Die Baumarktkette Praktiker will trotz Wirtschaftskrise Ertrag und Liquidität sichern. Dazu müssen alle Opfer bringen - Mitarbeiter, Chefs und Aktionäre. Und Rabattaktionen gibt es auch seltener.

Die Discount-Baumarktkette Praktiker spart jetzt an sich selbst: "Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Rezession, die auch in der Baumarktbranche angekommen ist, stellen wir uns auf eine vorübergehende deutliche Abschwächung unseres Geschäfts im In- und Ausland ein", sagte der Vorstandschef der Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte Holding AG Wolfgang Werner am heutigen Freitag bei der Vorstellung der Bilanz 2008 in Frankfurt.

Das Geschäftsjahr 2008 war zwar "insgesamt ein gutes Jahr", sagte Werner. So erzielte die Praktiker Gruppe, zu der neben den Discount-Baumärkten der Marke Praktiker auch die Premium-Baumärkte Max Bahr gehören, das bisher beste operative Ergebnis der Firmengeschichte: Mit 129,1 Millionen Euro legte das so genannte EBITA um 11,3 Prozent im Vergleich zu 2007 zu.

"Darauf können wir stolz sein, auch wenn wir den Zielkorridor, den wir vor zwölf Monaten unter ganz anderen ökonomischen Vorzeichen anvisiert hatten, verfehlt haben", betonte Werner.

Liquidität sichern ist höchste Priorität

Gleichwohl habe angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise und der Kaufzurückhaltung der Konsumenten die Ergebnis- und Liquiditätssicherung höchste Priorität.

Neben einem Einstellungsstopp in den Konzernzentralen, einer Nullrunde für die Gehälter der Führungskräfte und der angemeldeten Kurzarbeit in rund 80 Märkten, von denen 4.000 Mitarbeiter betroffen sind, legt Praktiker die weitere Expansion im Ausland sowie den Umbau der deutschen Praktiker-Märkte im Rahmen des "Easy-to-Shop-Konzepts" auf Eis.

Auch Aktionäre bekommen Sparkus zu spüren

Darüber hinaus bekommen auch die Aktionäre den Sparkurs zu spüren: Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr wird von 45 Cent im Jahr 2007 auf nun zehn Cent je Aktie gesenkt.

"Liquidität brauchen wir, um wirkungsvoll in der Krise agieren zu können", erläuterte Werner das Praktiker-Konzept. "Sie ist auch eine Voraussetzung dafür, dass wir aus der Bremsspur heraus schnell beschleunigen können, wenn nach der Krise der Konjunkturmotor wieder anspringt." 

Ein angemessenes Ergebnis sei die Grundlage dafür, jederzeit Zugang zu weiterer Liquidität zu erhalten, sollte sie denn benötigt werden: "Nur ein Unternehmen, das beides hat, erhält seine Handlungsfähigkeit", betonte der Praktiker-Chef. "Deshalb sind diese beiden Ziele gerade jetzt zur Erhöhung der Krisenresistenz für uns besonders wichtig."

Überschuss sinkt um zwei Drittel

Insgesamt sank der Umsatz der Gruppe im Jahr 2008 um ein Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Unter anderem waren daran auch die Währungsverluste Schuld. Auf Deutschland entfielen beim Umsatz 2,666 Milliarden Euro, was gegenüber dem Vorjahresumsatz einem Rückgang um 6,9 Prozent entspricht.

Der Überschuss des Konzerns betrug im vergangenen Jahr 7,1 Millionen Euro – nach 23,7 Millionen Euro 2007.

Weniger Rabattaktionen

Die Marke Praktiker allein kam auf einen Jahresumsatz von 1,963 Milliarden Euro, 9,7 Prozent weniger als 2007. Max Bahr erwirtschaftete mit 702 Millionen Euro2,1 Prozent mehr, wobei der Zuwachs darauf zurückzuführen sein soll, dass die Hamburger Konzerntochter im Februar 2007 übernommen wurde und 2008 erstmals für zwölf Monate in den Konzernabschluss einbezogen wurde.

"In jeder Krise ist Profilierung gefragt. Und da sind wir mit Parakktiker im Discount-Segment und Max Bahr im Premiumsegment bestens aufgestellt", sagte Marketing-Vorstand Pascal Warnking. Dazu sollen unter anderem auch die Rabattaktionen der Marke Praktiker wie "20 Prozent auf Alles" weiter zurückgefahren werden: "Wir werden die Trumpfkarte Preis weiter spielen. Aber dazu werden die Rabattaktionen künftig noch gezielter eingesetzt, damit wir uns noch stärker als konstanten Niedrigpreisführer positionieren können."