Höhere Lohnkosten in Fernost machen den deutschen Modeherstellern zu schaffen. Den Anstieg wollen sie nun auf den Handel übertragen. Doch die Branche sträubt sich dagegen.

Zuerst war es die Baumwolle, nun sind es die Lohnkosten in Asien: Die deutschen Modehersteller ächzen nach eigenen Angaben unter steigenden Kosten und wollen die Preise für Bekleidung weiter anziehen. "Wir rechnen für 2012 für Preissteigerungen von etwa 5 Prozent", sagt der Präsident des Modeindustrieverbands GermanFashion, Gerd Oliver Seidensticker.

Doch womöglich hat er diese Rechnung ohne den Handel gemacht. Denn der sieht nach Angaben des Branchenverbands BTE überhaupt keine Notwendigkeit für Preiserhöhungen - und will die Kleidung für Verbraucher nicht weiter verteuern.

"Wir können im Einzelhandel nicht einfach immer mehr Preiserhöhungen gegenüber den Kunden durchsetzen", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE), Siegfried Jacobs.

Und der Handel selbst könne auch nicht noch mehr Lasten tragen: "Wir hatten schon 2011 einen Margenverlust, unter anderem wegen des schlechten Wintergeschäfts." Da möge die Industrie also zum Thema Preise ankündigen, was sie wolle - "das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen".

Harte Preisverhandlungen voraus

Schon 2011 sei Kleidung in den Läden um durchschnittlich 3 bis 5 Prozent teurer geworden, und auch bei der neuen Frühjahrsware sei etwas draufgeschlagen worden. Grund waren hauptsächlich explodierende Rohstoffkosten, vor allem bei Baumwolle. "Das hat sich inzwischen wieder beruhigt", sagt Jacobs und stimmt dabei mit Seidensticker überein.

Nach Ansicht von Jacobs muss deshalb aber bei der nächsten Herbst/Winter-Kollektion, die der Handel in den nächsten Wochen einkaufen wird, Schluss sein mit weiteren Erhöhungen. "Es wird jetzt harte Preisverhandlungen mit der Industrie geben", ist Jacobs überzeugt.

Wohlstand erhöht Lohnkosten in Asien

Die Hersteller begründen ihre Preis-Pläne mit den steigenden Kosten in den Produktionsländern. In "Billiglohnländern" wie China, Vietnam und Bangladesch würden die Produktionsbedingungen für deutsche Unternehmen immer schwieriger, weil dort der Wohlstand und die Nachfrage nach Arbeitskräften zunähmen.

"Auch in Ländern wie Vietnam muss man mittlerweile um gute Mitarbeiter ringen", sagt Seidensticker. Als Folge sähen sich etliche Betriebe nach neuen Produktionsstandorten um, unter anderem in Polen, Tunesien und der Türkei.

Praktisch keines der rund 330 GermanFashion-Mitglieder - vorwiegend mittelständische Unternehmen wie Boss, Bogner und Schiesser - produziere noch in Deutschland - aus Kostengründen Wer sich bei den anstehenden Preisverhandlungen zwischen Industrie und Handel letztlich durchsetzt, bleibt abzuwarten.

Petra Albers, dpa