Die panikartigen Rückrufe von Kreditkarten durch die deutschen Banken verunsichern die Verbraucher. Prepaid-Kreditkarten könnten davon profitieren. Zahlreiche Anbieter stehen in den Startlöchern. 

Nachdem eine ganze Reihe von Banken und Finanzinstituten in den vergangenen Tagen mit umfangreichen Rückrufen von Kreditkarten für Schlagzeilen sorgten, mussten nun auch die Sparkassen-Finanzgruppe und die Postbank einräumen, zahlreiche Kunden aus Sicherheitsgründen um die Rückgabe von Karten gebeten zu haben.

Damit läuft in Deutschland eine der größten Austauschaktionen von Kreditkarten der Geschichte. Von mehr als 160.000 Karten ist allein bei den Sparkassen die Rede, die Volks- und Raiffeisenbank sprachen von 60.000, die KarstadtQuelle Bank von 15.000 und die HypoVereinsbank von 3.000 Karten. Bei Barclaycard und der DKB-Bank (Miles&More) war von "Tausenden von Karten" berichtet worden.

Nach den Medien kommt die Politik auf den Plan

Nach den Medien und den Verbraucherschützern reagieren nun auch die ersten Politiker reflexartig und fordern strengere Regeln und mehr Sicherheit zum Schutz vor Kartenmissbrauch. Doch per Gesetz oder Verordnung wird sich kaum vorschreiben lassen, was die großen Kreditkartenorganisationen schon seit Jahren versuchen.

Kartenbetrug ist längst ein prosperierender Geschäftszweig der international vernetzten, organisierten Kriminalität. Da werden schon mal Kartenterminals bei der Produktion in Asien manipuliert, um später in westeuropäischen Ländern die PIN-Daten bei Zahlungen im Handel per Funk abzugreifen, die dann im dritten Schritt mit kopierten Karten an osteuropäischen Geldautomaten zum Einsatz kommen.

Chip und PIN gehört die Zukunft auf der Karte

Die Politik hat im Grunde schon längst auf den wachsenden Kartenmissbrauch reagiert. In der Single Euro Payments Area (SEPA) soll es ab 2011 nur noch Karten mit "Chip und PIN" geben, die dem so genannten EMV-Sicherheitsstandard entsprechen, so will es die EU-Kommission.

Das größte Sicherheitsrisiko, der leicht kopierbare Magnetstreifen auf den Karten, wird über kurz oder lang allenfalls noch für den Kontoauszugsdrucker oder den Türöffner der Bank eingesetzt werden, so die Pläne.

Von heute auf morgen ist eine solche Umstellung freilich nicht zu bewerkstelligen, zu viele Karten und Terminals gibt es in Europa, zu kostspielig ist der Austausch. Bislang war das Sicherheitsniveau bei der Kreditkartenzahlung für die Banken eine Kosten-Nutzen-Rechnung - kein Politikum.

Sicherheit als Kosten/Nutzen-Rechnung

Die Investitionen in die EMV-Chips rechnete sich für viele kartenausgebende Institute in Deutschland schlichtweg nicht, lieber nahm die Kreditwirtschaft das Betrugsrisiko in Kauf. Dementsprechend sah auch der Handel keine Veranlassung in EMV-fähige Kartenterminals zu investieren.

Nach Angaben von Mastercard liegt der Anteil der EMV-fähigen Kreditkarten mit Chip in Europa derzeit bei 54 Prozent. 72 Prozent der Terminals und 75 Prozent der Geldautomaten sollen dem EMV-Sicherheitsstandard entsprechen. In Deutschland liegt der Anteil der EMV-fähigen Terminals allerdings unter 25 Prozent. Länder, die in der Vergangenheit ein hohes Betrugsvolumen aufwiesen, wie etwa Großbritannien, waren schneller bei der Umsetzung.

Keine 100-prozentige Sicherheit gegen Missbrauch

Hundertprozentige Sicherheit vor Kartenmissbrauch gewährleistet aber auch der kleine goldene Chip auf der Karte ebenso wenig wie die Bemühungen der Kreditkartengesellschaften, mit dem so genannten "PCI DSS"-Regelwerk weltweit für einheitliche Mindeststandards bei der Verarbeitung von Kartendaten zu sorgen.

