Teurer Konzernumbau, drohende Kartellstrafe, rückläufiger Umsatz: Praktiker weist für das Jahr 2010 einen Verlust von 33,6 Millionen Euro aus. 

"Das Jahr 2010 war kein gutes Jahr für den Praktiker Konzern", fasst der Vorstandsvorsitzende der Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte Holding AG, Wolfgang Werner, die Bilanz zusammen. "Zwar konnte das operative Ergebnis vor Sondereffekten erwartungsgemäß gesteigert werden, die Umsatzentwicklung im In- und Ausland war jedoch nicht zufriedenstellend. In Deutschland gingen Marktanteile verloren, die es in den nächsten Jahren zurückzugewinnen gilt."

Der Umsatz der Praktiker Gruppe ging demnach 2010 um 5,9 Prozent auf 3,448 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis (Ebita) halbierte sich fast: Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank von 62,8 Millionen im Jahr 2009 auf 35,3 Millionen Euro. Den Jahresverlust gibt Praktiker mit 33,6 Millionen an - er hat sich somit mehr als verdreifacht, denn 2009 betrug er -9,3 Millionen.

"Vor Sondereffekten aber erreichte es 67,7 Millionen Euro und lag, wie vom Management erwartet, über dem entsprechenden Vorjahreswert", so der Praktiker-Chef.

Neuausrichtung kostet Geld

Bei den Sondereffekten in einer Gesamthöhe von 32,4 Millionen Euro handele es sich vorwiegend um Aufwendungen im Rahmen des Programms "Praktiker 2013", mit dem sich der Konzern neu ausrichten will, und eine Rückstellung wegen kartellrechtlicher Risiken in Polen. "Ohne die Sondereffekte hätte der Praktiker Konzern die Zielsetzung des Managements – eine Ebita-Steigerung vor Sondereffekten – erreicht."

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Werner einen Konzernumsatz auf Vorjahresniveau, jedoch ein besseres operatives Ergebnis vor Sondereffekten. Dabei setzt das Management voraus, dass sich die Konjunktur in Osteuropa und in Griechenland stabilisiert. Außerdem erwartet das Management,  dass die Maßnahmen aus "Praktiker 2013" das operative Ergebnis vor Sondereffekten erhöhen.

Aufholjagd beginnt

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Aufholjagd seien gut, denn "2010 war auch ein Jahr der Zukunftsinvestitionen, der strategischen Weichenstellungen und der strukturellen Erneuerung des Praktiker-Konzerns," so Werner. Allein für "Praktiker 2013" seien im Geschäftsjahr 2010 insgesamt 24,3 Millionen Euro aufgewendet worden. "Mit diesem Geld haben wir unsere Organisation grundlegend verändert, die Hierarchien verschlankt, die internen Prozesse optimiert, die Neupositionierung der Marke Praktiker im Inland eingeleitet und eine Menge anderer Ideen entwickelt, die uns in Zukunft helfen werden, die Ertragskraft unseres Konzerns zu stärken", ist der Konzernchef überzeugt.

Den Umsatzrückgang von 3,663 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf 3,448 Milliarden Euro 2010 begründet Werner mit den "anhaltend schwierigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Osteuropa und in Griechenland" sowie mit der Entscheidung, bei Praktiker in Deutschland "das Ausmaß umsatztreibender Rabattaktionen weiter einzuschränken".

Umsatzrückgang in Deutschland

In Deutschland setzte der Praktiker-Konzern 2010 insgesamt 2,452 Milliarden Euro um. Gegenüber dem Vorjahr (2,617 Milliarden Euro) waren dies 6,3 Prozent weniger, auf vergleichbarer Fläche betrug der Rückgang 7,0 Prozent. Der Umsatz von Praktiker Deutschland habe sogar um 8,4 Prozent abgenommen, weil die Rabattaktionen in Vorbereitung der anstehenden Neupositionierung der Marke erheblich reduziert worden waren. "Gleichzeitig verbesserte sich dadurch, vor allem in der zweiten Jahreshälfte, die Ertragskraft von Praktiker Deutschland", erläutert Werner.

Vor Sondereffekten habe das operative Ergebnis, das im Vorjahr nahe Null gelegen hatte, auf 18,5 Millionen Euro zugenommen. Dies zeigt, dass die Maßnahmen zu greifen beginnen, die zur nachhaltigen Ertragsteigerung der Marke Praktiker im Inland eingeleitet wurden", ist Werner überzeugt. Durch Sonderaufwendungen in Höhe von 19,7 Millionen Euro entstand demnach im ausgewiesenen operativen Ergebnis jedoch ein Verlust von 1,2 Millionen Euro.

Umsatz bei Max-Bahr-Märkten stabil

Der Umsatz von Max Bahr blieb unterdessen 2010 im Vergleich zum Vorjahr mit 685,5 Millionen Euro nahezu konstant; flächenbereinigt ging er um 2,7 Prozent zurück. Vor allem im ersten Halbjahr seien die Verkaufszahlen von Max Bahr aufgrund des langen, kalten Winters und einer verregneten Gartensaison zurückgegangen. Im zweiten Halbjahr habe Max Bahr dann von der anziehenden Konjunktur und von einer "gezielten werblichen Ansprache der Kundenkarteninhaber" profitieren können.

Vor Sondereffekten, die hier ebenfalls mit Anlaufkosten von „Praktiker 2013“ begründet werden, liege das Ebita mit 31,4 Millionen Euro exakt auf Vorjahresniveau.

International gehen Umsatz und Ergebnis zurück

Im internationalen Geschäft erreichte der Umsatz der Gruppe 996,1 Millionen Euro und lag damit 4,8 Prozent unter Vorjahr (1,046 Milliarden Euro). Vor allem in den für Praktiker wichtigen Absatzländern Griechenland und Rumänien seien die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ungünstig geblieben und hätten zu kräftigen Einbußen geführt, die auch durch Umsatzsteigerungen in anderen Ländern - wie etwa Polen, der Türkei und der Ukraine – nicht kompensiert werden konnten.

Mit dem Umsatz ging auch das operative Ergebnis zurück. Vor Sondereffekten erreichte das Ebita 20,3 Millionen Euro (Vorjahr 32,6 Millionen Euro). Im internationalen Geschäft seien unterschiedliche Sondereffekte wirksam geworden: 8,1 Millionen Euro seien den Rückstellungen zum Ausgleich kartellrechtlicher Risiken in Polen zugeführt worden, Aufwendungen in Höhe von 1,1 Millionen Euro rechnet die Konzernspitze dem Programm "Praktiker 2013" zu. Das im Segment International erzielte Ebita weist Praktiker mit 11,1 Millionen Euro aus. 

In Deutschland weniger, im Ausland mehr Märkte

Der Praktiker-Konzern hatte am Ende des Geschäftsjahres 2010 ein Filialnetz von 438 Standorten, einen weniger als am Ende des Vorjahres. In Deutschland ging die Anzahl der Praktiker-Märkte um drei auf 236 zurück. Zwei kleine, veraltete Filialen seien durch moderne Neubauten ersetzt worden. Das Filialnetz von Max Bahr wurde um einen Markt auf 78 erweitert.

Das ausländische Filialnetz wuchs im Jahr 2010 um drei Standorte. Vier Neueröffnungen – je eine in Griechenland, in Ungarn, in der Ukraine und in Rumänien – stand demnach eine Schließung in der Türkei gegenüber. Zum Ende des Geschäftsjahres hatte Praktiker 107 Standorte im Ausland.