märkte.

In die dort herbeizititierten Liquiditätsengpässe dürfte der Baumarktkonzern jedoch ganz so schnell nicht kommen, in diesem Frühjahr gelang es dem börsennotierten Unternehmen eine vielbeachtete 250-Millionen-Euro-Anleihe günstig im Markt zu platzieren. An finanziellem Handlungsspielraum wird es dem neuen Vorstand daher weniger fehlen, als an einem Konzept im In- und Ausland.