Die angeschlagene Baumarktkette Praktiker steht vor der Pleite. Beim Amtsgericht Hamburg wurde Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt (Aktualisiert).

Der Insolvenzantrag erstreckt sich auf acht operative Tochtergesellschaften in Deutschland, der Insolvenzantrag für die Praktiker AG soll in Kürze folgen.

Max Bahr mit derzeit 132 Märkten und das Auslandsgeschäft seien von der Insolvenz nicht betroffen, teilte Praktiker mit. Die Praktiker- sowie die extra-Bau+Hobby-Märkte sollen im Rahmen eines vorläufigen Insolvenzverfahrens fortgeführt werden.

"Der Vorstand hat die positive Fortführungsprognose für die Praktiker AG und einzelne Gesellschaften der Unternehmensgruppe verneint", hatte der Baumarktkonzern bereits am Mittwochabend in einer Ad-hoc-Mitteilung bekannt gegeben.

Praktiker ist zahlungsunfähig

Neben dem Insolvenzgrund der Überschuldung sei auch die Zahlungsunfähigkeit der Praktiker AG gegeben, heißt es in der
Foto: Praktiker AG
Foto: Praktiker AG
.

Die Verhandlungen über weitere Sanierungsfinanzierungen seien am Mittwochabend gescheitert, weil "einzelne Gläubigergruppen diesen nicht zugestimmt haben".

"Die alternative Finanzierungslösung war auch notwendig geworden, nachdem die Veräußerung der Anteile an der luxemburgischen Tochtergesellschaft Bâtiself S.A. kurz zuvor wegen Gremienvorbehalten auf Seiten des Käufers nicht abgeschlossen und somit die erwarteten Erlöse aus dem Verkauf nicht realisiert werden konnten. Diese Erlöse waren im Finanzierungskonzept aus dem Jahr 2012 fest eingeplant", betont das Unternehmen. Im Februar war bereits der Versuch gescheitert, die türkische Landesgesellschaft zu verkaufen.
 

Langer Winter machte die letzten Hoffnungen zunichte

Der Praktiker-Konzern hatte 2012 einen Restrukturierungskurs eingeschlagen, der im Kern die Umstellung eines Großteils der Praktiker-Baumärkte auf die höher positionierte und ertragsstärkere Marke Max Bahr vorsah und zuletzt auch Anlass zur Hoffnung gab. Bis Ende März 2013 hat das Unternehmen 54 Märkte umgestellt.

"Der historisch lange Winter, lang anhaltend schlechtes Wetter und ein damit verbundener massiver Einbruch der Baumarktkonjunktur überlagerten im ersten Quartal 2013 allerdings die positiven Effekte der Neuausrichtung des Geschäftsmodells in Deutschland", hieß es heute von Praktiker.

dpa, hb, san