Die Salzgitter AG hat im Frühjahr 2004 ihre komplexen und individuell ausgestalteten SAP-Systeme im Rechnungswesen, der Materialwirtschaft sowie in der Vertriebs- und Produktionslogistik des Stahlbereichs in einem Schritt auf SAP R/3 und SAP Business Warehouse umgestellt.

Die Salzgitter AG hat im Frühjahr 2004 ihre komplexen und individuell ausgestalteten SAP-Systeme im Rechnungswesen, der Materialwirtschaft sowie in der Vertriebs- und Produktionslogistik des Stahlbereichs in einem Schritt auf SAP R/3 und SAP Business Warehouse umgestellt. Laut SAP handelt es sich um das größte R/2-R/3-Migrationsprojekt im Industriesektor.

Mit rund 4,8 Milliarden Euro Jahresumsatz 2003 und etwa 18.000 Mitarbeitern zählt die Salzgitter AG zu den weltweit führenden Stahlproduzenten und ist die Nummer zwei im deutschen Markt. Das international tätige Unternehmen benötigt eine hoch integrierte und harmonisierte Informationstechnik zur Unterstützung von durchgängigen und optimierten Geschäftsprozessen. Darum entschied man sich, ein System einzuführen, das nicht nur den aktuellen Anforderungen entsprach. Vielmehr sollte es im Kern visionär sein und in Zukunft mit Salzgitter wachsen. Mehr noch: Es sollte den dynamischen Geschäftsentwicklungen - regional wie global - immer einen Schritt voraus sein. Die Vorgabe lautete daher SAP R/3 Version 4.6C einschließlich SAP Business Warehouse (BW).

Die Projektverantwortung übernahm der interne IT-Dienstleister Gesis. Doch angesichts der Dimensionen des Großprojekts wurde ein Dienstleistungspartner gesucht, der die Projektorganisation, den organisatorischen Wandel und die SAP-Realisierung unterstützen konnte. Günter König, CIO der Salzgitter AG und Geschäftsführer der Gesis, beauftragte Siemens Business Services mit dieser Aufgabe: "Wir hatten uns für die Siemens-Experten entschieden, weil sie über wesentliche Kenntnisse der Stahlbranche und R/3-Erfahrung verfügen. Zudem waren sie in der Lage, angesichts der extrem komplexen Aufgaben kurzfristig und flexibel die benötigten Ressourcen bereitzustellen." So gab es während des Projekts Spitzenzeiten, zu denen 100 SAP-Berater des externen Dienstleisters gleichzeitig mit 80 Beratern der Gesis im Einsatz waren.

Sap’oro, wie die Mitarbeiter das ehrgeizige Projekt nach einer internen Konferenz tauften, steht für die Veränderung und die fundamentale Neudefinition von Prozessen in einem modernen, wettbewerbsfähigen Unternehmen. Im Mittelpunkt stand die Ausrichtung der IT auf Standardisierung und e-Business.

Voraussetzung für den reibungslosen Systembetrieb war eine umfassende Server- und Speicherkonsolidierung. Um ein Höchstmaß an Flexibilität und Storage-on-Demand zu erhalten, entschied man sich für die neue Blade-Server-Technik. Für die Hardware-Basis wurde das FlexFrame-Konzept von Fujitsu Siemens Computers realisiert. Über das SAN (Storage Architecture Network) steht für alle Systeme mittels FibreCat flexibler Speicherplatz zur Verfügung. Als R/3-Datenbankserver kommt eine Primepower 1500 zum Einsatz. Die R/3-Systeme und das eService-Portal laufen auf Primergy-Servern mit dem offenen Betriebssystem Linux. Für die ständige Verfügbarkeit der IT-Umgebung sorgt die eingebaute Hochverfügbarkeitslösung - selbst bei Ausfall eines Servers oder eines kompletten Rechnerraums.

Die Herausforderung bestand in der Abbildung der extrem aufwändigen Variantenkonfiguration mit vielfältigen Materialstammdaten und der Verschlüsselung der zahlreichen Auftragspositionen. Es gibt eine Vielzahl von Merkmalen, die das Produkt Stahl ausprägen. Mit dem neuen System können aus einem relativ abstrakten Verkaufsmaterial durch die Anreicherung vielfältiger Merkmale über zehn Produktionsstufen hinweg die einzelnen, zu produzierenden Materialien detailliert abgeleitet werden.

Hinzu kam die komplexe Zeugniserstellung für Stahl- und deren Zwischengüter, die ein Qualitätsmanagement mit detailliertem Beziehungswissen erfordert. Außerdem sind im Stahlgeschäft heute Kundeneinzelprojekte üblich. Dabei hat jeder Kunde eigene Vorstellungen bezüglich der Materialmerkmale - bis hin zu seinen eigenen Verpackungsvorschriften. Dadurch hat die Stahlindustrie im Vergleich zu anderen Branchen mit die höchsten Ansprüche an durchgängige IT-Lösungen und skalierbare Hardware.

Parallel zur R/3-Umstellung musste außerdem eine Vielzahl von vor- und nachgelagerten Systemen auf die neue Plattform ausgerichtet werden. Erste Versionen des BW und der elektronischen Plattform Enterprise-Buyer-Portal waren vorher bereits mit R/2 und Fertigungsleitsystemen gekoppelt und mussten zeitgleich umgestellt werden. Ebenso die eService-Plattform mit dem Fertigwarenbestand und 800 Kunden, die zu jeder Zeit wissen wollen, wo ihr Auftrag steht.

"Wir sprechen bei Sap’oro nicht über IT, sondern über Geschäftsprozesse: von Kundenaufträgen über Faktura und Lieferung. Denn zunächst geht es um das Wissen über die Abläufe und darüber, was der Kunde benötigt, dann erst können die Systeme zu diesem Zweck ausgewählt werden", erklärt der CIO. So wurde etwa bei der Auftragsbearbeitung eine noch nicht da gewesene Durchgängigkeit und Automatisierung erreicht, die Arbeitsabläufe funktionieren ohne Systembrüche. Zudem verkürzten sich die Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten, was nachhaltig zur Kostensenkung beiträgt. "Die eigentlichen Verbesserungen und der Beitrag zum Unternehmenserfolg werden erst allmählich sichtbar. Schließlich haben wir einen Paradigmenwechsel durchgeführt: Mit dem neuen System kann jedes Materialstück einzeln bewertet werden, auch in Zwischenstufen der Produktion. Dies ist eine wichtige Funktion, da das Unternehmen viel Vermögen im Umlauf hat. Erste Inventuren haben es bereits gezeigt: Die Umstellung war ein großer Erfolg", zieht CIO König ein Fazit.

Irmgard Luible