Der angeschlagene Baumarktkonzern Praktiker hat den ersten Markt geschlossen - und benennt acht weitere Filialschließungen in Deutschland. Großaktionärin Krassny zeigt sich vor der Hauptversammlung zuversichtlich.

"Es gehört zu meinem Job, bei einem Unternehmen einzusteigen, wenn die Chance größer ist als das Risiko", lässt sich Isabella de Krassny im Interview mit dem "Handelsblatt" vom Mittwoch zitieren. Der Fondsmanagerin der österreichischen Semper Constania Privatbank werden zusammen mit ihr verbundenen Investoren mittlerweile rund 15 Prozent der Anteile des angeschlagenen Praktiker-Konzerns zugerechnet.

Rund 10 Millionen Euro soll die Investmentgruppe um de Krassny in das DIY-Unternehmen investiert haben. Eine neue operative Führung und ein Konzept, das den Schwerpunkt künftig auf die nach wie vor profitable Konzernsparte Max Bahr legt, sind das Ziel, wie de Krassny im Interview mit dem Handelsblatt unterstreicht.
 
Für die nötige Restrukturierung stelle man auch die Finanzierung bereit, so die Fondsmanagerin. Auch wenn sie ob ihres Engagements inzwischen hin und wieder schlaflose Nächte habe, vertraue sie auf die Substanz und Zukunft des Unternehmens, betont de Krassny.

Showdown auf der Hauptversammlung erwartet

Die derzeitige Führungsmannschaft unter Vorstandchef Thomas Fox hat allerdings ganz andere Pläne für die Zukunft von Praktiker und einen eigenen Restrukturierungsplan, den die Unternehmensberatung Boston Consulting ausgearbeitet hat.

Auf der in den Juni verschobenen Hauptversammlung des börsennotierten Baumarktbetreibers wird daher ein Showdown der Konzepte und Investorenpläne erwartet. Auch die Investmentbank Goldman Sachs hält mittlerweile mehr als fünf Prozent an Deutschlands drittgrößtem Baumarktbetreiber.

Praktiker gibt Schließungsliste bekannt


Derweil schloss Praktiker Ende März den ersten Baumarkt: "Einer unserer beiden Praktiker-Märkte in Krefeld ist bereits zum 31. März vom Netz genommen worden", bestätigt Praktiker-Pressesprecher Harald Günter auf Anfrage von derhandel.de. Sechs weitere Praktiker-Märkte sowie zwei extra Bau+Hobby-Märkte werden noch ihre Tore schließen.

extra Bau+Hobby ist eine Vertriebslinie der Praktiker AG mit derzeit 17 Filialen. Dabei handelt es sich überwiegend um kleinere Märkte, die in mittelgroßen Städten als Nahversorger fungieren.

Betroffen von Schließungen sind die Praktiker-Standorte Düren, Ensdorf, Moers (Schließung jeweils am 31. Juli 2012), Brühl (30. Juli 2012), Lödla-Altenburg (25. Oktober 2012), Wilhelmshaven (31. Oktober 2012) sowie die extra Bau+Hobby-Standorte in Kerpen (15. Mai 2012) und Offenbach (31. Oktober 2012).

Rund 30 der insgesamt 234 Standorte von Praktiker sollen laut dem Restrukturierungsgutachten von Boston Consulting unprofitabel und perspektivlos sein.

"Die laufende Überprüfung und Konsolidierung unseres Filialnetzes ist noch nicht abgeschlossen. Mögliche weitere Marktschließungen würden wir zu gegebener Zeit kommunizieren", heißt es dazu aus der Konzernzentrale.