Der neue Subaru Outback ist Kombi und Geländewagen zugleich - was ihn nicht vor einem Nischendasein bewahrt.

„Wir bieten Autos für Individualisten“, sagt Volker Dannath, Geschäftsführer von Subaru Deutschland in Friedberg. In Zahlen ausgedrückt: Der japanische Allradspezialist brachte es nach den aktuellen Daten des Flensburger Kraftfahr-Bundesamtes 2015 erneut nur auf 6.549 Neuzulassungen. Trotz einer marktkonformen Steigerung von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr bleibt die Autosparte des Mischkonzerns Fuji Heavy Industries damit im hiesigen Herstellerranking abgeschlagen auf einem der letzten Plätze.

Während Marken wie Jeep (14.819 Einheiten; plus 44,3 Prozent) und Land Rover (18.216; plus 24,1 Prozent), einst im unmittelbaren Umfeld platziert, maßgeblich vom allgemeinen Geländewagen-Boom profitieren und aus der Nische herausfahren, fehlt es ausgerechnet dem selbsterklärten Allradspezialisten Subaru schlicht an bezahlbaren Modellen in passender Größe, um den schon seit Jahren propagierten Wachstumskurs auch tatsächlich einzuschlagen.

Wuchtiger Wagen

Das gilt auch, oder vielleicht sogar ganz besonders, für den neuen Outback, der seit wenigen Monaten bei den Händlern steht. Der wuchtige Wagen bringt es auf fast fünf Meter Gesamtlänge und schlägt als Diesel mit Automatikgebtriebe mit annähernd 40.000 Euro zu Buche. Da bleiben deutsche Dienstwagenfahrer für abwegige Kundenbesucheabseits des Asphalts  ganz offensichtlich eher ihrem VW Passat Variant treu, der in der gleichfalls neuen "Alltrack"-Ausstattung  bei identischer Motorleistung und ähnlich rustikal beplankt praktisch zum gleichen Preis angeboten wird.

Allerdings gilt es beim Wolfsburger Geländekombi eine längere Aufpreisliste durchzuarbeiten, während für den Outback lediglich noch Lederausstattung (2.590 Euro), Anhängekupplung (778 Euro) und  Metalliclackierung  (540 Euro) zur Wahl stehen.

Viele Alleinstellungsmerkmale

Boxermotor, spezielles Allradsystem und stufenloses Automatikgetriebe. An Alleinstellungsmerkmalen und automobilen Sonderlösungen mangelt es Subaru, getreu der Ansage des Deutschlandchefs, tatsächlich nicht. Der hierzulande kleinste unter den japanischen Anbietern, der vor allem in den USA große Erfolge feiert, zelebriert seine „Andersartigkeit“ geradezu. 

Statt auf Radar und Sensoren setzt Subaru bei der fünften Generation des seit 1995 produzierten Outback denn auch allein auf eine Stereokamera, die hinter der Frontscheibe angebracht ist, das Feld vor dem Fahrzeug auf 110 Metern permanent überwacht und dem Fahrer somit bei der Unfallverhütung assistiert. Das System kann vorausfahrende Fahrzeuge, feste Hindernisse, aber auch Fußgänger, Fahrradfahrer und Tiere erkennen, vor einem Zusammenstoß warnen und auch eine Vollbremsung durchführen.

Schutz vor Auffahrunfall

Bei Geschwindigkeitsdifferenzen bis 50 km/h kommt der Wagen in der Regel rechtzeitig zum Stillstand, ansonsten werden wenigstens die Unfallfolgen gelindert. Zudem: Mit dem „Eyesight“ genannten Kamerasystem folgt der Outback dem vorausfahrenden Verkehr selbstständig und ermahnt den Fahrer, wenn es im Kolonnenverkehr weitergeht – bevor es der Hintermann mit der Hupe tut.

Voraussetzung: Die Witterungsverhältnisse stimmen, wie sich im Alltagstest zeigte. Bei zu starkem Nebel (oder auch auf Waldwegen)  meldet sich das System beispielsweise mit einem Warnhinweis im Zentraldisplay schon mal vom Dienst ab. Auch die Rückfahrkamera bietet in diesen Wintertagen selten Unterstützung, weil die Linse am Heck häufig verschmutzt ist. Das gilt aber für alle Hersteller und schreit förmlich nach einer Optimierung der Systeme.

Einige Funktionen, wie die Überwachung des toten Winkels, beinhaltet Eyesight nicht und es wird aus technischen Gründen auch nur in Kombination mit dem CVT-Getriebe angeboten. So steigt dann der Einstiegspreis für den 110 kW/150 PS starken Diesel auf mindestens 38.400 Euro, wobei die "Lineartronic" genannte stufenlose Automatik nicht nur 2.500 Euro, sondern schon im Normverbrauch gegenüber dem Sechsgang-Schaltgetriebe einen halben Liter Mehrverbrauch kostet.

Boxermotor mit kräftigem Durst

In der Praxis geht die Schere noch weiter auseinander. Unter acht Litern ist der knapp 1.700 Kilogramm schwere Allradkombi auf 100 Kilometern kaum zu bewegen. Bei forscher Fahrweise weist der Bordcomputer schnell zweistellige Werte aus. Auf eine bei den meisten neuen Fahrzeugen heutzutage übliche Start/Stopp-Funktion verzichtet Subaru.

Neben dem kräftigen Durst dürfte auch der eher sachlich gehaltene Gesamtauftritt dafür sorgen, dass der Outback bei der gewerblichen Kundschaft so selten auf der Shoppingliste steht. Vor allem im Innenraum wirkt viel schwarzes Plastik auf den Betrachter. Formal ist dabei gar nichts auszusetzen und bei den praktischen Qualitäten trumpft der Japaner mit reichlich Platz für fünf Personen, einem stattlichen Kofferraum, samt zusätzlichem Staufach im "Erdgeschoss", ebener Ladefläche, Fernentriegelung der Rücksitzlehnen und elektrisch zu betätigender Heckklappe auf. Hinzu kommt eine Fünf-Jahres-Garantie bis 160.000 Kilometer Laufleistung.

Bernd Nusser