Die Insolvenzverwalter der Praktiker AG haben keinen Käufer für den Gesamtkonzern finden können. Ab nächster Woche sollen alle Märkte leerverkauft werden. Für Max Bahr gibt es dagegen Interessenten.

Das Ende für Praktiker ist beschlossene Sache. Auch nach der Schließung von 51 perspektivlosen Baumärkten konnten die vorläufigen Insolvenzverwalter keine Kaufinteressenten für den Gesamtkonzern finden. Einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Die Welt", bestätigte ein Sprecher der Insolvenzverwalter gegenüber derhandel.de.

Ab Ende der kommenden Woche sollen auch die verbliebenen 130 Praktiker-Standorte leerverkauft werden. Die Marke "Praktiker", zuletzt die Nummer drei der deutschen Baumarktbranche, wird somit vom Markt verschwinden. Den insgesamt etwa 5.330 festangestellten Beschäftigten - davon etwa 1.780 geringfügig Beschäftigte - an den betroffenen Standorten soll derzeit noch nicht gekündigt, betonen die Insovelnzveralter in einer
Foto: Hanno Bender
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vom heutigen Mittwoch.

Für das Tochterunternehmen Max Bahr mit derzeit insgesamt 132 Märkten gibt es dagegen voraussichtlich einen Käufer. Von zehn unverbindlichen Angeboten, die von strategischen Investoren als auch von Finanzinvestoren vorlägen, ist die Rede.

"Wir sehen gute Chancen, die Standorte und Arbeitsplätze von Max Bahr zu sichern", sagten Jens-Sören Schröder, vorläufiger Insolvenzverwalter von 78 Bestandsmärkten von Max Bahr, und Christopher Seagon, vorläufiger Insolvenzverwalter der 54 ehemaligen Praktiker-Märkte, die seit September 2012 in Max Bahr umgeflaggt wurden.

Praktiker-Filialen besenrein übergeben

Einige der potentiellen Käufer hätten auch Interesse an der Übernahme eines Pakets von ehemaligen Praktiker-Standorten, allerdings nur, wenn diese besenrein übergeben werden. "Niemand aus diesem Kreis hat Interesse an den Warenbeständen von Praktiker, deshalb werden wir den Leerverkauf in diesen Häusern vorbereiten", betont Christopher Seagon, vorläufiger Insolvenzverwalter der Praktiker-Baumärkte.

Insbesondere an den 42 blau-gelben Filialen, die noch zu Max Bahr-Standorten umgewandelt werden sollten, seien einige der potenziellen Investoren interessiert, hört man aus dem Umfeld der Verwalter. Darüber hinaus gebe es auch für viele der verbleibenden Standorte Interessenten aus der Baumarktbranche oder aus anderen Handelsbereichen.

Bei der geplanten Übertragung der ehemaligen Praktiker-Filialen an Max Bahr-Interessenten haben freilich auch die Vermieter ein Wort mitzureden: "Eine Übertragung der Standorte kann nur mit Zustimmung des jeweiligen Vermieters erfolgen. Dieser muss mit dem neuen Mieter einen neuen Mietvertrag abschließen", erläutert Detlef Specovius, Partner der Kanzlei Schultze & Braun. Der erfahrene Insolvenzverwalter und Restrukturierer hat unter anderem SinnLeffers saniert.

"Grundsätzlich werden die Vermieter aber ein großes Interesse daran haben, schnell einen neuen Mieter für ihre Immobilien zu finden", erläutert der Insolvenzexperte im Gespräch mit derhandel.de. Vermieter von Immobilien in guter Lage könnten sich aber durchaus umschauen, ob für ihr Objekt am Markt von Dritten nicht wesentlich bessere Konditionen geboten werden.

"Keine Berechtigung mehr im Markt"

"Offensichtlich war niemand bereit, die Verluste des laufenden Geschäftsbetriebs von Praktiker weiter zu finanzieren. Dass die Investorensuche nach dem was bislang bekannt ist, anscheinend perspektivlos war, zeigt, dass das Unternehmen ähnlich wie Schlecker keine Berechtigung mehr im Markt hat", bilanziert Specovius.

Der Sanierungsfachmann rechnet nun damit, dass die vorläufigen Insolvenzverwalter die Angebote der Interessenten für Max Bahr prüfen und aus ihrer Sicht geeignete Interessenten in die engere Auswahl für die Due Dilligence nehmen werden. In der Regel verhandele ein Insolvenzverwalter mit zwei bis vier potentiellen Investoren. Der Verkaufsprozess für Max Bahr könnte bei optimalem Verlauf in rund vier bis acht Wochen abgeschlossen werden, so Specovius.

Die Gläubiger der Praktiker AG werden von diesem Verkauf jedoch nur profitieren, wenn der Verkaufspreis die Besicherungssumme übersteigt, für die die Gesellschaftsanteile an Max Bahr an die finanzierenden Banken als Sicherheit verpfändet wurde.

Verdi: Der Fall Schlecker darf sich nicht wiederholen

Als "Katastrophe für Tausende von Beschäftigen", bezeichnete Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied für den Handel, die Entscheidung der Insolvenzverwalter. "Wenn das Vorhaben zur Umsetzung kommt, stehen weitere 5.300 Beschäftigte vor den Scherben ihrer Existenz. Es glaubt niemand wirklich, dass die Praktiker-Beschäftigten nach dem Leerverkauf von den neuen Betreibern auch tatsächlich übernommen werden", kritisierte die Gewerkschafterin in einer ersten Reaktion.

"Es wird Standorte geben, die so interessant sind, dass es vermutlich Übernehmer geben wird  - aber es ist notwendig, dass es ein Konzept und Transparenz darüber gibt, wie die Fortführung nach dem Leerverkauf sichergestellt werden kann", betonte Nutzenberger.

Damit sich der Fall Schlecker nicht wiederhole, sei "die Übernahme sozialer Verantwortung aller Beteiligten absolut unverzichtbar", forderte die Verdi-Funktionärin. "Nicht nur der Insolvenzverwalter, auch die Banken, Warenkreditversicherer und potenzielle Investoren müssen ihren Teil im Sinne der Menschen beitragen, schließlich läuft der Investorenprozess momentan", so Nutzenberger.