Die angeschlagene Baumarktkette Praktiker hat einen Insolvenzantrag für die türkische Landesgesellschaft gestellt. Neun Märkte sind betroffen. Die Türkei sei aber ein Sonderfall, betont der Vorstand.

Mit einem radikalen Schnitt beginnt die Praktiker AG die Bereinigung ihres Auslandsgeschäfts: "Angesichts der anhaltenden defizitären Entwicklung" stellt der angeschlagene Baumarktkonzern die Zahlungen an die türkische Landesgesellschaft ein und hat am heutigen Dienstag beim zuständigen Gericht in Istanbul Antrag auf die Einleitung eines sogenannten "Insolvenzaufschubverfahrens" gestellt.

"Die Türkei ist ein ganz besonderer Fall in unserem Auslandsportfolio. In allen anderen Ländern werden wir die Wirtschaftlichkeit durch Veränderungen von Strukturen, Prozessen und den weiteren Abbau von Kosten ausreichend verbessern können", bemüht sich Armin Burger, Vorstandsvorsitzender der Praktiker AG, zu betonen.

"Wir wollen unser Geschäft im In- und Ausland zu alter Ertragsstärke zurückführen. Einen dauerhaften Verlustbringer wie die Türkei können wir uns in diesem Prozess nicht leisten", so der ehemalige Aldi-Manager.

Buntes Auslandsportfolio ohne klare Linie

Praktiker betreibt ein buntes Auslandsportfolio mit Niederlassungen in Bulgarien, Griechenland, Luxemburg, Polen, Rumänien, Ukranie und Ungarn, das Branchenbeobachtern stets als Beleg für die jahrelange Mißwirtschaft in dem Baumarktkonzern diente und nun insgesamt auf dem Prüfstand steht.

Die türkische Landesgesellschaft mit ihren neun Märkten soll im Rahmen des Insolvenzaufschubverfahrens gemäß eines bei Gericht hinterlegten Restrukturierungsplans ganz oder teilweise an Dritte abgegeben und der Warenbestand vermarktet werden.

"Sofern das Gericht diesem Antrag folgt, wird der Plan vom Management der türkischen Praktiker-Gesellschaft unter staatlicher Aufsicht umgesetzt", heißt es von der Praktiker AG.