Der angeschlagene Baumarktkonzern Praktiker konnte die Finanzierung des wichtigen Frühjahresgeschäfts vorerst sicher stellen. Unklarheit herrscht jedoch über die Absichten der neuen Großaktionärin.

Auch für börsennotierte Unternehmen ist es eher ungewöhnlich, Pressemitteilungen am Wochenende zu versenden. Die Erleichterung im Hause Praktiker über die Einigung mit den Banken muss also groß gewesen sein, denn bereits am Samstag vergangener Woche teilte der Konzern der Öffentlichkeit mit, dass man sich über eine Fortführung der bestehenden Kreditlinien geeinigt habe.
 
"Die Praktiker AG hat sich heute mit einem Bankenkonsortium unter Leitung der Commerzbank geeinigt, ihre bisher bestehenden bilateralen Kreditlinien in eine gemeinsame Kreditvereinbarung zu überführen", teilte das Unternehmen mit. "Der Umfang der Praktiker hierdurch zur Verfügung stehenden Finanzmittel macht einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag aus und ist unverändert geblieben".

Finanzierung des Frühjahrgeschäfts gesichert

Die Finanzierung des für Baumärkte wichtigen Frühjahresgeschäfts dürfte damit vorerst gesichert sein, auch die Warenkreditversicherer, mit denen Praktiker zusammenarbeitet, hätten vertraglich zugesichert, die bestehenden Lieferantenkredite aufrecht zu erhalten.
 
Am Montag vergangener Woche hatte ein Bericht der Financial Times Deutschland zu einem Kurssturz der Praktiker-Aktie geführt. Die FTD hatte berichtet, dass die Kreditverhandlungen mit dem Bankkonsortium unter Zeitdruck stünden, die Aktie des Unternehmens war daraufhin zeitweilig um 15 Prozent eingebrochen, obwohl Analysten "nichts substanziell Neues" in dem Bericht finden konnten.

Am heutigen Montagmorgen konnte das Papier zweistellig zulegen, was neben der neuen Nachricht um die Zusammenführung der Kredite auch mit dem Einstieg von Isabella de Krassny in die Baumarktkette zusammenhängen könnte. Die Lebensmittel-Zeitung (LZ) berichtete am vergangenen Donnerstag über das Engagement der österreichischen Fondsmanagerin, die gemeinsam mit der Bank Semper Constantia Invest inzwischen rund 13 Prozent an dem Konzern aus Kirkel hält.

Zu den Berichten über Meinungsverschiedenheiten zum Sanierungskonzept zwischen de Krassny und Praktiker-Vorstandschef Thomas Fox wollte sich das Unternehmen auf Anfrage von derhandel.de nicht äußern. Laut LZ plant de Krassny den Aufsichtsrat des Konzerns neu zu besetzen.