In Deutschland geht das Thema E-Books am Einzelhandel außerhalb der Buchbranche weitgehend vorbei – in Großbritannien ist das anders. Jetzt ist wieder einmal ein Preisgefecht um E-Books, Lesegeräte und Tablets ausgebrochen, nach dem Motto: Alle gegen Amazon. Den Kunden freut’s.

Die Supermarktkette Sainsbury’s legte Anfang des Monats los mit Dumping-Angeboten: Unter dem Slogan „99 titles for 99p“ bietet das Unternehmen im gesamten Oktober, ja eben, 99 E-Books zum Preis von 99 Pence, also etwa 1,20 Euro, an. Darunter findet sich natürlich viel Allerweltsware aus den gängigen Massenmarktgenres wie Krimi, Fantasy und Liebesroman, aber auch veritabe Bestseller vom Schlage Jojo Moyes, John Grisham oder James Patterson sind dabei. Dabei setzt Sainsbury’s auf einen cleveren Mix aus ganzmonatigen Angeboten und Ein-Tages-Lockvögeln.

Die Sache ist dabei nicht ein opportunistisches Kurzfrist-Geschäft, sondern folgt offensichtlich einer Strategie: Sainsbury’s hatte Mitte 2012 den notleidenden E-Book-Anbieter Anobii für den symbolischen Preis von 1 Pfund erworben und im Januar in eBooks by Sainsbury’s umbenannt. Das ist nicht unerheblich auch für die Pricing-Strategie: Während traditionelle Großbuchhändler wie WHSmith mit Kobo und Waterstones mit Amazon lediglich als Vertriebspartner auf Kommissionsbasis agieren, erzielt Sainsbury’s als Händler auf eigene Rechnung im Schnitt eine um 30 Prozent höhere Marge – da fällt das fröhliche Preisesenken leichter.

Auch die noch größere Supermarktkette Tesco tummelt sich fröhlich im E-Book-Markt und hat dazu im vergangenen Herbst die Plattform Mobcast für 4,5 Millionen Pfund (ca. 5,5 Millionen Euro) übernommen. Auch hier sind Preisabschläge von 30 und mehr Prozent auf den empfohlenen Ladenpreis üblich. Wichtiger noch: Tesco stellt sich gezielt auf als integrierter Anbieter von digitaler Unterhaltung und kombiniert das Vorhaben mit geschickter Werbung in seinen Filialen und Bonuspunkten auf die hauseigene Kundenkarte.

Ende September schickte das Unternehmen auch noch seinen eigenen Billig-Tablet mit dem wenig schönen Namen „Hudl“ für 119 Pfund (ca. 140 Euro) ins Rennen – und verkaufte innerhalb von zwei Tagen 35.000 Stück. Nur ein paar Tage später folgte der Kataloghändler Argos, der sich zunehmend digital aufstellt, mit einem eigenen Gerät, das mit 99,99 Pfund (ca. 120 Euro) direkt gegen den Kindle Fire gepreist ist und die Konkurrenten von Apple, Samsung, Google und eben auch Tesco locker unterbietet.

Bleibt die Frage, wo die großen deutschen Einzelhändler bleiben. Karstadt und Kaufhof, lange Zeit sehr große Spieler im Verkauf von gedruckten Büchern, melden Funkstille. Und selbst Tchibo, das mit dem Buchzwischenhändler Libri einen der größten Anbieter von gedruckten und elektronischen Büchern besitzt, hält sich vornehm zurück: Bei www.tchibo.de gibt es Bettwäsche und Reisen, Blumen und Musik – E-Books fehlen. Nun ja, wenn man es sich leisten kann, seine Marke nicht überall dort zu nutzen, wo sie wirklich Kawumm haben könnte, muss es einem sehr gut gehen. Das freut uns.