Die österreicherische Privatbank Semper Constantia distanziert sich vom Investment ihrer Fonds bei der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker. "Die Sache könne schief gehen", fürchtet das Institut.

"Die Semper Constantia Privatbank ist weder mit eigenem Geld noch mit Vermögen, das sie für Kunden aktiv verwaltet, in die deutsche Praktikerkette investiert", erklärt das Institut in einer Pressemitteilung. Angesichts "missverständlicher Medienberichte" sah sich die österreichische Privatbank zu diesem Statement genötigt.

"Richtig ist, dass einzelne Fonds unserer Tochtergesellschaft Semper Constantia Invest Aktien der Praktiker AG in ihren Portfolios halten. Die Bank selbst ist an diesen Investments jedoch nicht beteiligt", erläutert Helmut Urban, Sprecher des Vorstands.

Die Bank ist weder mit eigenen noch mit Kundengeldern engagiert

Nach einem Bericht der "Wiener Zeitung" haben die Eigentümer der Bank, untersagt, selbst Beteiligungen einzugehen - auch bei Praktiker. "Wir wollen uns aus dieser Sache raushalten, das kann auch schiefgehen. Und das würde uns unseren Ruf kosten", zitiert die Zeitung eine nicht näher genannte Quelle aus der Privatbank.

Die Semper Constantia bestätigte jedoch zugleich, dass einzelne Spezialfonds von Kunden in Praktiker investiert haben und daher die Kapitalanlagegesellschaft Semper Constantia Invest GmbH als Aktionärin (5,01 Prozent) bei der Praktiker AG aufgelistet würde.

Keine gesellschaftsrechtliche Verbindung zu Maseltov

Zwischen der Privatbank und der zypriotischen Gesellschaft Maseltov gibt es laut "Wiener Zeitung" keinerlei gesellschaftsrechtlichen Verbindungen. Maseltov hält derzeit rund zehn Prozent an der Praktiker AG. In der jüngsten Vergangenheit hatte sich Isabella de Krassny, Fondsmanagerin und Prokuristin der Semper Constantia, immer wieder im Namen von Maseltov zur Restrukturierung von Praktiker geäußert und zuletzt eine Vorverlegung der im Juni anberaumten Hauptversammlung sowie eine Aktionärsentscheidung zum erneuten Kurswechsel bei der Sanierung gefordert.

"Ich kann Ihnen beim besten Willen keine Auskunft über die einzelnen Investoren der Maseltov geben", wird de Krassny nun von der "Wiener-Zeitung" zitiert. "Ich kann Ihnen aber so viel sagen, dass es sich um österreichische Investoren handelt, die gemeinsam zehn Prozent an Praktiker halten, mit dem Ziel aktiv Aktionärsrechte auszuüben."

Sie selbst sei nur eine "sehr kleine" Investorin bei Maseltov und vertrete "unentgeltlich nach außen die Interessen der Investmentgesellschaft", heißt es in dem Bericht.

Der neue Sanierungskurs stößt auf viel Skepsis

Der neue Sanierungskurs mit dem langjährigen Aufsichtsratsmitglied Kay Hafner in der Rolle des Vorstandschefs der Praktiker AG und dem ambitionierten Vorhaben, rund die Hälfte der deutschen Praktiker-Standorte in Max Bahr-Märkte zu verwandeln, wird in der Handelsbranche mit viel Skepsis betrachtet.

Max Bahr ist eine nur regional bekannte Marke, die für hochwertige DIY-Märkte mit guter Beratung und Service steht. Davon sind viele Praktiker-Häuser meilenweit entfernt. Allein das Umflaggen der Filialen dürfte Millionen Euro verschlingen, bis sich auch das Image wandelt, dürften Jahre vergehen. Fraglich ist aber, ob Praktiker soviel Zeit bleibt.

Die ungewöhnlich deutliche Distanzierung der Semper Constantia Privatbank von den Praktiker-Investments ihrer Fonds, spricht Bände darüber, wie die Zukunftschancen des Unternehmens derzeit in Finanzkreisen bewertet werden. 

Mit Spannung darf nun die kommende Hauptversammlung des Konzerns erwartet werden, zumal von dem neuen Investor, der das geänderte Restrukturierungskonzept finanzieren will, bislang außer dem Namen kaum etwas bekannt ist. Nach Informationen der Lebensmittel-Zeitung soll es sich um die New Yorker Anchorage Capital Group handeln, weder die Praktiker AG noch das Unternehmen selbst machen hierzu Angaben.