Wo andere Textilketten ihre Filialen längst geschlossen haben, kommt jetzt der irische Mode-Discounter Primark. Das Unternehmen baut konsequent das Deutschland-Geschäft aus.

Primark drängt in immer mehr deutschen Städten auf den Markt für billige Kleidung. Dabei hat es das irische Textilunternehmen auf besonders große Ladenlokale in zentraler Lage abgesehen, erklärt Nordeuropa-Chef Wolfgang Krogmann.

Nach mehreren Pleiten und Geschäftsaufgaben in der Branche stehen solche Häuser in den Innenstädten vielfach seit Monaten leer - wie in Essen, wo Primark 2012 eröffnet.

Günstige Mode made in Bangladesh

In Großbritannien und Irland ist das Unternehmen heute mit 152 beziehungsweise 38 Filialen vertreten. Auch in Spanien, Portugal, den Niederlanden und in Belgien gibt es bereits Ableger der Billig-Modekette, die viele Produkte in Bangladesh herstellen lässt. Zum Kernsortiment zählen außerdem Schmuck und Schuhe.

Die niedrigen Preise würden durch große Stückzahlen und geringe Margen möglich, sagt Krogmann: Das Geschäft läuft über die Masse. Außerdem verzichte das Unternehmen auf teure Werbekampagnen.

Die Produktionsbedingungen würden kontrolliert, betont das Unternehmen. Lieferanten müssten Verhaltenskodizes einhalten, die etwa Kinderarbeit und Diskriminierung verbieten und sichere und hygienische Arbeitsbedingungen festschreiben.

Neueröffnungen in Deutschland

Das 1969 in Irland gegründete Unternehmen hatte sich in Deutschland lange zurück gehalten. Deutsche Konsumenten kannten die Billigmode höchstens aus dem London-Urlaub. Jetzt wagen sich die Iren immer weiter auf den fremden Markt vor.

In Essen geht Primark in eine ehemalige C&A-Filiale gegenüber dem Dom, daneben hat Primark noch vier ehemalige Häuser der durch eine Insolvenz geschrumpften Kette SinnLeffers übernommen.

Am vergangenen Donnerstag hat nach Geschäftseröffnungen in Frankfurt, Bremen und Gelsenkirchen Primark-Laden Nummer vier im neuen Dortmunder ECE-Shopping-Center "Thier Galerie" die Türen aufgeschlossen. 535 Menschen finden hier Arbeit.

Auf 4.830 Quadratmetern und drei Etagen ist Primark der Ankermieter in der Thier Galerie - und das mit Abstand größte Geschäft im Einkaufszentrum.

Verdi hat (noch) nichts zu beanstanden

Die Gewerkschaft Verdi ist aufmerksam, betont aber, negative Meldungen zu dem Unternehmen gebe es bislang nicht. Demnächst will Verdi sich bei einem Treffen mit der irischen Gewerkschaft "Mandate" über den neuen Mitspieler genauer informieren.

Bis Ende 2012 sind nach Angaben von Nordeuropa-Chef Wolfgang Krogmann fünf weitere Standorte in Deutschland geplant, darunter außer der Filiale in Essen auch zwei Läden in Berlin. Im Ruhrgebiet ist die Billigmode-Kette dann mit drei Filialen besonders stark vertreten.

Die Konkurrenz demonstriert Gelassenheit: "Wir beobachten natürlich die Aktivitäten von Primark, lassen uns aber in unserer eigenen Strategie nicht beirren", sagte Olga Bakanow, Sprecherin des deutschen Mode-Discounters Kik.

Andreas Sträter, dpa