Wer als Verbraucher sicher sein möchte, dass seine Karte nicht von Unbefugten für Abbuchungen in ungeahnter Höhe missbraucht wird, aber auf die Bequemlichkeit von Kartenzahlung nicht verzichten will, der muss zur Prepaid-Kreditkarte greifen.

Diesen Karten wird ein großes Marktpotenzial zugeschrieben. Auf rund 20 Milliarden Euro taxiert das Unternehmen Accor Services die Umsätze mit den vorausbezahlten Kartenguthaben in Deutschland schon im kommenden Jahr. Accor Services, ein Tochter-Unternehmen der Accor Hotelkette und einer der führenden internationalen Dienstleister im Gutscheinkartenmarkt für gewerbliche Abnehmer, gründete Anfang dieses Jahres mit Mastercard das Joint Venture PrePay-Solutions, um den europäischen Prepaid-Kartenmarkt aufzumischen.

Prepaid-Karten bieten Sicherheit

Mastercard und Visa bieten aufladbare Kreditkarten an, die überall im Handel, Gastronomie, Dienstleistungs- oder Hotelgewerbe angenommen werden können, wo Kreditkarten akzeptiert werden. Zielgruppe für diese Karten sind bonitätsschwache Kunden oder Jugendliche, die keine normalen Kreditkarten bekommen. Aber auch Verbraucher, die auf Anonymität oder Sicherheit beim Zahlen Wert legen.

Prepaid-Kreditkarten schiessen derzeit wie Pilze aus dem Boden. (Foto: PSA Prepay Services)
Prepaid-Kreditkarten schiessen derzeit wie Pilze aus dem Boden. (Foto: PSA Prepay Services)
Im kommenden Frühjahr will der Gutscheinkarten-Spezialist Retailo AG für seine "Geschenkkartenwelt", die an bald 15.000 Verkaufsstellen in Deutschland präsent ist, eine Prepaid-Mastercard herausbringen. Rund 10 Euro soll die Karte kosten, die zunächst mit 150 Euro - später mit bis zu 1.000 Euro - aufladbar ist.

Und auch der Retailo-Konkurrent Cadooz will sich in diesem Feld positionieren: Im Gespräch mit Der Handel kündigt Cadooz-Vorstand Florian Welsch an, im ersten Quartal 2010 ebenfalls eine Prepaid-Zahlkarte heraus zu geben - auf Basis des Mastercard-Debitverfahrens Maestro und zunächst für Geschäftskunden.

Bereits Anfang Mai dieses Jahres brachte die PSA Prepay Services zusammen mit der Landesbank Berlin Gutscheinkarten auf Visa-Basis ebenfalls für Firmenkunden heraus. Drei unterschiedliche Produkte sind über das Internetportal www.gute-karten.de für gewerbliche Kunden zu beziehen.

Anbieter drängen in den Prepaid-Markt

Als weiterer Emittent von Prepaid-Karten wird zudem das Internetzahlverfahren Moneybookers aktiv. Seit dem heutigen Donnerstag bringt der Zahlungsdienstleister eine Mastercard-Prepaidkarte heraus.

"Moneybookers ist damit weltweit der erste E-Payment-Dienstleister, der die Vorteile einer elektronischen Geldbörse (eWallets) in die Offline-Welt transferiert", heißt es in einer Pressemitteilung. "Auf diesem Weg können alle Guthaben auf dem Moneybookers eWallet über jeden Geldautomaten weltweit abgehoben, oder per Kreditkarte entsprechende Zahlungen getätigt werden", wirbt das Unternehmen.

Die Karte ermöglicht den Einsatz bei allen Mastercard-Akzeptanzstellen. Im Unterschied zu anderen Prepaid-Lösungen synchronisiert Moneybookers das Guthaben auf dem virtuellen eWallet in Echtzeit mit dem auf der Kreditkarte, so dass keine Extra-Einzahlungen oder Überweisungen vom Online-Guthaben nötig sind.

Im internationalen Vergleich waren die deutschen Verbraucher allerdings auch schon vor der spanischen Kreditkartengrippe Kartenmuffel, ob sie sich von den Prepaid-Produkten nun umerziehen lassen, bleibt abzuwarten.