Der Baumarktkonzern Praktiker kommt nicht auf Kurs. 2010 sank der Umsatz nach vorläufigen Zahlen deutlich - trotz des ebenfalls schwachen Vorjahrs. Die Abkehr von den "20 Prozent auf alles"-Aktionen fällt schwer.

Die Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte Holding AG hat nach vorläufigen Zahlen im Geschäftsjahr 2010 einen Netto-Konzernumsatz von rund 3,45 Milliarden Euro erzielt - das sind 5,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

"Die Umsatzentwicklung 2010 kann uns natürlich nicht zufrieden stellen. Im Ausland war das gesamtwirtschaftliche Umfeld ausgerechnet in den für uns wichtigsten Ländern besonders schlecht", kommentierte Wolfgang Werner, Vorstandsvorsitzender von Praktiker, die Zahlen am heutigen Donnerstag.

Schwierige Auslandsmärkte

Im Ausland sei der Umsatzrückgang wesentlich darauf zurückzuführen, dass in den für Praktiker wichtigsten Märkten Rumänien und Griechenland drastische staatliche Sparmaßnahmen eingeführt worden sind. Sie hätten sich auf die verfügbare Einkommen und damit auch auf die Nachfrage nach Baumarktartikeln ausgewirkt.

"Dadurch wurde die teilweise äußerst positive Umsatzentwicklung in der Ukraine, in der Türkei sowie in Polen überlagert", so der Baumarktbetreiber.

Insgesamt nahm der Auslandsumsatz 2010 um 4,8 Prozent auf rund 1 Milliarden Euro ab. In Deutschland erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 2,45 Milliarden Euro. Der entsprechende Vorjahreswert (2,62 Milliarden Euro) wurde damit um 6,3 Prozent verfehlt.

Abkehr von "20 Prozent auf alles" kostet Umsätze

"Der Rückgang lag daran, dass im Zuge der Neuausrichtung der Marke Praktiker die umsatztreibenden Rabattaktionen zugunsten besserer Rohertragsmargen weiter zurückgefahren wurden", so das Unternehmen. In Folge dessen gingen die Umsatzerlöse von Praktiker Deutschland um 8,5 Prozent zurück.

Max Bahr, das die Erneuerung von Sortimenten und Ausstellungsschwerpunkten weiter vorangetrieben hat, erzielte einen Umsatz von 685 Millionen Euro und blieb damit nahezu auf Vorjahresniveau.

Zum Ende des Geschäftsjahres 2010 betrieb der Praktiker-Konzern insgesamt 438 Märkte - einen weniger als vor Jahresfrist. Im Ausland erweiterte sich das Filialnetz im selben Zeitraum von 104 auf 107 Märkte.

Von den 331 (Vorjahr 335) deutschen Standorten gehörten 236 (239) zu Praktiker, 78 (77) zu Max Bahr und 17 (19) zur Vertriebslinie extra Bau+Hobby.

Die Analysten der Bank WestLB stuften die Praktiker-Aktie nach dem Zwischenbericht auf neutral herab. Das schwierige Marktumfeld auf den osteuropäischen Auslandsmärkten werde das Unternehmen vermutlich auch noch in 2011 belasten, so die Banker. Aber auch die Entwicklung der Marke Praktiker in Deutschland enttäusche.