Die Konsumgütermesse Tendence startet am heutigen Freitag in Frankfurt - mit deutlich weniger Ausstellern als im Vorjahr, dafür mit vielen Neuheiten.

Die Konsumgütermesse Tendence (3. bis 7. Juli 2009) als kleine Schwester der mehr als doppelt so großen Frühjahrsmesse Ambiente leidet deutlich unter der weltweiten Rezession, die in den meisten Ländern - mit Ausnahme von Deutschland - auch eine Konsumkrise mit sich bringt.

Mit 2.091 Firmen kommen diesmal knapp 30 Prozent weniger Aussteller als vor einem Jahr nach Frankfurt. Auch die vermietete Fläche ist um den selben Faktor zurückgegangen.

Mehr Vorlauf für das Weihnachtsgeschäft

Der lange Jahre erfolgsverwöhnte Geschäftsführer der Messe Frankfurt, Michael Peters, musste sich schon fragen lassen, wann denn die ökonomische Schmerzgrenze für diese Veranstaltung erreicht sei.

Noch lange nicht, lautete seine Antwort mit Blick auf die 850 Jahre währende Geschichte der Frankfurter Herbstmesse, die 2008 auf Wunsch der Aussteller in den Sommer vorgezogen wurde, um den Kunden mehr Vorlauf für das Weihnachtsgeschäft zu geben.

Reges Interesse des Handels

Peters sieht seitens des Handels nach wie vor ein „reges Interesse" an Messen, da die Krise bei der Branche noch nicht angekommen sei. „Händler brauchen nach wie vor spannende Produkte", betont er.

Dabei haben Messen für Händler nicht mehr dieselbe Funktion wie früher: „Der Einzelhandel ordert nicht mehr so stark vor Ort, sondern lässt sich eher inspirieren und pflegt die Kontakte zu den Herstellern. Heute herrscht ein ganz anderer Orderrhythmus als früher", hat Peters erkannt.

Vielen vormaligen Stützen der Konsumgüterindustrie rund ums Essen, Schenken und Dekorieren fällt es immer schwerer, zu zwei Messeterminen im Jahr Neuigkeiten vorzuweisen. Vor allem der Sektor Küche und Tisch hat eine steile Talfahrt hinter sich, die sich in spektakulären Insolvenzen wie zum Beispiel bei Rosenthal ausdrückt.

Vor allem Hersteller aus dem Ausland kommen der Frankfurter Messe gegenwärtig als Aussteller abhanden. „Es ist bitter für uns, wenn sich langjährige Kunden ganz vom Markt verabschieden", sagt Peters.

Positive Beispiele machen Mut

Gut im Geschäft ist hingegen die Gilde Gruppe, die mit ihren verschiedenen Marken in ganz verschiedenen Preissegmenten des Hausratsmarktes unterwegs ist. Sie stellen den Einzelhändlern unter anderem große Komplettdisplays hin, die teils über tausend Artikel präsentieren.

Am Besten laufen die Geschäfte bei den Discountern und im Premiumbereich. „Die Mitte dünnt sich immer weiter aus", berichtet Gilde-Geschäftsführer Hamid Yazdtschi. Karstadt und Hertie lassen grüßen.

Seine Ausstellungsfläche ausgebaut hat auch der südhessische Plastikspezialist Koziol, der in den vergangenen Jahren häufig den Zeitgeist getroffen hat. Die Firma aus Erbach im Odenwald setzt auf Witz, wenn sie als zentrale Neuheit einen Eierbecher unter dem Namen „EiPod" präsentiert, der Form und Namen eines bekannten Kultgegenstands der Firma Apple karikiert.

Produkte zum Anfassen

Sorgen bereitet den Messeveranstaltern die zunehmende Verlagerung der Business-Kontakte ins Internet und die Sparsamkeit der Einkäufer bei den Reisekosten.

Zwischen Wanduhren in allen Größenordnungen, Weckern in Form einer Bombe und beschreibbaren Regenschirmen sagt aber Dieter Schmidt von der Ludwigsburger Present Time GmbH: „Unsere Produkte muss man sehen und anfassen."

Deshalb spiele die Musik beim Verkauf von Geschenkartikel an Endverbrauchern immer noch im stationären Ladengeschäft. Und - zwischen Herstellern und Einkäufern - auf Messen wie der immer noch großen Tendence.