Niedriger Ölpreis, schwacher Euro und die Kauffreude der Menschen beflügeln im Jahr 2015 die deutsche Wirtschaft. Das Ifo-Institut rechnet mit mehr Wachstum als bislang angenommen. Sorgen breiten den Forschern aber fehlende Investitionen.

Die deutsche Wirtschaft kann optimistischer als bisher aufs kommende Jahr blicken. Die Forscher des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung  erhöhten ihre Wachstumsprognose von zuletzt 1,2 auf 1,5 Prozent. "Die fallenden Ölpreise und der Kursverfall des Euro haben mitgeholfen, die Schockstarre nach dem Ausbruch der Ukraine-Kise zu überwinden", sagte Ifo-Chef Sinn am Donnerstag in München.

Getragen werde der Aufschwung vor allem vom privaten Konsum. Die positive Prognose basiere aber auch auf dem zuletzt wieder gestiegenen Ifo-Geschäftsklimaindex, der eine Stimmungsbesserung in den Unternehmen aufgezeigt hatte. Sorge bereitet Sinn dagegen, dass die Unternehmen nur wenig investieren.

Auch Mindestlohn und Rente mit 63 würden die Entwicklung bremsen. Trotzdem ist das Ifo-Institut mit seiner Prognose deutlich optimistischer als etwa der Sachverständigenrat der Bundesregierung, der für 2015 nur mit einem Plus von 1 Prozent rechnet.

Niedrige Inflation kein Problem

Sorgen vor einer zu niedrigen Inflation erklärte Sinn für unbegründet. "Wenn die Inflationsrate zeitweise absackt, ist das kein Problem." Um das Preisniveau in den Eurostaaten anzugleichen, müsse Deutschland aber auch eine höhere Geldentwertung akzeptieren. Die Anpassungen innerhalb der Eurozone könnten nicht einseitig den Staaten in Südeuropa aufgebürdet werden.

Die Investitionen der Unternehmen steigen nach der Ifo-Prognose nur leicht um zwei Prozent. "Das ist unser Sorgenkind, bei einem ordentlichen Aufschwung sollten zweistellige Wachstumsraten drin sein", sagte Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo-Konjunkturabteilung. Sinn bestätigte: "Deutschland investiert zu wenig im Inland und zu viel im Ausland."

Grund für die zurückhaltenden Investitionen ist nach Ansicht der Forscher auch die Einführung des Mindestlohns im Januar. "Die Unternehmen werden auch Maßnahmen wie Preiserhöhungen und Personalabbau ergreifen", sagte Wollmershäuser. Dank der anziehenden Konjunktur soll die Arbeitslosenquote trotzdem leicht von 6,7 auf 6,6 Prozent sinken.